Ein furioses "O Fortuna"

Strahlend helle Knabenstimmen, rasante Tempi-Wechsel, bestens aufgelegte Solisten: Der Chor capella vocalis unter Christian Bonath glänzte in Dettingen mit einer süffig-sehnsuchtsvollen "Carmina burana".

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  • Der Reutlinger Knabenchor capella vocalis und drei gute aufgelegte Solisten sorgten für Beifallsstürme in der Dettinger Schillerhalle. Fotos: Christina Hölz 1/2
    Der Reutlinger Knabenchor capella vocalis und drei gute aufgelegte Solisten sorgten für Beifallsstürme in der Dettinger Schillerhalle. Fotos: Christina Hölz
  • Strahlende Reinheit bis in die oberen Tonlagen: Der Knabenchor capella vocalis. 2/2
    Strahlende Reinheit bis in die oberen Tonlagen: Der Knabenchor capella vocalis.
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Ganz schön gewaltig, dieses "O Fortuna": In der Interpretation von Pultchef Christian Bonath kommt der viel zitierte Chorsatz aus den "Carmina burana" noch eine Spur furioser daher, als wir den Klassik-Megaseller eigentlich kennen. Das liegt mitunter am Schlagwerk, das in der gespielten Fassung viel Raum bekommt - neben den legendären und majestisch anmutenden Schicksalsgesängen um die Göttin Fortuna.

Gänsehautmomente beim Gastspiel des Reutlinger Knabenchores capella vocalis und des Wormser Ensemble Paulinum in Dettingen: Am Ende des Konzerts gabs XXL-Beifall und Bravo-Rufe von den rund 350 Zuhörern in der Schillerhalle.

Erstmals überhaupt haben die bundesweit bekannten Reutlinger Capellani Carf Orffs szenische Kantate "Carmina burana" zur Aufführung gebracht. Premiere erfolgreich. Auch zur Freude des stellvertretenden Dettinger Bürgermeisters Archibald Fritz, der den Knabenchor nebst musikalischem Anhang gerne in der Vorzeige-Stube der Ermsgemeinde singen hört, wie er eingangs bekannte.

Aber zurück zu den "Carmina burana". Das Opus mag zwar zu den Selbstläufern im Klassik-Zirkus zählen - aber gerade die Popularität des Musikstückes (wir erinnern uns an die "Schoko-Crossies"-Werbung der neunziger Jahre) macht es für die Interpreten nicht immer leicht, neue Reize zu setzen.

Dem dynamisch und gestenreich agierenden Dirigenten Christian Bonath und seinen Akteuren ist das in Dettingen gut gelungen. Dort erklang die personell weniger aufwendige Kantaten-Fassung für zwei Klaviere und ein Schlagwerk. Musiker, Chor und Solisten zeichnen die mittelalterlichen Schicksals-, Trink- und Liebeslieder der "Carmina burana" als süffig-sehnsuchtsvollen, bisweilen fulminant-klangewaltigen Stimmungsteppich. Trauer, Liebe, Schmerz und Hoffnung, dazu die Unerbittlichkeit des Schicksals - das machen die Akteure mitreißend transparent. Packend, die schnellen Wechsel der Tempi. Und immer wieder schön: Die hellen Knabenstimmen der Capellani, die selbst in den obersten Tonlagen noch strahlend rein klingen.

In guter Form präsentierten sich am Freitag auch die Solisten: Die Reutlinger Sopranistin Susan Eitrich etwa glänzte mit einem zart ausgehorchten Solo der Verliebten. Und der Fellbacher Bariton Thomas Scharr sowie der Schweizer Tenor Thomas Mory können sehnsuchtvoll schmachten: Unterm Strich ein opulentes Klangerlebnis.

Die "Carmina burana"

Bei den "Carmina burana" handelt es sich um eine Sammlung mittelalterlicher Schicksals-, Trink-, Scherz- und Liebeslieder. Die Texte wurden im 11. und 12. Jahrhundert von meist anonymen Dichtern verfasst und 1803 in der Bibliothek des Klosters Benediktbeuern gefunden. Von Carl Orff 1935 vertont (1937 war Uraufführung an der Frankfurter Oper), zählt die Kantate inzwischen zu den populärsten Klangwerken überhaupt.

SWP

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