Der Saft, der Leben rettet

Vor 50 Jahren waren die Hülbener erstmals zur Blutspende aufgerufen. Das Jubiläum wird am Gründonnerstag begangen. Den Termin verbindet das DRK mit einer Typisierungsaktion für eine Stammzellenspende.

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Sabrina Richter vom Blutspendedienst und der Hülbener DRK-Ortsvorsitzende Siegmund Ganser laden ein zum Blutspendetermin am Gründonnertag. Dort gibt es auch eine Typisierungsaktion für Stammzellenspenden. Foto: Kirsten Oechsner

Der DRK-Ortsverein Hülben gehört wohl schon immer zu den aktiven im Land: Als Bewohner ländlicher Regionen in der Regel noch in die Städte zur Blutspende fahren mussten, gab es in Hülben am 5. September 1963 im jetzigen alten Schulhaus einen der ersten Blutspendetermine in einer kleinen Gemeinde. "Immerhin fand vor 55 Jahren überhaupt die erste Blutspende in Baden-Württemberg statt", blickt Sabrina Richter vom Blutspendedienst auf die allgemeine Geschichte zurück.

Der DRK-Ortsvorsitzende Siegmund Ganser hat sich mit Blick aufs Jubiläum intensiv mit der Hülbener DRK-Geschichte befasst und tief in Archiven gewühlt. Dabei fand er Erstaunlich-Amüsantes heraus: Die Doppelwecken fürs Vesper wurden bei allen drei Hülbener Bäckern bestellt, der dazu gehörige Schinken wurde ebenfalls gerecht bei allen ortsansässigen Metzgern geordert. Insgesamt wurden 89,05 Mark für die Verköstigung der 131 Spender der Premieren-Veranstaltung ausgegeben - jeder einzelne ist mit Namen, Adresse und Uhrzeit der Spende aufgelistet. "Das wäre heute aus datenschutzrechtlichen Gründen gar nicht mehr möglich", weiß Ganser.

Damals hatte die Ortsgruppe alle Vereine angeschrieben und um eine Anmeldung der Teilnehmer inklusive geplanter Uhrzeit der Spende gebeten. 20 Spender stellte beispielsweise die Firma Kempel und Leibfritz, der Sportverein bot deren 23 auf und die Feuerwehr elf. Zahlreiche Grabenstetter packten die Gelegenheit gleichfalls beim Schopf, unter den Spendern befanden sich unter anderem die Mitarbeiter des Rathauses und die Angehörigen der Feuerwehr. Manchen Spendern aus der Nachbargemeinde erstatteten die Hülbener sogar die Kosten fürs Busticket, wie die alten Akten belegen. Dafür wurden immerhin zehn Mark investiert. Gekostet haben laut Auflistung auch die drei Seifen für die Ärzte: 1,95 Mark immerhin.

Die Zeiten haben sich geändert, geworben wird heutzutage für die Blutspendetermine unter anderem über Facebook: "Wir haben dadurch schon den einen oder anderen jungen Erstspender motivieren können", weiß Ganser. Doch um direkte Anschreiben kam er auch in Zeiten der sozialen Medien nicht herum: Die örtlichen Gewerbetreibenden wurden nämlich um eine Spende für die Finanzierung der Typisierungsaktion für eine Stammzellen- beziehungsweise Knochenmarkspende gebeten, jede Registrierung kostet 50 Euro. "Am Anfang hatten wird gesagt, dass es schön wäre, auf diesem Weg 50 Typisierungen finanzieren zu können", erinnert sich Ganser. 3000 Euro hat er jedoch bereits sammeln können, somit sind jetzt bereits 60 Typisierungen garantiert.

Das Jubiläum wollte der Ortsverein auf besondere Art feiern, indem jeder Spender die Möglichkeit hat, doppelt zu helfen: "Es wird einfach ein Röhrchen Blut mehr abgenommen", beschreibt Sabrina Richter das Procedere für diejenigen, die sich typisieren lassen wollen. Die Beteiligung sei jedoch freiwillig, eine endgültige Entscheidung für eine Stammzellenspende falle ohnehin erst im Fall einer Übereinstimmung.

Erfasst werden die Daten der Hülbener Aktion in der Deutschen Stammzellenspenderdatei, einer von rund 30 Organisationen in Deutschland: "Alle Spenderdateien sind miteinander vernetzt", erklärt Sabrina Richter. Blutspendedienst und DRK-Ortsgruppe hoffen nun auf viele Spender auch von außerhalb, die mehr als nur Blut spenden wollen - doch keiner muss, jeder kann. 10 600 Blutkonserven wurden in den vergangenen 50 Jahren in Hülben gesammelt, am Jubiläumstermin sollen möglichst mehr als 200 weitere hinzu kommen.

Info Der Jubiläums-Blutspendetermin mit Typisierungsaktion ist am Donnerstag, 28. März, von 14.30 bis 19.30 Uhr in der Rietenlauhalle.

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