Diskussion ums Geld beim Wasser

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Die Sanierung der Kläranlage hat viel Geld gekostet. Nun steigen die Abwassergebühren kräftig an.  Foto: 

Langwierig diskutierte der Gemeinderat im Würtinger Rathaus die von der Gemeinde vorgeschlagenen Gebührensätze für die Wasserversorgung und das Abwasser. Das Ergebnis: Die Gebühr für die Schmutzwasserbeseitigung steigt von 2,37 Euro pro Kubikmeter auf 3,19 Euro. Der Preis für die Niederschlagswasserbeseitigung steigt um einen Cent auf 24 Cent pro Quadratmeter versiegelte Fläche. Die Gebühren für das Frischwasser bleiben dagegen unverändert.

Gegen die starke Erhöhung der Abwasserkosten regte sich reichlich Widerspruch im Rat. „Wir spielen bei den Abwassergebühren in der Bundesliga“, kritisierte etwa Horst Lamparter. Rolf Rist mahnte an, dass eine „Balance“ gefunden werden müsste, schließlich habe die Gemeinde die Abwassersätze erst 2017 gesenkt: Im Vorjahr hatte der Kubikmeter Schmutzwasser noch 2,97 Euro gekostet. Damals wurde ein Überschuss erwirtschaftet. Da der Eigenbetrieb allerdings nur kostendeckend arbeiten darf, wurden die Gebühren zum 1. Januar 2017 gesenkt. „Das rauf und runter versteht doch keiner mehr“, ärgerte sich Gebhard Reichenecker.

Bürgermeister Florian Bauer begründete die Gebührenerhöhung mit dem hohen Schuldenstand des Eigenbetriebs – rund 4,5 Millionen Euro betragen die Kredite zum Jahreswechsel. Timo Herrmann unterstützte den Schultes: „Andere Gemeinden werden ihre Gebühren auch erhöhen müssen, wenn sie ihre Kläranlage sanieren.“ Horst Lamparter kritisierte anschließend vor allem die „kalkulatorischen Zinsen“, welche die Gemeinde bei der Gebührenberechnung auf 3,5 Prozent angesetzt hatte. Diese würden nicht den tatsächlichen Zinssätzen auf dem Markt entsprechen. „Wir haben noch alte Darlehen, auf die wir 5,8 Prozent Zinsen zahlen müssen“, erwiderte Kämmerin Lucia Seynstahl.

Lamparters Antrag, die kalkulatorischen Zinsen auf 2,5 Prozent zu senken, was niedrigere Gebühren zur Folge gehabt hätte, scheiterte am Ende bei vier Ja-Stimmen und vier Enthaltungen. Der Verwaltungsvorschlag wurde dagegen bei drei Gegenstimmen und einer Enthaltung angenommen.

Verkehrte Welt dann bei den Wassergebühren: Die Gemeindeverwaltung kalkulierte mit gleichbleibenden Preisen, während sich Günther Hammer für eine Erhöhung um fünf Prozent einsetzte. Denn, trotz eines gegenteiligen Beschlusses des Gemeinderates von 1998, könnte die Wasserversorgung einen gewissen Gewinn erwirtschaften. „Wir müssen etwas gegen die hohen Wasserverluste tun. Wenn wir das Geld aus der Gebührenerhöhung hätten, könnte wir, wenn eine Teerdecke erneuert wird, auch mal einen Meter tiefer graben und die Wasserleitungen erneuern“, forderte Hammer. Rolf Rist sah darin „kein Konzept“: Man könne nicht vorab Geld einsammeln, „um dann zu schauen, was wir damit tun“. Horst Lamparter wollte Mehrausgaben für die Leitungssanierung in die Gebühren eingerechnet wissen. „Wir reden schon lange davon, den hohen Wasserverlust zu bekämpfen. Passiert ist nichts“, sagte Lamparter.

Zuletzt wurden die Wasserpreise zum Januar 2017 erhöht, damals von 2,20 Euro auf 2,46 Euro pro Kubikmeter. Die Kispelgemeinde bezieht ihr Wasser indes von den Stadtwerken Bad Urach. „Wir haben das Für und Wider abgewägt“, versicherte Bürgermeister Bauer, der zugleich forderte, Mittel für die Leitungssanierungen in den Gemeindehaushalt einzustellen. Timo Herrmann brachte die Gefühlslage der meisten Gemeinderäte im Rahmen der Diskussion auf den Punkt: „Wir können nicht bei der Erhöhung der Abwassergebühren Krokodilstränen weinen und nun beim Wasser selbst eine Erhöhung verlangen.“ Ingrid Eißler-Bimek sah dies ebenso: „Für die Bürger gehören die Kosten ohnehin zusammen.“

Der Vorschlag der Verwaltung, die Wasserkosten nicht zu erhöhen, wurde am Ende bei einer Gegenstimme von Günter Hammer angenommen.

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