Ein Varieté der Köstlicheiten

Eilige Töne, grüne Notenranken, die Melancholie des Fado und eine sommerlich-beschwipste Tour durch das Loiretals zu geschmorten Bäckchen vom Schwein. Eine kulinarische Sinfonie beim Musiksommer.

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Das Schöne an einem völlig verregneten Sommerabend in Dettingen: Man ist unter Freunden, bei mehreren guten Gläsern Wein und bester Laune. Die Unterhaltung beim "Dreiklang der Sinne" im Rahmen des Musiksommers ist vom Feinsten: Matthias Beck hat seine ganze Flötenfamilie selbst gebauter Blasinstrumente vor sich ausgebreitet und spielt - bis zu drei Instrumente in einem Stück - atemberaubend. Wie aus einem Guss: Leidenschaft und Intonation von Hildegund Treiber am E-Piano. Mehr als 30 Jahre gemeinsame Musik vereinen sich in leichter Harmonie.

Sommelier Evangelos Pattas möchte seiner Heimatgemeinde Dettingen etwas zurückgeben. Was der belgische Grieche am besten kann: Bilder malen von herrlichen Sommerweinen mit ihrem ganzen flüchtigen Temperament. Über die aufwändigen Schmankerl aus seiner Küche freuten sich die fast 60 Gäste im vollbesetzten Saal im Bürgerhaus am Anger über die Maßen.

Das leise Geklimper in einer Porzellantasse voll Gazpacho von der Melone mit roter Paprika zur Begrüßung, gefolgt von rohem Lachs auf spanisch angehauchtem Bulgur machte schnell einem grünen Portugieser Platz: "Sommerwein aus der Extremadura ist jung, prickelnd, frisch und einfach", erklärte Pattas. Der "Fanfare Song" von Zeitgenosse Michael Schütz auf der Sopraninoblockflöte schillerte dazu in der seidengrünen Farbe des "Vino Verde".

Mit den Farben der vier Winde von Pocahontas-Komponist Alan Menken kehrte die Melancholie des Fado in Bild und Tönen zurück: Kirchenmusiker Hans-Jürgen Hufeisen mit seinen großen Inspirationen zu "Pegasus", "Fata Morgana" und dem quirligen "Tanz der Delphine" machten einer deutschen Enklave Platz: "Lago Tedesco", der Gardasee in Urlaubsbildern mit einem Genuss auf dem Jagdhorn: Das "Concerto a 5 ex Dis" des Barock-Komponisten Peter Joachim Fick. "Fick war ein ganz großer Italienfan und hat viel von Vivaldi kopiert", erklärte Matthias Beck vorneweg.

Zu einem sommerlich-saftigen Früchtchen aus dem Veneto und postkartenreifen Impressionen von südlichen Weinbergen durfte es dann doch ein Anklang aus Verdis "Nabucco" sein.

Eine Inspiration auf der Blockflöte mit barockem Spinett: die "Prelude En Fa Majeur", wie sie der Franzose Jacques-Martin Hotteterre für den Pomp de des "Ancienne Siècle" an der malerischen Loire komponierte. Dazu ein großartiger Sauvignon Blanc mit dem fruchtigen Duft nach Cassis und königliche Impressionen auf der Leinwand.

Im kulinarischen Hauptgang: Geschmorte Bäckle vom Iberico Landschwein, gebadet in Madeira und Portwein, zu Selleriepüree mit karamellisiertem Thai-Lauch-Gemüse. Evangelos Pattas inszenierte seine Kochkünste als launischen Feinschmecker-Wettbewerb. Der Hauptpreis: eine von Mäzen Witzigmann inspiriertes Frischkäsemousse samt Tipps zu krossen Butterbröseln und "Powidel" aus Dettinger Zwetschgen. On top gab`s vom Publikum einen Extra-Applaus.

Damit vom guten Essen ja nichts verkommt, eilte Matthias Beck auf der Flöte "Mäusefänger" Michael Schütz vorneweg, mit einem meisterlichen Solo auf der Sopraninoflöte, das kaum Luft holte.

"Kein Sommer ohne Rosé", versprach Sommelier Evangelos Pattas und reichte einen klassischen "Schmusewein" aus dem Pays dòc. Becks häufiger Instrumentenwechsel zu Schütz`s "Children`s Delight" und Hufeisens sehr romantischem "Palmentanz" wurden in Licht und Farben, Schatten und Stimmung von fantastischen Makros und Naturaufnahmen untermalt. "Vivaldi und Matthias an der Flöte, da kommen einem fast die Tränen", kommentierte Küchenchef Pattas.

Auf vielfachen Wunsch der Gäste gab es zum Abschluss des Dettinger Varieté der Köstlichkeiten: "Rot, rot, rot". Mit einem leidenschaftlich, würzigen spanischen Barrique aus drei Rebsorten. Von denen allein der Syrah etwas "animalisches" hat, so Sommelier Pattas: "Ein Wein zum Zurücklehnen und für schöne Musik". Es folgten fünf spanische Lieder zu endlosen Klatschmohn-Bildern. Ein abendfüllendes Programm. "Wir haben den Eindruck, dass wir in unserer Gemeinde etwas bewegen", freuten sich die Künstler an den Ovationen.

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