Entscheidung bleibt haften

Die Falkensteinhalle ist frisch saniert. Schade also, wenn das Interieur sogleich durch klebriges Harz der Handballer verunreinigt würde. Dennoch genehmigt der Gemeinderat dessen Einsatz – auf Bewährung.

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Handball ist in Grabenstetten Volkssport Nummer eins. Und so wird morgen, wenn die vom TSV Dettingen zum Landesliga-Derby vom Tal unten rauf auf die Alb kommen, wieder in Hundertschaften mitgefiebert, gelitten und gefeiert – egal, wie das Spiel am Ende ausgeht. Eine Ausrede können die Unterlegenen jedenfalls nicht vorbringen: das unter Handballern geächtete Harzverbot. Mit diesem Klebemittel verhindern die Sportler zwar einerseits, dass ihnen der Ball unkontrolliert aus der verschwitzten Hand rutscht. Andererseits aber kennt das Harz den Unterschied zwischen Hand, Ball, Hallenboden und Türklinke nicht – es klebt einfach überall.

Deswegen kam im Gemeinderat Grabenstetten jetzt die Frage auf, ob man dieses extrem anhängliche Hilfsmittel in der frisch sanierten Falkensteinhalle nicht verbieten könne, wie es in manchen anderen Hallen der Liga bereits der Fall ist. „Mit dem neuen Boden wäre doch jetzt der richtige Zeitpunkt, ein Harzverbot auszusprechen“, wagte sich Fritz Holder nach vorn. Immerhin sei die Verwendung mit einem erhöhten Putzaufwand und damit mit mehr Kosten verbunden. Bei einem Kostendeckungsgrad von gerade mal 8,7 Prozent beim Betrieb der Falkensteinhalle müsse die Frage ernsthaft in Erwägung gezogen werden.

Damit rief er natürlich seine Ratskollegin Martina Lehmann auf den Plan, die beim TSV als Abteilungsleiterin (Tennis) engagiert ist. „Das ist keine Frage des Putzens, sondern des Putzmittels“, entgegnete sie. Der augenblicklich wenig ansehnliche Zustand rühre daher, dass nach der Sanierung noch nicht das geeignete Putzmittel vorhanden sei, um das wasserlösliche Harz nach dessen Gebrauch zu entfernen. „Jetzt ist das Mittel aber bekannt und bestellt“, signalisierte sie, dass dem Harz demnächst auf den Leib gerückt werde. Zuständig für die Reinigung ist dann der TSV selbst, der zwei Mal pro Woche nach dem Training und nach den Wochenendspielen die Halle zu entharzen habe.

„Handball ohne Harz ist wie Kickstiefel ohne Stollen“, befand Ulrich Wahl. „Das geht eigentlich gar nicht.“ Deswegen fällte der Gemeinderat vorerst ein salomonisches Urteil: Harz auf Bewährung. Wenn die TSV-Handballer ihren Pflichten nachkommen, bleibt wasserlösliches Harz weiterhin erlaubt, wenn nicht, dann steht das Thema in einigen Monaten wieder auf der Tagesordnung des Rates.

Geregelt sind die Modalitäten der Hallennutzung übrigens in der Benutzungs- und Entgeltordnung, die erstmals überhaupt für die Falkensteinhalle verabschiedet wurde. Darin festgehalten ist auch ein Anstieg der Hallenmiete. Weil dies zuletzt 2002 der Fall war, fällt die Erhöhung heuer entsprechend üppig aus. Mit Dauermietern wie dem TSV könnten Pauschalregelungen getroffen werden, wie Hauptamtsleiterin Carina Maldoner darlegte. Alle ortsansässigen Vereine erhielten nach wie vor für eine Veranstaltung im Jahr die Falkensteinhalle kostenlos zur Verfügung gestellt. „Andere Kommunen haben große Programme zur Vereinsförderung, wir machen das unter anderem über die günstigen Hallengebühren“, sagte Bürgermeister Harald Steidl.

Damit die Grabenstetter Vereine noch möglichst lange von diesem Service profitieren können, müssen sie auf dem neuen Hallenboden künftig beachtet, die Rollwagen mit Tischen oder der Bühne nicht schwer zu beladen. Durch die Wagenräder könnte sonst der Hallenboden Löcher bekommen – und die lassen sich dann nicht mal mehr mit Harz kaschieren.

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