Die mit dem Feuer spielen

Ganz ungefährlich ist es nicht - schließlich arbeitet man mit heißer Flamme. Aber eine Feuershow ist etwas ganz faszinierendes. Das findet nicht nur Thilo Häferer, der Macher hinter "Pila Accendi".

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    Vor allem in der Dunkelheit hat der Feuerzauber eine besonders faszinierende Wirkung. Fotos: Privat (2)/ Eva Focht-Rabel
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Eigentlich wollte Thilo Häferer mit 50 Jahren aufhören mit dem Feuerspiel, doch bisher hat er das nicht geschafft. Zu viele Ideen hat er noch, zu viele Möglichkeiten können noch ausprobiert werden - es gibt einfach noch viel zu viel zu tun. Außerdem macht ihm das Ganze viel zu viel Spaß, als dass er aufhören wollte, auch wenn seine Hände von den Auftritten auf dem Kirchheimer Weihnachtsmarkt noch geschwärzt sind.

"Poi" heißt das Zauberwort, das ist viel mehr als ein feuriger Ball an einer Schnur. Poi kommt aus Neuseeland und ist eine uralte Kunstform, die in den vergangenen Jahren von Feuerkünstlern auf der ganzen Welt nach und nach immer mehr erweitert und verfeinert wurde. Thilo Häferer kam eher aus Zufall zu dieser Kunst: Geplant war eine Überraschung bei einer Geburtstagsparty mit einem Men-Strip. Weil Häferer als Top-Gag nicht das letzte Stückchen Stoff fallen lassen wollte, kam er auf die Idee mit dem Feuer. Über eine Freundin, die in Neuseeland mit der Technik vertraut gemacht worden war, erlernte er die Grundzüge - und war vom Virus infiziert.

Der seit vielen Jahren in Dettingen wohnende Häferer informierte sich weiter, eignete sich neue Techniken mit den Bällen oder Fackeln an, wobei blaue Flecken, verbrannte Finger und Muskelkater nicht ausblieben. Nachdem er mehrfach beim Abschlussprogramm der Tanzschule Werz aufgetreten war, kamen die ersten Anfragen nach Kursen, und "ich gab das weiter, was ich mir mühevoll selbst beigebracht und einstudiert hatte", wie der Mitfünfziger erzählt. Aus diesen Kursen entwickelte sich eine Gruppe, die Spaß am Feuer hatte, gemeinsam mit Tänzern und einem Tanzlehrer entwickelte man eine Choreographie mit Poi. Und als man sich dann auf die Schnelle für einen Namen entscheiden musste, einigte man sich auf "Pila Accendi", was "brennende Kugel" bedeutet. Seit 2001 gibt es die Feuerkünstler nun unter diesem Künstlernamen, dahinter standen damals neben Häferer Bernia Götz, Andrea Lamparter, Christine Neuberger, Jürgen Schneider und Dietmar Werz.

Mal waren es bis zu 16 Mitglieder, inzwischen konzentriert sich der feste Stamm auf acht Profimitglieder, die auftreten. Wobei je nach Wunsch des Kunden die Anzahl der Feuerkünstler variiert und damit natürlich auch das Angebot, denn fast jeder oder jede hat ihre eigenen "Spezialitäten". Mit an Bord sind beispielsweise auch ausgebildete Tänzerinnen, die ansonsten im Theater arbeiten oder eine eigene Performancegruppe haben, und auch ein ausgebildeter Trommellehrer. Der sorgt mit einem unverwechselbaren Sound ("da wird oft je nach Situation improvisiert") nicht nur für das Gänsehautgefühl bei den Auftritten, sondern mit einem hervorragenden Rhythmusgefühl auch für einen Ohrenschmaus.

Trainiert wurde früher regelmäßig, aber da die Gruppe weit auseinander wohnt, ist man heute so gut aufeinander eingespielt, dass man sich per E-mail oder Skype austauscht und erst kurz vor dem Auftritt etwas Neues gemeinsam einübt.

"Der Feuerzauber hat immer auch etwas Mystisches, Anarchisches und leicht Verrücktes", ist Thilo Häferer überzeugt - und wer jemals ein nächtliches Feuer-Spektakel gesehen hat, wird ihm vorbehaltlos zustimmen. Da verschwinden die Protagonisten fast in einem Feuerregen, wirbeln Feuerfächer und brennende Schwerter, wird mit Feuerbällen jongliert und werden Wurfjonglagen vorgeführt. Oder es kommt ein besonderer "Feuerwagen" zum Einsatz, der an sich schon ein ganz besonders imposantes Requisit ist. Wenn sich dann noch die Künstler "prügeln", johlt das Publikum und denkt nicht an die blauen Flecken oder Schrammen, unter denen die Darsteller hinterher unter Umständen zu leiden haben. Die leicht martialischen Kleidungen - schwarzes Leder, glitzernde Kleidchen - machen das Ganze natürlich noch zu einem Hingucker. Aber auch die Kostümfrage wird den Wünschen der Kunden angepasst. Ebenso die Zeiten des Auftritts. Natürlich wirkt die Show in der Dunkelheit optimal, aber manche wünschen sich eine Feuershow auch am helllichten Tag - "da sind wir flexibel", sagt Häferer, der ansonsten als Mediengestalter seine Brötchen verdient.

Der absolute tollste Auftritt war für Häferer bisher auf dem Hohenneuffen. "Es war richtig dicker Nebel, die Feuerschalen auf dem Wall sorgten für eine bizarre Stimmung. Wir waren nur als schemenhafte Gestalten auszumachen - und dann die Feuereffekte, vor allem die Kohlepoi mit Goldregen. Das war gruselig schön."

Ideen haben die Feuerkünstler um Thilo Häferer noch genug. "Dazu brauchen wir noch Requisiten und eine kleine Halle zum Bauen. Und ein Sponsor wäre auch nicht schlecht", lacht er.

Info www.pila-accendi.de

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