Eine komische Geschichte

Wenn ein alles andere als kopflastiger Germanist mit schauspielerischen Qualitäten wie Simak Büchel zu einer Lesung einlädt, ist eines garantiert: Ganz viel Spaß. Den hatten auch Dettinger Schulklassen.

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"Wo sind die Mütter mit ihren Kindern?", fragt Simak Büchel entsprechend verzweifelt und mit verstellter Stimme in die große Runde. Da müssen die Erstklässler erst gar nicht lange überlegen, was mit den Familien der Piraten passiert ist - unzählige Arme schnellen in die Höhe: "Sie sind gekidnappt worden", weiß es ein junger Zuhörer ganz genau. Seine korrekte Antwort wird vom Autor dennoch ergänzt: "Und gemamanappt." Seine ungewöhnliche Wortkreation erntet viele Lacher.

Simak Büchel ist nach eigenen Angaben zwar Geschichtenerfinder, zwölf davon hat er auch schon als Buch veröffentlicht. Doch seine Lesungen sind alles andere als reines Vorlesen. Keine Zeile wird von ihm so zitiert, wie sie gedruckt ist. Der 1977 geborene Autor und Vater von zwei Kindern spielt seine Geschichte "Die Geister von Nelele Pamu". Seine Rollen mit verstellten Stimmen lässt er sich von den Kindern per Daumenzeichen einstellen, dazu gibts noch einen Tipp: "Das könnt ihr heute Abend auch so machen, wenn Mama und Papa euch vorlesen." Er führt die Personen ein wie einen kleinen ängstlichen Schiffsjungen, der irgendwie nicht für ein Leben als Pirat geeignet ist oder den Piraten im Rollstuhl, den er in James-Bond-Art für seine Bedürfnisse aufgepeppt hat. Doch letztlich dürfen sich seine Zuschauer über den Lauf der Geschehnisse Gedanken machen. Manchmal ist sogar der Geschichtenschreiber selbst überrascht über die Vorschläge aus den Reihen des begeisterten jungen Publikums: "Das ist ja eine tolle Idee", sagt er anerkennend zu einem Mädchen. "Eigentlich solltest du die Geschichte zu Ende schreiben."

Doch auch der von Simak Büchel ausgedachte Ausgang der Geschichte ist überraschend: Die vermeintlich entführten Mamas haben das Schiff der Piraten-Ehemänner gekapert, um selbst mal auf Abenteuerurlaub zu gehen. Die Kinder sind baff: "Das ist eine komische Geschichte geworden", gibt Büchel zu.

Literatur kann Freude machen und wenn man die Fantasie spielen lässt, ist sie so spannend wie Fernsehen. Das haben die kleinen Zuhörer aus Schiller- und Uhlandschule an diesem Tag bei insgesamt drei Lesungen jedenfalls verstanden. Entsprechend umlagert war der Autor auch: Weil die Kinder Autogramme wollten oder Detailfragen zu Werk und Arbeitsmethoden hatten. Auch Büchereileiterin Sabine Makram konnte sich freuen, musste sie doch ganz genau erklären, wann die Bücherei geöffnet hat. Und natürlich kann man auch Bücher von Simak Büchel ausleihen. Nur ein Problem haben die Erstklässler: Lesen können sie vielfach noch nicht, das müssen die Eltern wohl übernehmen und sich dabei mächtig ins Zeug legen, um mit dem fremden Autor konkurrieren zu können.

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