Ein Auf und Ab bis ans Mittelmeer

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Und wieder haben die Radsportler aus Grafenberg einen Gipfel in den französchen Bergen erreicht.  Foto: 

Als der Vorsitzende des Schwäbischen Albvereins, Ortsgruppe Grafenberg, Joachim Defrancesco, im vergangenen Herbst ankündigte, er wolle vom Genfer See nach Menton fahren, war den allermeisten klar, dass es ans Mittelmeer bei Nizza gehen sollte. Als er aber erklärte, dass dazwischen mindestens acht Tage, mehr als 800 Kilometer, 17 000 Höhenmeter und 13 der berühmt-berüchtigten Tour de France-Pässe zu bewältigen wären, war doch eine gewisse Nervosität zu spüren.

Die Gruppe hatte mit den Rädern ja schon vieles unternommen. Das aber wäre die Krönung. Kaum ausgeschrieben, war die Tour auch schon ausgebucht. Sofort ging im Frühjahr hektisches Trainieren los. Dreitausend Kilometer sollte man schon in den Beinen haben, bevor man nach Frankreich fährt.

Am ersten Tag starteten um 6 Uhr zwei Bussle mit einem Hänger an Bord. Bei Fribourg in der Schweiz wurde ausgeladen. Bei schönem Wetter aber Gegenwind fuhren die Radler los. Einrollen war angesagt. Nach 119 Kilometern und 1224 Höhenmetern war Thonon-les Bains erreicht. Am nächsten Tag regnete es und in Col des Gets zeigte das Thermometer auf 1163 Metern Höhe sieben Grad Celsius an. Am dritten Tag war keine Wetterbesserung in Sicht. Nieselregen und kalte Abfahrten bis zum Hotel in Bourg-Saint-Maurice.

Der vierte Tag brachte endlich die erhoffte Sonne. Die Grafenberger befanden sich in der Tarantaise, der höchstgelegenen Provinz Savoyens. Am Fuße der La Grande Motte mit ihrem weißen Gipfel, passieren die Radler Galerien und Tunnels, den bekannten Wintersportort Val d`Isère und nehmen die Serpentinen zum Col de l`Iseran in voller Sonne in Angriff. Die Passhöhe liegt bei 2770 Metern.  Wer nun meint, die kommenden 112 Kilometer Abfahrt nach Saint-Jean-de-Maurienne seien eine Kleinigkeit, der hat nicht mit dem üblen Gegenwind aus Westen gerechnet, der den Grafenbergern voll ins Gesicht blies. Für die ersten zwanzig Kilometer am Tag darauf, auf der vielbefahrenen Schnellstraße, wurden die Räder im Hänger montiert und am Fuße des Col du Télégraphe wieder ausgeladen. Es ging hoch auf 1566 Metern. Dann eine lange Abfahrt hinunter in das tief gelegene Valloire. Dort beginnt der Anstieg zu einem der bekanntesten Pässe, dem Col du Galibier. Anfangs weniger steil, geht es bald über die Baumgrenze hinaus, wo die Service-Fahrzeuge am Straßenrand warteten, um Wasser nachzufüllen und Bananen auszuhändigen. Nach einer 13-Prozent-Rampe auf dem letzten Kilometer, stehen die Grafenberger Radler auf dem 2645 Meter hohen Alpenübergang, wo erst mal gerastet wurde. Abwärts ging es über den Col du Lautaret mit Geschwindigkeiten bis über 70 Stundenkilometern auf breiter Straße hinunter nach Briançon.

Direkt gegenüber dem Hotel beginnt der Anstieg zum Col d`Izoard, doch zunächst mussten die Radler sich durch den Wochenmarkt quälen. Auf einer Strecke von 19 Kilometern geht es von 1223 auf 2360 Meter hoch. Im Schnitt hat der Pass eine Steigung von 6,9 Prozent. Danach folgt die Abfahrt bis auf 1000 Meter und erneut über 1000 Meter Steigung zum Col de Vars auf 2109 Metern. Dann eine wilde Abfahrt bis Barcelonette ins Hotel.

Am nächsten Tag nahmen die Radler die höchste befahrbare Straße Europas ins Visier, hinauf zum Col de la Bonette, hinein in die Seealpen. Zunächst klettern sie von 1115 Meter auf unzähligen Serpentinen, vorbei an Schneeresten und Murmeltieren hinauf bis auf den Gipfel auf 2802 Meter. Nach einer Rast geht’s 2300 Höhenmeter ab bis auf 500 Meter. Am Schluss nochmals 500 Meter hoch ins Hotel in Rimplas. Vom 1000 Meter hoch gelegenen Rimplas geht es erst mal 600 Höhenmeter hoch zum Aufwärmen auf den Col Saint Martin Vesubie, dann runter bis auf 540 Meter entlang des Flüsschens Tinée. Anschließend der üble Anstieg zum Col de Turini auf 1607 Metern. Die Grafenberger quälten sich in der Mittagshitze die unzähligen Serpentinen und steilen Rampen hoch.

Nach der Abfahrt ging es dann über den Col de Castillion. Die Albvereinler aus Grafenberg rollten in ihren neuen Trikots selbstredend geschlossen nach 98 Kilometern und 2008 Höhenmetern an der Hafenpromenade zum Hotel Reine d´Azur. Dort stellten sie ihre Räder ab und sprangen rein in die erfrischenden Fluten. Die Grafenbeger haben in über 40 Stunden im Sattel, 830 Kilometer und 17 000 Höhenmeter bewältigt.

Kilometer und 17 000 Höhenmeter haben die Teilnehmer der Radsportgruppe des Grafenberger Albvereins bei ihrer Alpenüberquerung ans Mittelmeer bewältigt.

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