Einfälle für mehr Chancen im Ort

Die Menschen am Ort wissen am besten, was gut für sie ist – mit EU-Fördermitteln des sogenannten Leader-Programms können ihre innovativen Ideen finanziert werden.

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Viel Beratungsbedarf gab es beim Leader-Informationsabend in Hülben. Foto: Nadine Wilmanns  Foto: 

Vertreter aus vielen Gemeinden und drei Landkreisen durfte der Hülbener Bürgermeister Siegmund Ganser am vergangenen Donnerstag-Abend im alten Schulhaus seiner Ortschaft willkommen heißen. Aus Grabenstetten, Westerheim, Erkenbrechtsweiler, Bad Urach, Römerstein und anderen umliegenden Ortschaften waren Interessierte angereist, um sich über das vielversprechende Leader-Programm zur Regionalentwicklung der Europäischen Union schlau zu machen.

Der Bürgersaal im alten Schulhaus war voll besetzt, das Interesse groß. Hülben selbst hat einen Dorfladen in Aussicht, der vom Leader-Programm mitfinanziert werden soll, da überrascht es nicht, dass nun auch andere Gemeinden und ideenreiche Älbler neugierig geworden sind. ,,Ich find‘s gut, sonst wär‘ ich nicht dabei – ich hab einen Antrag gestellt“, fasst Ganser seine Haltung zum Programm knapp zusammen. Das Leader-Programm wurde von der Europäischen Union initiiert, die darüber Projekte fördert, die den ländlichen Raum stärken.

Am Anfang steht die Idee

Den Anfang macht immer eine Idee, ein origineller und praktisch umsetzbarer Einfall, wie man das Leben auf der Alb noch lebenswerter machen könnte. ,,Es kommt auf ihre Einfälle, Ideen und Initiativen an“, motivierte Elisabeth Markwardt die gesellige Runde im Bürgersaal. Sie und Kollege Hannes Bartholl sind die Leader-Regionalmanager für den Bereich Mittlere Alb. Sie hatten das Ziel, das Programm einem jeden der Schulhausbesucher verständlich zu machen und daraus resultierend bald viele neue Projektträger zu haben.

Dazu wurden interaktive Aufgaben gestellt, etwa mögliche Projekte in Kleingruppen zu formulieren. Das Gespräch wurde gesucht und gefördert. Denn: Jeder ist gefragt, mit seinem Ideenreichtum ,,die Landbewohner zu unterstützen und ihre Heimat zu stärken“, so die Leader-Manager. Schließlich wüssten die Menschen vor Ort am Besten, was ihrer Region gut tut.

Konkret heißt das: Stört es jemanden, sein Name sei Herr Maier, dass er jedes mal kilometerweit in die nächste größere Stadt zum Supermarkt fahren muss, wenn er Lebensmittel einkaufen möchte, könnte er zum Beispiel auf die Idee eines mobilen Dorfladens kommen. Herr Maier stellt sich vor, es könnte doch zumindest an zwei Tagen in der Woche eine Art Imbisswagen mit Käsetheke, Wurst, Brot und allem was man so braucht, ins Dorf fahren und alle Dorfbewohner könnten so rasch und ohne Aufwand ihre Einkäufe tätigen. Mit dieser Idee würde er dann zu Bartholl und Markwardt nach Münsingen in die Leader-Geschäftsstelle kommen. Dort wird beraten, ob Herr Maiers‘ Idee gut und unterstützenswert ist. Ist sie das, müssen Anträge ausgefüllt werden, die Idee muss soweit ausgearbeitet werden, dass sie nach dem Beirat der lokalen Leader-Aktionsgruppe auch noch einem Bewilligungsausschuss vorgelegt werden kann.

Markwardt und Bartholl helfen hier mit ihrem Fachwissen und ihrer Erfahrung, so dass eine Bewilligung nach eingehender Prüfung durch das Entscheidungsgremium des Bewilligungsausschusses durchaus wahrscheinlich ist. Schön ist auch, dass bei der Ausarbeitung und Umsetzung der Projekte aus dem großen Erfahrungsschatz geschöpft werden kann, der sich inzwischen aus ähnlichen Projekten gebildet hat, die im Rahmen des Leader-Programms in der ganzen EU verwirklicht werden. Ein Gemeindeprojekt kann genauso gefördert werden, wie das einer Einzelperson oder eines Vereins oder Gruppe – wichtig ist nur, dass die Gemeinde in kultureller, wirtschaftlicher oder sozialer Hinsicht davon profitiert.

All das geht natürlich nur, wenn sich die Gemeinde des Antragsstellers auch in einem Leader-Gebiet befindet. Insgesamt gibt es in Baden-Württemberg 18 solcher so genannter Förderkulissen. Hülben und seine Umgebung gehören zu einer solchen und alles, was diesem Gebiet und seinen Bewohnern gut tun würde kann potentiell gefördert werden. Gemeint sind aber immer nur ländliche Gemeinden: So können etwa Projekte in der Stadt Bad Urach – die auch nicht der Förderkulisse angehört – nicht gefördert werden, wohl aber solche, die seinen Ortsteilen unmittelbar dienen, die wiederum zur Förderkulisse gehören.

Mindestens 5000 Euro

5000 Euro ist die Mindestfördersumme. Das heißt, ein Projekt, das beispielsweise zu 40 Prozent gefördert werden kann, sollte insgesamt mindestens 12 500 Euro kosten – Eigenleistungen zählen dabei nicht. Daher könne sich es unter Umständen lohnen, sich mit Nachbargemeinden zusammen zu tun und Kooperationen einzugehen. Ein bemerkenswertes und pfiffiges Projekt ist etwa das ,,Mitfahrbänkle“, das Münsingen und drei weitere Kommunen initiiert haben: Es sollen Bänke aufgestellt werden, daneben elektronische Anzeigetafeln. Wer in Mehrstetten eine Mitfahrgelegenheit nach Münsingen braucht, kann „Münsingen“ in die Anzeigetafel eingeben, sich auf‘s Bänkle setzen – vorbeifahrende Autofahrer können ihn dann mitnehmen.

In einem Fragekatalog werden dem potentiellen Projekt Punkte vergeben, bei mindestens elf Punkten hat es Aussicht auf Förderung. ,,Es muss außerdem immer etwas Neues angestoßen werden“, fügt Markwardt hinzu. ,,Die Idee muss Innovationscharakter haben – etwas, das es am Ort schon gibt, können wir nicht fördern.“

Punkte in einem Fragenkatalog zur positiven Wirkung muss ein potenzielles Projekt erreichen, um mit hoher Wahrscheinlichkeit durch Leader gefördert zu werden.

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