Der Lernerfolg ist spürbar

Drei Schüler sitzen über das Aufgabenblatt gebeugt, hier wird intensiv gelernt. An drei Nachmittagen in der Woche bietet die Schule Kohlberg seit neuestem eine Hausaufgabenbetreuung an.

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Die Hausaufgabenbetreuung an der Grundschule Kohlberg läuft gut. Foto: Privat

Geduldig erläutern die beiden 13-Jährigen, wie man hier vorgehen muss. Noch immer löst sich der Verständnisknoten nicht. Schließlich steht einer der beiden Jugendlichen auf und holt Rechenklötze aus dem Regal, welche für Hunderter, Zehner und Einer stehen. Jetzt fällt der Groschen, und dem Mädchen aus der Grundschule gelingt es, mit noch etwas Hilfestellung von beiden Seiten, auch die schwierigeren Aufgaben zu lösen.

Wer sich montags, mittwochs oder freitags am Nachmittag in der Grundschule Kohlberg aufhält, trifft zur Zeit auf viele solche Lerngrüppchen. In drei Räumen werden Hausaufgaben gemacht, wird lesen und rechnen geübt, Unverstandenes erklärt. Es herrscht Arbeitsatmosphäre. Und das Besondere: Die Lerncoachs sind nicht etwa Erwachsene, sondern vielmehr Schüler der Realschule Neuffen und der Schönbein-Realschule Metzingen. Sie stehen den Grundschülern zur Seite und bieten dabei Geduld, Kreativität und auch zwischenmenschliches Geschick auf, um zu deren Lernerfolg beizutragen. Sie leisten dabei im Rahmen des Projektes "Soziales Engagement" die geforderten Arbeitsstunden in einer sozialen Einrichtung ab, wie es der Bildungsplan verlangt.

Diese Konstellation, bei der Grundschüler und Realschüler gleichzeitig profitieren, ist in Zusammenarbeit des Kollegiums der Grundschule Kohlberg mit dem Förderverein Grundschule Kohlberg entstanden. Die Lehrerinnen der Grundschule hatten angeregt, dass das Angebot einer Hausaufgabenbetreuung für etliche Kinder wünschenswert wäre. So braucht mancher Grundschüler einfach jemanden, der neben ihm sitzt, ihn bei Schwierigkeiten ermutigt und am vorschnellen Aufgeben hindert. Andere Schüler sprechen zu Hause wenig Deutsch und können daher im Elternhaus bei Verständnisschwierigkeiten nicht nachfragen. Auch wenn es sich dabei nur um kleinere Missverständnisse handelt, können diese, wenn sie nicht zeitnah beseitigt werden, zu größeren Problemen beim Lernen führen.

Im Förderverein der Grundschule Kohlberg ist daraufhin die Idee für die Kooperation mit den Realschulen im Rahmen des Projektes "Soziales Engagement" entstanden; erste Kontakte wurden hergestellt. Über zahlreiche Telefonate und Treffen organisierte daraufhin die Rektorin der Grundschule, Karin Schwab-Fiedler, die Hausaufgabenbetreuung, die ihr eine Herzensangelegenheit ist. Sie bestreitet auch an zwei der Nachmittage die Aufsicht, an einem Nachmittag begleitet der vom Förderverein bezahlte Schulsozialarbeiter Nicolai Amann die Lerngruppen.

Der Förderverein übernimmt auch die Büchergutscheine, mit denen nach Ablauf der Pflichtstunden den Realschülern für ihr Engagement gedankt wird. Zunächst betrachtet man das Projekt allerdings als einen Versuch, um herauszufinden, ob das Ganze überhaupt funktioniert. Dieser läuft nun seit Januar dreimal in der Woche.

Können denn Siebtklässler "Hilfslehrer" sein? Sie können, so lautet das Fazit der Rektorin der Grundschule Kohlberg, Karin Schwab-Fiedler, das sie aus den vergangenen Wochen zieht. Bemerkenswert sei, dass die Realschüler nicht nur ihr Wissen mit einbringen, sondern auch ihr Vermögen, Abläufe zu strukturieren. So habe einer der Großen das Hausaufgabenheft einer Schülerin in eine Art Time-System verwandelt, damit diese sich selbst besser organisieren lernt. Dabei variieren die Gruppengrößen: Mal lernt eine Siebtklässlerin mit zwei oder drei Grundschülern, manche Kinder werden einzeln betreut. Eine erwachsene Ansprechperson ist immer greifbar und hilft bei Problemen.

Der Lernerfolg ist spürbar. Die Klassenlehrerin der ersten Klasse beobachtet seit Beginn der Hausaufgabenbetreuung, dass die betreffenden Schülerinnen und Schüler deutlich besser im Unterricht zurechtkommen: "Oft sind es ja nur die Kleinigkeiten, die die Kinder nicht verstanden haben. Werden diese rechtzeitig ausgeräumt, kommt es viel seltener zu größeren Verständnislücken." Sie hofft, dass die Hausaufgabenbetreuung auch nach Ablauf des Realschulprojekts "Soziales Engagement" weiter Bestand haben wird.

Wie steht es also mit der Nachhaltigkeit? "Wir hoffen, dass wir manche Realschüler auch nach dem Ablauf des Sozialprojekts gegen Bezahlung weiter beschäftigen können", erläutert die Vorsitzende des Vereins, Dr. Viola Hörner-Wetzel. Zudem sei geplant, dass man den Realschülern eine Bescheinigung für ihr Engagement ausstelle, die sie später ihrer Bewerbungsmappe beilegen können. Eine das ganze Schuljahr hindurch stattfindende Hausaufgabenbetreuung, die möglichst viele Kinder unterstütze, wäre sicherlich ideal, wenn auch schwer finanzierbar, so die Vorsitzende.

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