Facetten aus 1000 Jahren zeigen

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Ziel ist, die Vergangenheit authentisch lebendig werden zu lassen: Die Mitglieder der Reenactment (Nachstellung)-Gruppen.  Foto: 

Wie haben sie einst gelebt, die Alamannen, Kelten und Römer? Davon hat wahrscheinlich jeder eine gewisse Vorstellung, doch manche Menschen wollten es genau wissen: Sie schlossen sich zu historischen Gruppen zusammen und stellen das Leben der Vorzeit ganz praktisch nach. Sechs dieser Gruppen – drei keltische, zwei römische und eine alamannische – schlagen nun ein Lager an der Hülbener Rietenlauhalle auf.

Am Wochenende steigt das Kelten-Erlebnis-Event, das die gastgebende Keltengruppe Riusiava aus Grabenstetten zusammen mit Dr. Gerd Stegmaier, dem wissenschaftlichen Referenten der Region am Heidengraben, organisiert hat. „Wir zeigen Facetten aus 1000 Jahren Menschheits- und Kulturgeschichte“, fasst Stegmaier das Event zusammen. „Alle Lebensbereiche werden angeschnitten: der Alltag, das Handwerk, die Kampfkunst und der rituelle Bereich.“

Der Wissenschaftler betont, dass die Gruppen die Vergangenheit durchaus authentisch darstellen würden. „Das ist kein Humbug oder Schabernack“, stellt Stegmaier klar. Allen voran die Keltengruppe Carnyx: Die Reenactment-Gruppe aus Rottenburg am Neckar besteht hauptsächlich aus Fachleuten und wurde vor rund 20 Jahren vom renommierten Denkmalpfleger und Archäologen Dr. Jörg Bofinger ins Leben gerufen. „Ihre Darstellung ist sehr nah an der Realität“, ist sich Stegmaier sicher.

Marschgepäck der Legionäre

In Hülben werden die Gruppen Zelte aufschlagen, die Römer sogar ein Lager der römischen Legionäre einrichten. „Sie stellen dar, was abends in den Lagern gemacht wurde, welches Marschgepäck ein römischer Soldat zu tragen hatte und wie das Lager gesichert war“, erzählt Stegmaier. Vor allem über die Römer und deren Legionen ist vieles bekannt, sodass sich die modernen Hobby-Römer an fundiertem Wissen orientieren können.

In den Zeltlagern wird dabei ständig gearbeitet werden: So können Besucher Einblicke in die Textilherstellung und die Webtechnik genauso erhalten wie in die keltische Kochkunst. „Den Eintopf können die Gäste sicher auch probieren“, schmunzelt Stegmaier. Metallhandwerker werden Münzen prägen und an winzigen Ringen für ein Kettenhemd arbeiten, an anderer Stelle können sich die Besucher selbst an einer alten Drechselbank ausprobieren. Vieles, das in den Lagern hergestellt wird, dient den Gruppen für ihre Erweiterung: Stoffe werden für Kleider verwendet, die Metallringe irgendwann zu einem authentischen Kettenhemd zusammengebracht. „Das kann auch mal zwei oder drei Jahre dauern“, weiß der Heidengraben-Referent.

Vier Schauvorführungen

Für die Besucher gibt es also schon beim Lager-Alltag viel zu sehen  – und zu erfahren, schließlich geben die meisten Alamannen, Kelten und Römer gerne Auskunft über das Leben ihrer historischen Vorbilder. Natürlich gibt es aber auch zusätzlich besondere Vorführungen: Am Samstag und Sonntag gibt es jeweils um 13 und um 16 Uhr eine historische Modeschau zu bestaunen, wobei auch Wissenswertes zu den Stoffen und Webtechniken zu erfahren sein wird.

Ebenfalls an beiden Tagen, um 14 und 17 Uhr, werden Kampfvorführungen die Zuschauer in ihren Bann ziehen. Woher weiß man allerdings, wie die Menschen damals kämpften? Einiges sei tatsächlich eine moderne Interpretation, wobei vor allem die Römer Schriften zu ihren Taktiken hinterließen. „Und anhand von Skelettuntersuchungen und den Einschlagswinkeln von Schwertern lassen sich Rückschlüsse ziehen“, erklärt Stegmaier.

Das Zeltlager der historischen Alamannen-, Kelten- und Römergruppen an der Rietenlauhalle in Hülben ist am Samstag von 12 bis 20 Uhr sowie am Sonntag von 11 bis 18 Uhr für Besucher geöffnet. An beiden Tagen gibt es rund um das nachgebaute keltische Zangentor historische Modeschauen (13 und 16 Uhr) sowie Kampfvorführungen (14 und 17 Uhr). Der Eintritt ist frei. Ebenso wie zur parallel geöffneten Keltenausstellung „Das Geheimnis der Keltenfürstin“ des Landesamtes für Denkmalpflege. Bewirtet wird am Kelten-Erlebniswochenende durch den Verein FAKT (Förderverein für Archäologie, Kultur und Tourismus) und den Förderverein Heidengraben. ath

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