Europas Kleinste unter sich

Zu dem Jahrestreffen der Interessengemeinschaft Ouessantschaf (IGOU) kamen Züchter aus ganz Deutschland, um ihre Schafe auszustellen.

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Über das gesamte Wochenende konnten Gäste rund 90 Tiere am Gestütshof St. Johann betrachten. Immer wieder hörte man Rufe: "Schau mal, wie süß" oder "die sind ja noch so klein und jung". Tatsächlich aber handelte es sich bei der Schafausstellung der IGOU nicht nur um Jungtiere, sondern um ausgewachsene Schafe und Böcke. Trotzdem kam das Missverständnis nicht von ungefähr, denn bei der Ausstellung wurden ausschließlich Ouessant-Schafe ausgestellt. Diese Rasse ist die kleinste Schafrasse Europas. Während die männlichen Tiere eine maximale Schulterhöhe von nur 49 Zentimeter haben dürfen, sollten die weiblichen sogar nur 45 Zentimeter groß sein.

Die von der bretonische Atlantikinsel Ouessant stammenden Tiere sind vermutlich so klein, weil das Futter auf der Insel karg und das Klima rau war. Aber auch die menschliche Auslese führte zu dem typischen Kleinwuchs.

Trotz des niedlichen Aussehens der Schafe und Böcke wäre die Ouessantrasse vor 40 Jahren fast ausgestorben. Doch französische und niederländische Liebhaber der Rasse versuchten die Art zu erhalten. Während 1977 nur knapp 500 Tiere existierten, wird der Bestand heute auf rund 15 000 Tiere geschätzt. Auch deutsche Züchter fanden immer mehr Gefallen an der Rasse, und so entstand 2006 die Interessengemeinschaft Ouessantschaf. Diese Gemeinschaft aus befreundeten Züchtern traf sich auch dieses Jahr wieder, um ihre Zucht zu zeigen und bewerten zu lassen.

Der Gestütshof St. Johann bot dabei mit seinen angrenzenden Wiesen und Weiden die perfekte Kulisse für das Jahrestreffen der Ouessant-Liebhaber.

Bewertet wurden insgesamt elf Klassen, darunter Altböcke, Altschafe, Jährlingsböcke und Jährlingsschafe in den jeweiligen Farben Schwarz, Weiß oder Braun. Die Schafsrichter Henk Slaghuis von der niederländischen Fokkersvereniging Ouessant Schapen und Diana Nicolaus sowie Andreas Hertler von dem Landesschafzuchtverband Baden-Württemberg hatten in allen Klassen bestimmte Merkmale, auf die sie achten mussten. So sollten Größe und Gewicht stimmig zueinander sein, die Beine mussten gerade sein sowie auch die Rückenlinie, zudem war auch die Dicke und Länge des Schwanzes entscheidend. Bei den Böcken war außerdem noch die Hornstellung wichtig. Waren die Hörner zu nah am Kopf oder aber zu weit gewachsen, konnte es bei der Bewertung Abzug geben. Da konnte es schon vorkommen, dass der vermeintlich beste Bock auf dem letzten Platz landete, weil seine Hörner schon fast den Kopf berührten.

Und auch sonst hatten es die Richter nicht immer leicht, denn "der Unterschied in der Qualität ist nicht immer groß", so Slaghuis. Doch trotzdem waren die letzten Plätze keine schlechten Plätze, denn Slaghuis versicherte den Züchtern, dass auch die letzten Plätze gute Möglichkeiten zur Zucht hätten.

Unter den ausgezeichneten Böcken und Schafen aller Klassen wurden dann noch der beste Bock und das schönste Schaf gewählt. Der Bock Pepino mit seiner Farbe französisch Grau stach bei den fünf ausgezeichneten Böcken heraus und gewann für seine Besitzerin und Züchterin Andrea Stölzle aus Herxheim die Auszeichnung bester Bock.

Als schönstes Schaf wurde das schwarze Schaf Enigma ausgezeichnet. Züchter Dr. Horst Roller aus St. Johann und Besitzer Fritz Starzmann aus Bad Urach waren begeistert.

Nach einer langen Tierbewertung und Ausstellung wurde der Samstag mit der Jahreshauptversammlung und einem gemütlichen Zusammensein der befreundeten Züchter beendet.

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