Die Bürgermeisterin strebt ins Badische

Überraschende Nachricht, selbst für Grafenbergs Gemeinderäte: Bürgermeisterin Annette Bauer will offenbar ihren Posten räumen. Die 34-jährige Verwaltungswirtin bewirbt sich als Beigeordnete in Rastatt.

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Vielleicht bald nicht mehr in Grafenberg tätig: Annette Bauer.  Foto: 

Enttäuscht, schockiert, überrascht. So reagierten gestern selbst kommunalpolitische Insider in Grafenberg auf die jüngsten Entwicklungen im Rathaus: Bürgermeisterin Annette Bauer hat sich am Donnerstag um die Stelle der Ersten Beigeordneten in der rund 47 000 Einwohner zählenden Kreisstadt Rastatt beworben. Die gebürtige Glemserin tritt bei der Wahl am 21. Dezember gegen den langjährigen Amtsinhaber Wolfgang Hartwig (CDU) an.

Die parteilose Annette Bauer war erst im Sommer 2013 mit großer Mehrheit (83,3 Prozent) zur neuen Rathauschefin und ersten Frau im Grafenberger Bürgermeisteramt gewählt geworden. Im Wahlkampf hatte sie immer wieder betont, die Gemeinde an der Kreisgrenze sei für sie eine längerfristige Perspektive. Im Gespräch mit unserer Zeitung sagte sie gestern: "Bei der Stelle in Rastatt handelt es sich um eine gute Gelegenheit, die sich nur selten bietet. Deswegen nehme ich sie gerne wahr - obwohl wir in der Region sehr verwurzelt sind."

Im Ort wird nun über die weiteren Hindergründe der Bewerbung im Badischen spekuliert. Annette Bauer selbst lässt anklingen, dass ihr die enge finanzielle Situation der Gemeinde Grafenberg in jüngster Zeit enorm zugesetzt habe. "Die Lage ist extrem schwierig", so die 34-Jährige. Sie sei dafür nicht verantwortlich: "Vieles hat sich mir erst nach meinem Amtsantritt offenbart".

Details dazu möchte die Bürgermeisterin nicht nennen. Wie das "Badische Tagblatt" heute berichtet, habe Bauer im Vorfeld der Rastatt-Wahl von "Konflikten um die Grafenberger Finanzen" gesprochen , die in ein "Dilemma und zu Loyalitätskonflikten führten".

Grafenbergs langjähriger Bürgermeister Holger Dembek zeigte sich überrascht von den Ereignissen um die Verwaltungsspitze. Zwar sei Grafenberg in Geldbelangen nicht auf Rosen gebettet und die finanzielle Lage "seit längerem angespannt". Auffälligkeiten sind dem Verwaltungsexperten aber nicht bekannt, betont er.

Die Gemeinde Grafenberg hatte vor Jahren Grundstücke im Ortskern erworben, um ihre neue "Mitte" zu gestalten. Dafür habe sich die Kommune auch verschuldet, erklärt Dembek. "Rechtlich ist dabei aber alles glatt gelaufen. Die Kommunalaufsicht hat alle Kredite genehmigt", betont der Mann, der 32 Jahre die Geschäfte im Rathaus führte.

Mit einem persönlichen Anschreiben der Bürgermeisterin sind die Grafenberger Gemeinderäte gestern über die Wechsel-Pläne Annette Bauers informiert worden. Mehr als überrascht war der erste stellvertretende Bürgermeister Thomas Vorwerk, als er seine Post durchlas. "Das hat mich eiskalt erwischt", so der FWV-Gemeinderat. Was die 34-Jährige bewegt, erschließt sich Vorwerk nicht. Die von Bauer gegenüber dem Badischen Tagblatt ins Gespräch gebrachten "Umstände, die Gemeindefinanzen betreffen", kann Vorwerk nicht nachvollziehen. Die Gemeinde habe eine neue Kämmerin, die die Dinge transparenter darstelle. Das sei eine Tatsache, denen sich der Gemeinderat stelle. "Sie hat eine gute Arbeit gemacht", sagt Vorwerk über die Bürgermeisterin. Dass es in einer kleinen Gemeinde mitunter nicht leicht sei und es auch mal Meinungsverschiedenheiten gebe, sei normal. Seine Verwunderung nährt die Tatsache, dass Annette Bauer vor der Wahl ein deutliches Bekenntnis zu Grafenberg abgegeben habe.

"Ich war enttäuscht und schockiert", kommentiert derweil CDU-Gemeinderat Manfred Knöll Annette Bauers Ansinnen. Auch er hatte auf Kontinuität im Rathaus gebaut. Das neue Team habe sich gut eingearbeitet.

Vorweihnachtliche Ruhe wird in Grafenberg jetzt erstmal nicht einziehen: Die nächste Gemeinderatssitzung steht am kommenden Dienstag an. Auf der Tagesordnung: auch der Gemeindehaushalt.

Im Falle ihrer Wahl in Rastatt müsste Annette Bauer am 1. Februar ihren Dienst antreten. Grafenberg würde sich dann auf eine vorzeitige Bürgermeisterwahl einstellen. Vorwerk erinnert daran, dass die Kandidatensuche kein einfaches Unterfangen war.

Und was ist , wenn die 34-jährige gegen den Amtsinhaber unterliegt? "Dann werde ich mich mit der gleichen Kraft wie bislang für Grafenberg einsetzen", sagt Annette Bauer. Gesprächsbedarf wird es wohl allemal geben.

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