Ein Kasten gegen Kummer

Einen Kasten gegen Kummer, genauer gesagt für Anregung, Beschwerde, Lob dürfen die Menschen mit Handicap bei der Bruderhaus-Diakonie nun füllen. Der erste Wunsch wurde schon eingelöst: ein Tischkicker.

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Attraktive Arbeitsplätze will Martin Salzer, Bereichsleiter Landwirtschaft der Bruderhausdiakonie und Chef des Biohofs Bleiche seinen Mitarbeitern mit Handicap bieten. Gerade einmal vier Prozent der Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Ausbildungsberufen der Bruderhausdiakonie. Viele Angehörige sehen ihre Kinder lieber in den Werkstätten arbeiten, die an die Industrie liefern.

Aber, so zumindest nimmt es Markus Rank, Bereichsleiter Tagesstruktur der Behindertenhilfe Neckar-Alb, wahr, die Identifikation mit dem Arbeitsplatz sei auf dem Biohof am Größten: "Der Funke springt wohl am ehesten hier über". Vielleicht auch deshalb, weil die 25 Mitarbeiter und vier Fachwerker an allen Prozessen teilhaben, das die Lebensmittel bis in den Verkauf im Hofladen verfolgen können. Dass diese Freude an der Tätigkeit erhalten bleibt, soll nun auch ein Beschwerdemanagement garantieren. Dies ist einer Gesetzesinitiative wegen eingerichtet worden und war Voraussetzung für die Zertifizierung der Ausbildungsbereiche der Bruderhausdiakonie.

Was zuvor im Gespräch moniert oder angeregt wurde, können die Klienten nun auf einem Formular festhalten, das der Werkstattrat entwickelt hat. Und das erledigten die Klienten prompt: Ein Tischkicker sollte der erste Wunsch sein, der kurz vor Weihnachten im Briefkasten mit der Aufschrift "Beschwerde, Anregung, Lob" landete. Geld dafür war zu diesem Zeitpunkt auch vorhanden. "Besser kann es nicht laufen", sagte Rank. Schließlich soll das Beschwerdemanagement keine hohle Phrase sein, sondern die Klienten und ihre Sorgen wie auch Wünsche ernst nehmen.

Inzwischen steht der Tischkicker im Sozialraum der landwirtschaftlichen Mitarbeiter und wird gerne in der Mittagspause genutzt. Dieser ist dabei mehr als reiner Zeitvertreib. Mit ihm wurde zugleich eine Möglichkeit geschaffen, Unstimmigkeiten zwischen den Mitarbeitern aus dem Weg zu räumen. Am Kicker könnten sie sich sozialverträglich abreagieren, beschrieb Martin Salzer den pädagogischen Wert.

Tatsächlich sind die meisten Probleme, die den Klienten zu schaffen machen, sozialer Art, zumeist nicht gelöste Konflikte untereinander. Da würden dann schon mal Sätze wie "Der muss weg vom Hof" fallen, erzählte Salzer. Ein Dauerthema sei der Umgang miteinander. Gelöst würden solche Probleme in Teamsitzungen.

Aber auch anderer Kummer landet im neuen Briefkasten, der im Gebäude der Verwaltung angebracht wurde. Etwa, dass es zu wenig Abstellplätze für Fahrräder gibt oder der Bus einfach an der Haltestelle vorbei fahre.

Probleme, die die Bruderhaus-Diakonie nicht direkt betreffen, werden dann in Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen, etwa dem Busunternehmen oder der Gemeinde gelöst.

Eine weitere wichtige Aufgabe erfüllt das Beschwerdemanagement für Rank, nämlich die Sensibilisierung der Klienten. Das Ansprechen der Probleme erziehe sie dazu, für ihr eigenes Recht einzustehen. "Teilhaben und Teil sein", ergänzte Salzer.

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