Ein Kindergarten in der Natur

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Bei Burrenhof und Heidengraben-Tor F liegt das verwilderte Gütle, das zum Standort des Waldkindergartens werden soll.  Foto: 

Draußen sein, in angepasster Kleidung im Sommer wie im Winter: Das ist eines der zentralen Elemente von Wald- oder Naturkindergärten. Auf Initiative der Familien Dümmel aus Hülben und Schirmer aus Grabenstetten soll so ein Waldkindergarten nun auch auf dem Heidengraben entstehen. Gestern gab der Hülbener Gemeinderat mit großer Mehrheit grünes Licht für das Projekt, die Verwaltung soll nun die Details ausarbeiten.

Die Initiative „Interkommunaler Wald- und Naturkindergarten Vordere Alb“ brachte das Thema, welches schon seit mehreren Jahren immer wieder im Gespräch war, nun wieder auf die Tagesordnung der Gemeinden am Heidengraben. Und dieses Mal scheint es konkret zu werden. „Es ist ambitioniert, aber wir würden gerne im Frühjahr 2018 eröffnen“, erklärte Hülbens Gemeinderat Jochen Dümmel, der als Sprecher der Initiative fungiert.

Die engagierten Eltern wollen einen Förderverein gründen, um das pädagogische Konzept zu erarbeiten und die Kräfte zu bündeln. „Wir wollen einen offenen Kindergarten, bei dem sich alle Interessierten einbringen und den Kindern als Experten etwa bei Exkursionen oder auf dem Platz selbst etwas erzählen und beibringen können“, so Dümmel weiter.

Interessenten für fünf Plätze

Obwohl für das Projekt bisher keine Werbung gemacht wurde, gäbe es bereits Zusagen, wonach fünf Kinder in den Waldkindergarten geschickt werden würden. 20 Kinder sind in einer Gruppe möglich. Eine Sozialpädagogin und Erzieherinnen hätten bereits ihr Interesse signalisiert, für den interkommunalen Kindergarten zu arbeiten. Dümmel: „Derzeit sind sie alle nicht bei den Kindergärten in der Region angestellt, wir ziehen also kein Personal ab.“

Allerdings: Der Förderverein sieht sich als Unterstützer, nicht als Träger des Waldkindergartens. „Ich sehe nicht, dass ein Verein das organisatorisch stemmen kann“, erklärte Dümmel. „Die Mitgliedschaft und das Engagement enden ja zumeist, wenn die eigenen Kinder dem Kindergartenalter entwachsen sind. Da gibt es dann häufige Wechsel.“ Auch die möglichen Mitarbeiterinnen würden eine Gemeinde als Arbeitgeber bevorzugen, so Dümmel weiter.

Da der anvisierte Standort – ein verkehrsgünstig gelegenes, derzeit nicht genutztes Gartengrundstück am Burrenhof – auf Hülbener Gemarkung liegt, plädierte die Initiative ebenso wie die beteiligen Bürgermeister in ersten Gesprächen dafür, dass die Gemeinde Hülben die Trägerschaft übernehmen solle. Per Vertrag würden den anderen Gemeinden Kindergartenplätze zugesichert werden, auch die Kosten würden von den Gemeinden je nach Kinderzahl und Nutzung geteilt. „Das wäre der erste interkommunale Wald- oder Naturkindergarten in Baden-Württemberg. Da betreten wir Neuland“, warb Hülbens Bürgermeister Siegmund Ganser für das Projekt. Die Gemeinderäte in Erkenbrechtsweiler und Grabenstetten sprachen sich bereits für das Projekt aus. Aus den drei Gemeinden sollen zudem 30 000 Euro bereitgestellt werden, um einen Bauwagen als Aufenthaltsraum und die nötigen Utensilien zu erwerben. „Der Förderverein wird sich da ebenfalls einbringen“, sagte Bürgermeister Ganser.

In Hülbens Gremium gab es zwei Kritiker des Projektes. Peter Jaeger störte sich daran, dass die Kirchengemeinde nicht ins Boot geholt werden solle und es noch keine Gespräche mit der Kirchengemeinde gegeben habe, zumal sich diese mit der Gemeinde beim bestehenden Kindergarten die Trägerschaft partnerschaftlich teilt. Den Einwand von Ganser und Dümmel, dass der interkommunale Ansatz dies ausschließe, ließ Jaeger nicht gelten.

Gegen einen Stellenaufbau

Stefan Kuder sprach sich dagegen aus, dass die Gemeinde Hülben „ohne Not“ die Trägerschaft übernehmen und weitere Stellen schaffen würde. „Von 2006 bis heute sind die Personalstellen der Gemeinde von 26 auf 45 gestiegen, die Personalkosten um rund 80 Prozent“, erklärte Kuder, der daher die Trägerschaft dem Verein verantworten würde – oder eine der anderen beteiligten Gemeinden. „Interkommunales driftet immer auf Hülben zu – auch Dr. Gerd Stegmaier und das Heidengrabenzentrum sind bei uns angesiedelt.“

Die Kritik an den steigenden Personalausgaben ließ Bürgermeister Ganser nicht unkommentiert. Teilweise seien die Kosten durch eine alternde Belegschaft und Tarifsteigerungen gekommen, außerdem hätten sich die Aufgaben für die Gemeinde geändert: „Verwaltung funktioniert nicht mehr wie vor 20 Jahren.“ Christine Haible pflichtete Schultes Ganser bei: „Ich bin froh in einer Gemeinde zu leben, die nicht nur aus der Not heraus reagiert, sondern den Mut hat etwa zu Wege zu bringen.“

„Vielfalt gehört unterstützt“, meinte André Scheu, auch Julian Hermle sprach sich für eine Wahlfreiheit der Eltern aus, wenn es künftig zwei Kindergarten-Angebote in Hülben geben würde. „Ich sehe überhaupt keine Bedenken“, sagte Rolf Christner. „Das macht Hülben nur interessanter.“

Auch Stefan Kuder nannte die Idee eines Waldkindergartens grundsätzlich „einwandfrei“, stellte aber den Antag, die Trägerschaft bei einem Verein anzusiedeln. Einzig Jaeger unterstüzte diesen Antrag. Beide stimmten anschließend auch zusammen gegen den Beschlussvorschlag der Gemeinde, den Waldkindergarten weiter zu planen. Alle anderen Räte, außer dem Befangenen Jochen Dümmel, stimmen für den Waldkindergarten.

Erste Gedanken zum Konzept des Waldkindergartens hat sich die, von Bärbel Wölk beratene,  Initiative bereits gemacht. Angedacht ist ein lebensweltorientierter Ansatz, der das Motto „Hilf mir, es selbst zu tun“ mit Leben füllen soll. Im Vordergrund soll das Naturerleben stehen, insbesondere auch in der Verzahnung mit dem Anbau von Streuobst oder einem kleinen Garten und die Ernte der Pflanzen und Früchte. Das Kennenlernen der Heimat auf der Vorderen Alb und eine gemeinsame Identität der Region sollen gefördert werden. ath

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