Die mit dem „H“

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Es ist ein feiner Zug jenes Herrn, der seinen Campingtisch samt Klappstühlen neben seinem VW-Bulli aufgebaut hat. Die Fenster seines Fahrzeugs sind nämlich heruntergekurbelt. Besucher des Grafenberger Ferienhocks mit Oldtimertreffen (die mit dem „H“ auf dem Nummernschild) können so das Fahrzeug also auch beschnuppern. Bullis, ebenso Käfer, haben diesen typischen VW-Geruch, den diverse, vermutlich nicht besonders edle Kunststoffe vom ersten bis zum letzten Tag des Autolebens verströmen. Es gibt Menschen, die sagen, nie habe ein Auto besser gerochen, und wenn sie die den Kopf durch die offene Scheibe ins Innere stecken, nehmen sie einen tiefen Atemzug aus ihrer Kindheit oder Jugend. Falls Kinder mitlesen: Ja, es ist schon eine Weile her, da gab es noch keine elektrischen Scheibenheber. Wer frische Luft wollte, musste entweder kurbeln oder stellte das Seitenfenster nach außen. Die Motoren waren simpel aufgebaut, selbst Laien konnten einen Vergaser abschrauben, um mit ihm was auch immer anzustellen. Oft hat’s funktioniert, und wenn ihm nur ein leichter Schlag mit dem Hammer gefehlt hat. Das hat manchen Käfer wieder zum Laufen gebracht.

Der Gesangverein hat diesen Hock organisiert, zum 21. Mal, wobei er zum dreizehnten Mal von Oldtimern begleitet wird. „Wir machen das für die Leute, die im Urlaub nicht wegfahren“, sagt Ralf Wurster, einer von vier Vorstandsmitgliedern. Peter Kächele hatte vor zwölf Jahren die Idee mit den Oldtimern. Das Konzept hat von Anfang an gut funktioniert. Und so kamen gestern etwa 300 alte Autos, denen außer dem Attribut „alt“ vor allem auch edel, gepflegt und selten zugeschrieben werden kann. Ein Jaguar E-Type und ein Triumph Spitfire teilen sich eine Besonderheit des Tachos: Dort zeigt die Ziffernadel keine Stundenkilometer an, sondern Miles per Hour (mph), also Meilen pro Stunde. Wer damit unterwegs ist, sollte im Kopfrechnen nicht ganz schlecht sein. Traktoren waren auch da. Das Motto des Tages hieß Kramer-Schlepper. Also fuhren sie vormittags aus allen Richtungen nach Grafenberg. Hin und wieder wurden sie überholt von den alten Sehnsüchten der Landstraße, die in den 70ern Ford Capri hießen oder Opel Kadett. Das schönste Auto aber hat Reinhold Kayser aus Reudern, jedenfalls aus seiner Sicht. Es ist ein Audi Coupé S, ein Traum seiner Jugend.

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