Dem Verdrängen entgegenwirken

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Miteinander ins Gespräch kommen, informieren und dabei zum Nachdenken anregen: Polizisten und Biker in Hülben.  Foto: 

Vorstand Willi Kullen von den „Motorradfreunden vordere Alb Hülben“ weiß, dass er mit dem Aktionstag für Motorradfahrer einen wunden Punkt bei seinen Bikerkollegen trifft. „Man verdrängt Unfälle bei uns ein Stück weit, man will davon eigentlich nichts hören“, sagt Kullen. Bei den 1987 gegründeten Motorradfreunden selbst hat es bis dato glücklicherweise noch keinen schweren Unfall gegeben. „Aber Motorradfahren ist ein gefährliches Hobby“, redet Kullen nicht um den heißen Brei herum. Daher ist es für seinen Verein auch Ehrensache, den Motorradsicherheitstag zusammen mit Kooperationspartnern wie der Verkehrswacht Reutlingen-Münsingen, der Polizei und dem Motorradfahrerverein „Lila“, der steht für das Motto „Leise im Lautertal“ und will Biker zum rücksichtsvollen Fahren animieren, auszurichten.

„Kein erhobener Zeigefinger

Mit dabei sind Manfred Peschke und Petra Müller vom Referat Prävention des Polizeipräsidiums Reutlingen. Sie wollen die Biker vor allem über Gefahren bei zu hoher Geschwindigkeit und die richtige Schutzkleidung informieren. Dabei steht, das betonen die Beamten unisono, an diesem Tag der Appell an die Vernunft der Motorradfahrer im Vordergrund. Spaß soll der Aktionstag machen und nicht mit dem erhobenen Zeigefinger daherkommen. Daher stehen auch zwei Beamte der Motorradstaffel der Verkehrspolizei Tübingen bereit, die auf Augenhöhe mit den Bikern sprechen können.

Hülben sei dabei für diesen Aktionstag bewusst ausgewählt worden, erklärt Peschke. „Von Esslingen und Bad Urach her kommend gibt es zwei Wege auf die Alb“, erklärt der Polizeibeamte. „Und gerade die Steigen werden gerne mal dafür missbraucht, richtig Stoff zu geben.“ Deshalb haben die Beamten auch eine eindrückliche Darstellung des Bremsweges bei 30 und 50 Stundenkilometern aufgebaut. Farbige Stoffbahnen zeigen, wie weit das Motorrad fährt, bevor der Fahrer überhaupt reagieren kann und wie lang der weitere Bremsweg dann noch ist. An der passenden Stelle haben die Polizeibeamten ein Holzkreuz in den Boden geschlagen. „Hier hätte man spätestens anhalten sollen“, sagt Peschke. Bei 30 Stundenkilometern hätte es gereicht – bei 50 wäre der Biker an dieser Stelle mit rund 45 Stundenkilometern in das Hindernis geprallt. Viele Gespräche bei den Bikern zeigten, dass diese Darstellung durchaus zum Nachdenken anregte.

Beim Deutschen Roten Kreuz war dagegen Mitmachen angesagt: Jens Breuning und Eva Lederer vom DRK Bad Urach zeigten, wie einem verunfallten Motorradfahrer der Helm abgenommen werden muss. Erst muss die Brille über das Visier entfernt werden, dann sollte – möglichst zu zweit – der Helm abgenommen werden. Eine Person muss dabei den Kopf vorsichtig stützen, damit dieser nicht nach unten kippt, wenn der Helm den Kopf freigibt. Achsengerecht sollte der Kopf dann mitgedreht werden, wenn das Unfallopfer in die stabile Seitenlage gebracht wird. „Vor allem ältere Wiedereinsteiger denken noch immer, der Helm sollte nicht abgenommen werden“, berichtet Breuning. Doch mit Helm könnten die Vitalfunktionen nicht kontrolliert werden – und bei Erbrechen droht Erstickungsgefahr. „Viele haben auch generell Angst, etwas falsch zu machen“, sagt der DRK-Aktive. Doch helfen könne man immer: „Sei es den Patienten einfach nur zu betreuen oder eben, ganz wichtig, den Notruf zu wählen.“

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