Ein Kuhstall treibt die Kleinbettlinger weiter um

Auf dem Land soll Platz sein für Landwirte: Viele Bempflinger sehen das so - hunderte unterzeichneten für das Stallbauvorhaben eines Kleinbettlingers. Ein Bürger hat sich jetzt sogar an den Vize-Landrat gewandt.

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Nicht alle Anlieger in der Teckstraße, aber viele Bempflinger, unterstützen das Bauvorhaben der Armbrusters. Foto: Thomas Kiehl

Ein Bauerndorf ist Kleinbettlingen schon lange nicht mehr. Eher eine moderne Wohngemeinde mit schicken Baugebieten, die etliche Neubürger anlockten. Ob Einheimische oder Zugezogene, viele Kleinbettlinger stehen wohl noch fest hinter der Tradition des einst landwirtschaftlich geprägten Fleckens. Sonst würden die Emotionen kaum so hoch kochen, wenn es um den geplanten Stallneubau der Familie Armbruster in der Teckstraße geht. Einige Anrufe erreichten unsere Zeitung nach dem Artikel in der vergangenen Woche. Darunter vor allem solche von Lesern, die sich für den umstrittenen Kuhstall für 66 Rinder aussprachen. "Viele Bürger, auch viele Bempflinger, stehen voll hinter den Plänen des Landwirts", sagt etwa Werner Schäfer aus Bempflingen.

In einem Ort wie Kleinbettlingen müsse nach wie vor Platz sein für Landwirte - auch wenn sie bauen wollten. Das gilt für Schäfer obendrein, weil es in dem Dorf an der Kreisgrenze heute nur noch zwei größere landwirtschaftliche Betriebe gibt. Sie bewirtschaften fast im Alleingang sämtliche Flächen, nicht nur der Kleinbettlinger, sondern auch der Bempflinger Grundstücksbesitzer.

Werner Schäfer ist einer von 400 Männern und Frauen, die schon im Herbst auf einer Unterschriftenliste für das Bauvorhaben der Familie Armbruster zeichneten (wir berichteten). Initiiert hatte die Aktion der Kleinbettlinger Hans-Jürgen Gebhardt, und zwar nachdem sich die Bedenkenträger in Sachen Stall formiert und ihrerseits 30 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt hatten. Genauso wie die Gegner des Bauprojekts, überreichten damals auch die Befürworter ihre Liste an Bempflingens Bürgermeister Bernd Welser.

Mit den Argumenten der Bedenkenträger, die unter anderem Lärm- und Geruchsbelästigung fürchten, kann sich auch der Kleinbettlinger Herbert Bittner nicht anfreunden. "Jeden Tag wird ein neuer Lebensmittelskandal aufgedeckt, aber hier soll ein Bauer keinen Stall für seine Rinder bauen dürfen", ärgert er sich. Schließlich brauche man Lebensmittel aus der regionalen Produktion dringender denn je.

Herbert Bittner kritisiert auch, dass einige Mitglieder des Bempflinger Gemeinderates (das Gremium hatte die Bauvoranfrage zunächst abgelehnt) "den Stallbau verhindern wollen", wie er sagt. Bürgermeister Bernd Welser verweist indes nochmals auf das Emmissionsschutzgutachten, das die Familie Armbruster vor einer neuerlichen Bauanfrage einreichen muss. "Die Verwaltung steht der Sache absolut neutral gegenüber", betont der Rathauschef.

Welser selbst hatte Gemeinderat und Zuhörer unmittelbar nach der Abgabe der 400 Unterschriften in öffentlicher Sitzung darüber informiert, dass viele Bürger die Idee der Landwirte unterstützen. Schließlich geht es den Armbrusters nicht nur um einen neueren und modernen Stall. Vom Jahr 2018 an gelten neue EU-Reglements in der Landwirtschaft, dann könne die Familie ihren Stall nicht mehr im jetzigen Zustand betreiben, so Bernd Welser in der entsprechenden Sitzung des Gemeinderates. Herbert Bittner jedenfalls ist in der Kleinbettlinger Causa Kuhstall schon eine Instanz weiter gegangen. Er hat sich jetzt an den stellvertretenden Esslinger Landrat Matthias Berg gewandt und um Beistand für den Landwirt geworben.

Berg habe zugesagt, sich in der Sache zu informieren - seine Unterstützung habe er jedoch vorab nicht versprechen können, ließ gestern Peter Keck, Pressesprecher beim Landratsamt in Esslingen wissen.

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