Die Wechselfälle der Liebe

Der Konzertraum ist ein Treppenhaus. Das Publikum sitzt gedrängt auf harten Bänken und Stühlen. Das ist nicht ungewöhnlich: Am Wochenende gab der Chor Ton-Art im Alten Schulhaus sein fünftes Konzert.

|
 Foto: 

14 Damen auf elf Stufen, schwarz gekleidet, nur der Halsschmuck gibt eine Farbnuance. Das zahlreiche Publikum signalisiert: Der Chor ist bekannt und beliebt. Seit rund zehn Jahren besteht TonArt, ein Frauenchor, der zum Gesangverein gehört, aber sich selbst gebildet hat. Aus Spaß am Singen.

Wenn so viele Frauen nicht nur Soul, Swing oder Pop singen, dann geht es auch um die Liebe. Da beginnt das Konzert auch gleich mit „Only you“. Man erinnert sich dabei an die englische Gruppe Flying Pickets mit ihrer gefühlvollen Interpretation oder das englische Duo Yazzo. Auch der Chor zeigt Gefühl. Durch die Treppenaufstellung und die Nähe zum Publikum, alle Gesichter sind klar zu sehen, erhält die Interpretation auch eine visuelle Note. Und die sprachliche Klarheit ist jedem verständlich.

Dann folgt im ersten Teil des Konzerts, was in der Liebe wohl unvermeidlich ist, von der Süße des Kusses mit „Lollipop“ über aufkommende Zweifel und den Wunsch, die Liebe wie eine Rose erblühen zu lassen, bis zum möglichen Bruch. Am E-Piano begleitet Chorleiterin Cordelia Böhm den Chor, bei „Say a little prayer“ steht nur die stimmliche Qualität der Damen im Vordergrund. Als Solistin singt sich Heike Drüppel mit „Sorry seems to be the hardest word“ in die Herzen des Publikums. Da erinnert man sich schon an Elton John. Mit „Jave Jive“ wird zu Kaffee und Tee eingeladen und damit zur Pause.

Tine Jaus hatte das Publikum im ersten Teil des Programms von den Liedtexten ausgehend durch das Verständnis von Liebesentwicklungen informiert. Der zweite Konzertteil ist nicht ganz so stringent einem Thema gewidmet. Er beginnt mit dem Popsong aus dem Jahr 1982 „That’s what friends are for“, geschrieben für Rod Steward. Ja, wenn man Freunde hat, dann genießt man auch einen Text, der wie bei „Adiemus“ nur aus Silben und Wörtern besteht, die keinen Sinn ergeben, aber dann doch vom Ausdruck her irgendwie verständlich ist. So wecken die Damen dann auch keinen Löwen mit dem erleichternden „Winoweh“, in das das Publikum einstimmt.

Dann wird deutsch gesungen. Wer kennt nicht „Marmor, Stein und Eisen bricht“, gesungen von Drafi Deutscher. Die Interpretation des Chors ist doch weit von nur einem Stimmungslied entfernt. Der Titel ist alt, die Comedian Harmonists haben ihn berühmt gemacht: „Ich wollt’ ich wär’ ein Huhn“. Es dürfte nicht nur den Frauen vorbehalten sein, das Leben zu genießen und auch mal nichts zu tun. Das lustige Lied amüsiert jedenfalls das Publikum und macht deutlich, welchen Spaß es dem Chor macht, zu singen.

Wie schreibt man einen Hit, den die ganze Nation kennt? Die Prinzen haben es gewusst: „Es ist alles nur geklaut“. Es ist etwas ernsthaft, wie der Chor den Titel interpretiert, nimmt er doch allerorts Vorkommendes aufs Korn. „Nehmt Abschied Brüder, ungewiss ist alle Wiederkehr“ heißt es im letzten Lied des Programms. Dass Ton-Art durchaus keinen Abschied nimmt, wie es in dem alten Pfadfinderlied, dessen Ursprung im Schottischen liegt, heißt, ist nun mal ganz sicher. Bestritt der Chor seinen ersten Auftritt am Samstag, so folgte der zweite am Sonntag. Und man kann sich auf viele weitere freuen. So reicht der Chor auch die Hand durch die Zugabe mit „Can’t help falling in love“, geschrieben für Elvis Presley und von vielen Künstlern gecovert. Und man ist wieder bei der Liebe, die mit diesem Zeitpunkt des Auftritts auch dem Muttertag gewidmet ist, für den die Chordamen den anwesenden Frauen eine kleine Überraschung mitgeben.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Varieté: Von den biegsamen Fünf

Zur Premiere des Traumtheaters gab es zwar kein volles Haus, aber staunende, lachende und begeisterte Gesichter. Es sind solche Abende, die den Alltag farbig anpinseln. weiter lesen