Einmal die kuschelige Schneegans streicheln

An einem Vorfrühlingstag nach einem Winter der keiner war, tauchten 80 Kinder auf ungewöhnliche Weise tief ein in die kalte Jahreszeit - beim Theaterstück "Hollas Haus". Besondere Kleinigkeiten begeistern dabei.

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Die Magie des Ein-Frauen-Stücks mit musikalischer Begleitung faszinierte die Kinder - fast immer. Foto: Kirsten Oechsner

Die Inszenierung von "Hollas Haus" ist anders, als man sich Theater für Kinder vorstellt: Es herrschen warme Farben vor, keine grellen Elemente stechen den kleinen Zuschauern und ihren erwachsenen Begleitern ins Auge. Und so sanft das Bühnenbild von Anna Rosenfelder vom "Theater Papilio" gestaltet wurde, so ruhig und ohne große Actionelemente wird auch die Geschichte von "Hollas Haus" erzählt.

Denn laut und schrill kann eine magische Winterreise in die Wunder und die Freuden der Winterzeit wahrlich auch nicht inszeniert werden - Anna Rosenfelder gibt dem Publikum ab vier Jahren die Möglichkeit, sich ganz auf das Stück einzulassen und regt vor allem die Fantasie an. Große Augen bei den kleinen Zuschauern gibts trotzdem, weil manche Kleinigkeiten sich als etwas ganz Besonderes und Faszinierendes entpuppen: Die Schneegans zum Beispiel ist sozusagen ein erweiterter Handschuh, kuschelig und zum Knuddeln geeignet. Kein Wunder, dass beim Gang durch das Publikum jeder die Schneegans streicheln will.

Sowieso ist Anna Rosenfelder der direkte Kontakt zu den Jungen und Mädchen wichtig, er gehört zum ganz besonderen Zauber dieser sanften Inszenierung: Die Zuschauer werden vom Gitarristen Björn Scherer im Vorraum abgeholt und mit Musik zu den Plätzen geleitet. Und die sind ganz nah an der Bühne, direkt davor ist eigens ein Teppich für die Zuschauer ausgelegt - auf den Stühlen sitzen lediglich einige Erwachsene. Anna Rosenfelder mischt Elemente aus Figuren- und Erzähltheater, fesselt die Kinder dabei mit ganz besonderen Ideen: So modelliert sie aus einem Teig einen Opa und aus ihm wird später eine Dorfszene.

Schade nur, dass die Magie des Ein-Frauen-Stücks mit musikalischer Begleitung manchmal jäh unterbrochen wurde: Dass Kinder vor Aufregung manchmal den Schutz der abseits sitzenden Mutter suchen - das ist normal, darüber kann man hinweg sehen. Doch dass dabei während des laufenden Stücks Lollies geräuschvoll geöffnet werden - das ist eigentlich nicht zu akzeptieren, die Arbeit der Akteure sollte respektiert werden. Doch Spaß gemacht hat dieses etwas andere Theaterstück insgesamt allemal, nun muss lange auf den nächsten Theatermittag der Gemeindebücherei gewartet werden: Mit "Hollas Haus" wurde die Sommerpause eingeläutet, weiter geht es erst am 21. Oktober.

An fünf Terminen waren seit vergangen Oktober Kindertheater-Ensembles in Dettingen zu Gast, mit der Resonanz ist Büchereileiterin Sabine Makram zufrieden: Zwischen 80 bis 100 Jungen und Mädchen waren jedes Mal mit dabei. Möglich wird die Reihe durch die finanzielle Unterstützung der Volksbank Metzingen-Bad Urach. Die Vorbereitungen für die nächste Spielzeit laufen schon längst, Sabine Makram setzt auf eine Mischung von bewährten Ensembles, die seit Jahren in Dettingen ihre jeweils neusten Inszenierungen vorstellen, und Premiere-Gästen - eben wie das Theater Papilio. In der Regel werden Stücke für Kinder ab vier Jahren gezeigt, manchmal muss die Altersgrenze auch hochgesetzt werden: "An die Altersangaben soll man sich auch halten, die Stücke sind ganz speziell für bestimmte Altersgruppen ausgearbeitet", erklärt Sabine Makram.

Für sie selbst ist die Zeit der Veranstaltungen indes nicht vorbei, nun gehts mit Lesungen weiter. Die sind nicht öffentlich, sondern gezielt für Klassen der beiden Dettinger Schulen.

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