Deutschland braucht mehr Reformen

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    FDP-Kandidatin Renata Alt setzt auf Diplomatie. Gespräche sind ihrer Ansicht nach die Lösung vieler Probleme. Foto: 
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    Selbstbestimmung in allen Lebenslagen ist eines der Wahlkampfthemen, die ihr besonders am Herzen liegen. Foto: 
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Was passiert, wenn die Liberalen aus der Regierung verschwinden? Diese Frage beschäftigt Renata Alt, Bundestagskandidatin des Wahlkreises Nürtingen. Für eine moderne Gesellschaft brauche es Liberale-Politiker. Sie selbst hat die Unfreiheit erlebt. „Ich habe in einem Käfig gelebt“, so die 52-Jährige, „als junger Mensch musste man aufpassen, was man sagt.“ Ihre Kindheit und Jugend in der Slowakei sei geprägt von der „Zwangsjacke des kommunistischen Systems“.

Bis 1991 arbeitete Alt im Bereich der Maschinen- und Lebensmittelindustrie, bevor sie nach Prag ins Außenhandelsministerium kam. Dort war sie der Abteilung Europa zugeteilt. Ein Jahr später wurde sie vom Auswärtigen Amt als Diplomatin nach Deutschland geschickt und von Außenminister Klaus Kinkel akkreditiert. „Es war nicht geplant in Deutschland zu leben“, sagt Alt. Aber in München lernte sie ihren zukünftigen Mann kennen und entschied sich zu bleiben. 2009 trat sie der FDP bei, heute ist sie Bundestagswahlkandidatin und die Vizevorsitzende „Liberale Frauen Baden-Württemberg“. Zudem ist Alt als Stadträtin in Kirchheim tätig.

Aus Sicht der freien Demokratin brauche Deutschland dringend Reformen. So sei das duale Bildungssystem in Baden-Württemberg ein Vorbild für China gewesen. Zu diesem Status müsse man wieder kommen, um „Deutschland wieder zu den Weltbesten“ zu machen. Gute Bildung sei der Schlüssel für die berufliche Verwirklichung. Dafür müsse man investieren und zwar 1000 Euro pro Schüler, um die technische Ausstattung zu verbessern und mehr Personal einzustellen.

Ein weiteres Thema umfasst die Genfer-Flüchtlingskonvention. „Es braucht ein modernes Einwanderungsgesetz“, fordert Alt. Zur Zeit seien weltweit etwa 60 Millionen Menschen auf der Flucht, und das aus verschiedenen Gründen. Für Menschen, die zeitweise Schutz suchen, muss eine Rückkehr ins Heimatland möglich sein. Für alle, die dauerhaft bleiben, könne man ein Punktesystem einführen, ähnlich dem kanadischen. „Aber humaner“, ergänzt Alt. Für die innere Sicherheit sieht die FDP eine bessere Ausstattung der Polizei und Sicherheitskräfte vor.

Reformen habe aber auch die Europäische Union nötig. Es sei wichtig, eine gemeinsame Sicherheits- und Außenpolitik zu gewährleisten. So brauche es mehr Austausch der Behörden untereinander. „Eine obere europäische Sicherheitsbehörde wäre von Vorteil“, sagt Alt und zieht einen Vergleich zum Bundeskriminalamt.

Zudem müsse man über eine gemeinsame Verteidigung, im Sinne einer EU-Armee, nachdenken und solle sich nicht ausschließlich auf die USA verlassen. „Werden die Verträge nicht reformiert, wird Europa eine lahme Ente werden“, macht Alt deutlich und lehnt sich dabei an ein Zitat von Altkanzler Helmut Schmidt an.

Aber auch in Deutschland gebe es Baustellen. Die Infrastruktur sollte modernisiert werden: vom Breitbandausbau über die Straßensanierung bis hin zu höheren Taktungen für den öffentlichen Personenverkehr sowie die Förderung der Elektromobilität. Wichtig ist der FDP-Politikerin die „Selbstbestimmung in allen Lebenslagen“. Aus ihrem privaten Umfeld habe sie erfahren, dass die Wünsche der Menschen nicht immer respektiert werden – selbst wenn eine Patientenverfügung vorliegt. „Der Wille sollte wirklich immer akzeptiert werden“, betont Alt nachdrücklich.

Kritisch geht die 52-Jährige mit dem Thema Respekt um. Für sie ist die Enteignung kein Weg, um den Wohnungsmarkt zu entlasten. Man müsse sein Eigentum behalten dürfen, sonst würde der Respekt davor verloren gehen. Das gelte auch für die Gleichberechtigung. „Ich möchte wegen meiner Leistungen respektiert und befördert werden, nicht wegen einer Frauenquote“, betont die Chemie-Ingenieurin. Der Arbeitsmarkt sei aber nicht für Mütter ausgelegt, die vor allem flexible Arbeitszeiten brauchen. Wichtig sei dabei eine qualitativ hochwertige Kinderbetreuung, die flexibel sein muss.

Zu einer „fairen Balance zwischen den Bürgern und dem Staat“, gehört, dass der Solidaritätszuschlag 2019 ausläuft. „Er erfüllt nicht mehr seinen Zweck“, erklärt Alt. Als weiteren Punkt sieht die FDP eine Förderung junger Familien vor. Mit einem Freibetrag für die Grunderwerbssteuer von 500 000 Euro soll angekurbelt werden, dass mehr Menschen Häuser bauen. Eine Förderung der Betreuungskosten sei zudem längst überfällig.

Als Dolmetscherin, die fünf Sprachen spricht, ist Außenpolitik eines der zentralen Thema. Kommunikation sei Alts Ansicht nach einfach der Schlüssel der Diplomatie. „Wir stehen vor einer globalen Herausforderung, die es nötig macht, alle internationalen Beziehungen zu pflegen.“

Renata Alt ist in Skalica geboren. Sie absolvierte ein Studium an der chemotechnischen Fakultät. Zudem ist sie als Dolmetscherin tätig.
1991 arbeitete sie im Außenhandelsministerium in Prag (Tschechien). 1992 wurde sie vom Auswärtigen Amt als Diplomatin nach Deutschland geschickt. Im gleichen Jahr wurde sie Wirtschaftsattaché im Generalkonsulat der Tschechoslowakischen Republik in München.
Seit 1997 ist sie wissenschaftliche Beraterin im Bereich Gesundheit.
Seit 2014 ist Alt die stellvertretende Vorsitzende im FDP-Landesfachausschuss Europa-Internationale Politik Baden-Württemberg. Zudem ist sie Vorsitzende der Liberalen Frauen in der Bezirksregion Stuttgart. Renata Alt ist Mitglied im Kreisvorstand der FDP Esslingen und seit 2015 im Landesvorstand in Baden-Württemberg.

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