Der ganze Tag ist gefragt

Der Wandel in der Familie ist angekommen in Dettingen: Immer mehr Eltern wollen ihr Kind durchgehend betreut wissen. Ein Jahr ist das Kinderhaus eröffnet, nun wird eine weitere Ganztagesgruppe eingerichtet.

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Im Garten des Kinderhauses können sich die Jüngsten austoben.

Wer einen Rundgang durch das renovierte Dettinger Kinderhaus samt neuem Anbau macht, der staunt, wie leise der Alltag dort vonstatten geht. Eine Gruppe Kindergartenkinder baut im Gruppenraum selbstvergessen an einem Legoturm. Kein lautes Geschrei, nur leises Kinderlachen. Auch um die Ecke, wo vier ganz Kleine mit ihren Erzieherinnen über dem Mittagessen sitzen, herrscht allenfalls Familien-Lautstärke. Nur draußen, im Garten, toben die Jungen und Mädchen lebhaft umher.

Und hier sollen täglich mehr als 70 Kinder betreut werden? "Das Haus ist groß. Hier verteilt sich alles gut", sagt Christine Zeeb, die Gesamtleiterin der Dettinger Kindergärten.

Dabei ist das neue Ellwanger Kinderhaus gut gebucht. Um es anders zu sagen: Das Zeitalter der Doppelverdiener, der Patchworkfamilien und Alleinerziehenden hat den ländlichen Raum, und so auch Dettingen, längst erreicht. Der Trend geht auch dort ganz eindeutig zur Ganztagesbetreuung. Diese Bilanz ziehen Kirchenpfleger Kai Münzing und Christine Zeeb ein Jahr nach der Eröffnung der neuen Kinderkrippe.

Für Christine Zeeb und ihre 25 Kolleginnen wird sich schon im Herbst einiges ändern: Das Kinderhaus Walter-Ellwanger wird auf vier Kindergartengruppen und drei Kleinkindgruppen ausgebaut. Neu dazu kommt eine Ganztagesgruppe im Kindergartenbereich. Auf Wunsch der Eltern - denn immer mehr von ihnen nehmen die durchgehende Betreuung bis 15 Uhr in Anspruch, sagt Kai Münzing.

Das liegt in Dettingen zum einen an der veränderten Familiensituation, zum anderen an pädagogischen Gründen wie Christine Zeeb erläutert: Nach dem Essen gegen halb zwölf machen die Jungen und Mädchen im Kinderhaus einen Mittagsschlaf. Holen die Eltern ihren Nachwuchs dann bereits um 13 Uhr ab (dieses Modul wird ebenfalls angeboten) müssen die Erzieherinnen die Kleinen aus der Ruhephase reißen. "Deswegen entscheiden viele Mütter und Väter, ihr Kind gleich länger bei uns zu lassen."

Sieben statt sechs Gruppen gibt es also fortan im Dettinger Kinderhaus. Darauf musste die Kirchengemeinde, Trägerin aller Dettinger Kindergärten, auch personell reagieren: Die Verantwortlichen haben neue Arbeitsplätze geschaffen. Das Team der Erzieherinnen und Auszubildenden wird im Herbst von 25 auf 30 Fachkräfte aufgestockt. Eine Entwicklung, die Münzing und Zeeb nicht weiter überrascht: Die Geburtenrate in Dettingen liegt nach wie vor über dem Durchschnitt im Land. Zum ersten September werden knapp 500 Kinder einen Rechtsanspruch auf Betreuung haben. "Seit Jahren sind unsere Kindergartengruppen voll ausgelastet", sagt die pädagogische Leiterin

Das neue Kinderhaus Walter Ellwanger - in den Umbau hat die Gemeinde Dettingen 2,8 Millionen Euro investiert - bietet insgesamt Platz für 132 Mädchen und Jungen. Steigt die Nachfrage weiter, könnten die Dettinger eine vierte Krippengruppe anbieten, erklärt Münzing. "Wir können die Bedürfnisse befriedigen. Aber wir haben auch nicht endlos freie Plätze". Dem großen Interesse an Ganztagesplätzen begegnet die Kirchengemeinde auch mit dem Ausbau des Angebots im Kindergarten "Unter dem Regenbogen" in der Buchhalde. Dort bieten die Dettinger künftig 50 statt 40 Tagesplätze an, wobei die Kleinen bis 17 Uhr betreut werden.

Da wir gerade bei Statistiken sind: Gut 100 Jungen und Mädchen nehmen derzeit ihr Mittagessen im Kindergarten "Unter dem Regenbogen" und im neuen Kinderhaus ein. Vor Jahren noch kaum denkbar.

Allein 60 Buben und Mädchen essen täglich im Ellwanger-Kindergarten. Gulasch mit Spätzle und Weißkraut gibt es an diesem Donnerstag. Die Kleinen in der Kindergartengruppe langen in ihrem Raum kräftig zu - und bedienen sich zwischendrin immer wieder an der Krautschüssel. "In der Gemeinschaft schmeckts", freut sich Christine Zeeb.

Auf Ruhe beim Essen legen die Pädagogen großen Wert - so sind erst kürzlich im Speisesaal kleine Nischen geschaffen worden, damit die Krippenkinder unter sich sind und nicht abgelenkt werden.

Und apropos Pädagogik: Versteht sich von selbst, dass die Arbeit mit Kindern ein ständiger Prozess ist. Eine wichtige Aufgabe für die Dettiger Erzieherinnen ist dieser Tage beispielsweise die Integration der Asylbewerber-Kinder. Zu diesem Zweck haben Christine Zeeb und ihre Kolleginnen Netzwerke mit anderen Experten gebildet. Auch Fortbildungen in der Traumata-Therapie standen an.

Herausforderungen gibt es in den kommenden Jahren genug, da sind sich Kai Münzing und Christine Zeeb sicher. "Aber wir sehen uns gut aufgestellt."

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