Gleichheit statt Scheinwelt

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  • Heinrich Brinker ist Direktkandidat für die Bundestagswahl. Er will sich gegen weitere militärische Aufrüstung einsetzen. Foto: 1/2
    Heinrich Brinker ist Direktkandidat für die Bundestagswahl. Er will sich gegen weitere militärische Aufrüstung einsetzen. Foto: Foto: 
  • Weniger Geld für die Rüstung, dafür mehr in Bildung und Krankenhäuser investieren, fordert Brinker. 2/2
    Weniger Geld für die Rüstung, dafür mehr in Bildung und Krankenhäuser investieren, fordert Brinker. Foto: 
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Faires Einkommen, gesicherte Arbeitsplätze und bezahlbarer Wohnraum: Mit diesen Schwerpunkten wirbt Heinrich Brinker von den Linken im Bundestagswahlkampf. Der 60-Jährige ist Direktkandidat für den Wahlkreis Nürtingen.

Er setzt sich für eine Entspannungspolitik, die mehr Geld für Bildung, soziale Einrichtungen und Berufe vorsieht, ein. Wenn man die Ausgaben für die Rüstung senkt, wäre das aus Sicht Brinkers machbar. Die Politik könne so verhindern, dass die Schere zwischen arm und reich in Deutschland weiter auseinandergeht. Ein Problem, das den 60-jährigen IT-Fachmann „am meisten umtreibt“, wie er sagt.

Verantwortlich macht er dafür vor allem ein profitorientiertes Handeln. „Die Wissenschaft ist sich des Problems bewusst, aber politisch passiert nix“, so Brinker. Es brauche eine bessere Umweltpolitik und keine schöne Scheinwelt, erklärt der Direktkandidat. Es sei wenig sinnvoll, „dass Lebensmittel für uns im Ausland angebaut werden“, um Kosten einzusparen. Das schade der dortigen Wirtschaft. Gleichzeitig wolle die Regierung aber mehr Geld für die Rüstung ausgeben, kritisiert Brinker.

„Eine friedliche Zukunft braucht hingegen Abrüstung“, macht er deutlich. Dabei würde an anderen Ecken gespart, wo eine Investition dringend gebraucht werde, wie in der Umweltpolitik. Stattdessen „verprasse die Bundesregierung Milliarden in die Gefährdung der Menschheit“. Als Beispiel nennt er das umstrittene Handelsabkommen TTIP. Ein Land müsse sich selbst ernähren und über die eignen Rohstoffe verfügen können, um autonom zu sein, betont Brinker. Das Freihandelsabkommen fördere aber lediglich die Interessen der Stärkeren, dies würde dafür sorgen, dass ein Teil der Menschen verarmt. Ein Kreislauf dem die Linke entgegentreten will.

Aber nicht allein die internationale Politik sieht die Partei kritisch. Auch in Deutschland gebe es genügend Baustellen, an denen gearbeitet werden müsse. Für etwa 40 Prozent der Beschäftigten hätten sich seit 20 Jahren keine Reallöhne mehr erhöht, es wird weniger Geld in die Rentenkasse eingezahlt und Minijobs reichen nicht zur Existenzsicherung, wirft Brinker ein. Das Problem hierfür liege zum Teil an der Agenda 2010, die den Niedriglohnsektor geschaffen habe.

„Hartz IV erzeugt einen Wahnsinnsdruck“, erklärt der Landespolitiker. Wenn Menschen nicht bereit wären alles zu tun, drohen ihnen Strafen. Dabei solle versucht werden, zu vermitteln und die Menschen bestmöglich zu qualifizieren, statt Hartz IV als Zwangsinstrument zu verwenden. Die Linke fordert daher für Rentner und Hartz IV-Empfänger ein Mindesteinkommen von 1050 Euro pro Monat. „800 Euro Rente sind menschenunwürdig“, so Brinker, es muss eine Änderung geben. Hinzu kommt, dass die Linke eine Erhöhung des Baföghöchstsatzes um 100 Euro vorsieht. Außerdem sollte jeder Student die Chance auf elternunabhängiges Bafög haben. Zudem müsse das Schulwesen anders strukturiert werden. Mehr Lehrer, kleinere Klassen, und Sanierungen von Gebäuden seien nötig, um gute Bildung zu gewährleisten.

Weitere Themen sind die, aus Brinkers Sicht notwendigen Reformen, im Gesundheits- und Rentensystem. „Wenn alle, die Einkommen haben, in einen Topf einzahlen würden, ergebe sich daraus eine Summe, die für alle reicht“, so der 60-Jährige. Er strebt nach einer paritätischen Finanzierung, die ausgewogen ist. Investieren müsse man im Pflegebereich. Krankenhäuser brauchen mehr Fachkräfte, um den Pflegeschlüssel zu verbessern. Zurzeit beträgt er eins zu zehn. „Die Berufe müssen aufgewertet und entsprechend entlohnt werden“, fordert Brinker.

Darunter falle auch, dass Vermögende, die mehr als 260 000 Euro pro Jahr verdienen, 60 Prozent Steuern zahlen. Das sei keine Neuheit, erklärt Brinker. Unter der CDU und Helmut Kohl habe es bereits einen Steuersatz von 53 Prozent gegeben. Zudem wolle die Linke Vermögen besteuern. Wer mehr als eine Millionen pro Jahr verdient, solle 70 Prozent davon abgeben. „Man hätte 250 000 Euro netto“.

Die Einnahmen würden dann für verschiedene Projekte genutzt werden. Darunter falle auch der öffentliche Nahverkehr, der ausbaufähig sei. So könnten Bahnen und Busse häufiger fahren, das hätte auch zur Folge, dass die Menschen nicht mehr so häufig auf Autos angewiesen seien. „Wir müssen die Anbindung der kleineren Orte hinbekommen“, sagt der Bundestagskandidat.

Man wolle einfach in bereits bestehende Verkehrsnetze investieren. Das würde auch den Flächenverbrauch reduzieren. Wohnraum, vor allem bezahlbarer, werde in Deutschland immer knapper. Die Kommunen seien durch die „schwarze-Null-Problematik“ gezwungen, mehr Gewerbe anzulocken. Hier braucht es einen Ausgleich, der die Kommunen stärkt und es sowohl den Menschen als auch dem Gewerbe erlaubt, „gut zu existieren“.

Heinrich Brinker ist 1957 in Niedersachsen geboren.
1978 studierte er an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg Lehramt. Er war im allgemeinen Studierendenausschuss und der Fachschaft aktiv. Danach bildete er sich zum EDV-Organisator weiter und arbeitete im Rechenzentrum im Mercedes-Benz-Werk in Bremen.
1994 wurde der IT-Bereich an die Telekom verkauft und Brinker wechselte den Konzern.
1999 trat Brinker aus Protest gegen den Jugoslawienkrieg in die Linke ein.
2001 übernahm er dann das internationale IT-Service-Management für Daimler. Berufsbedingt zog Brinker nach Kirchheim unter Teck.

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