Dem Frieden eine Heimat geben

Die Kirchenchöre aus Grafenberg und Riederich konzertierten zusammen unter der Leitung von Susanne Wurz und Thomas Frank. Das Motto lautete „Da pacem – gib Frieden“.

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Der gemeinsame Auftritt beider Chöre zeichnete ein beeindruckendes Bild. Foto: Wieland Lehmann  Foto: 

Ein Ton der Orgel schwingt durch das Kirchenschiff, weitere folgen, bis schließlich der Schlussakkord die ganze Klangfülle musikalischen Ausdrucks erfahren lässt. Martin Straßer leitete mit der Fuge g-Moll von Johann Sebastian Bach das Konzert in der Michaelskirche ein. So, wie einzelne Töne zum Gesamtwerk zusammenfinden, so haben sich die beiden Kirchenchöre aus Grafenberg und Riederich zu zwei Konzerten zusammengefunden, um einem höchst aktuellen Thema Ausdruck zu geben: „Da pacem – Gib Frieden“.

Bereits bei dem ersten Konzert in der Riedericher Auferstehungskirche am 22. Oktober und nun am Sonntag in Grafenberg boten die Chöre unter Leitung von Susanne Wurz, Chorleiterin in Riederich, und Thomas Frank, Chorleiter in Grafenberg, ein Programm, das mit Liedern aus Jahrhunderten den Klagen und Bitten um Frieden, der Hoffnung und Zuversicht auf Frieden Rechnung trägt.

Hoffnungen hörbar gemacht

„Aus tiefer Not schrei ich zu dir“, den Schlusschoral aus Bachs gleichnamiger Kantate, intonierte der große Chor, ließ die Klage erfahrbar werden. Und gleich darauf wurde von den Herren gesungen, die Gewalt ausüben, die Recht und Sitten verletzen. Und so, wie die Menschen „an den Strömen Babylons“, die ihre Heimat durch die Eroberung Jerusalems verloren, der Hilfe bedurften, so wurde durch den Gesang die Empfindung für solcherart Lebenslage geweckt.

Was bereits im ersten Teil, der Klage und dem Protest, deutlich wurde: Die Chöre boten mit ihrem klaren und deutlichen Gesang, ihrem damit erarbeiteten Textverständnis einen deutlichen Bezug zur eindringlichen Aufnahme durch das Publikum. Sowohl in den präzisen Einsätzen, der Lautstärke, der Modulation der Stimmen wurden Bedrängnisse, Hoffnungsschimmer, Wünsche hörbar.

Es folgten Lieder der Friedensbitten mit Werken von Felix Mendelssohn-Bartholdy und Johann Sebastian Bach. In diesem Teil aber auch ein Lied zur Jahreslosung 2016 von Gottfried Heinzmann und Hans-Joachim Eißler gesungen: „Tröste deine Menschen“. Darin heißt es: „Die Menschen flieh´n, verlassen Haus und Stadt. Sie müssen in die Fremde zieh´n. Weh dem, der keine Heimat hat…“. Die Aktualität des Liedes machte den Bezug aller in der Vergangenheit erlebten, erlittenen Sorgen, Nöte, Bedrängnisse und Qualen der Menschen zur Gegenwart deutlich. Es war aber nicht nur eine Bitte um Hilfe, um Trost, sondern zugleich auch, wenn auch nicht textlich deutlich ausgesprochen, eine Aufforderung zum Bewusstwerden eigener Kräfte, eigenen Handelns.

Loni Armbruster geehrt

Der dritte Teil des Konzerts war der Zuversicht und dem Handeln gewidmet. Das Lied vom Mandelbaum von Schalom Ben-Chorin, dem jüdischen deutsch-israelischem Journalisten und Religionswissenschaftler, der 1935 nach Palästina emigrierte und für den christlich-jüdischen Dialog wirkte, gab dem Programm eine erweiterte Prägung. Dem folgte „Dein, o Herr, ist die Kraft“ nach einem Gebet, das Franz von Assisi zugeschrieben wird und von Max Reger vertont wurde. Wenn sich, wie hier und in allen Liedern, die Erwartungen auf „den Herrn“ richten, so bleiben die Menschen, die zu ihm bitten, von ihm Hilfe, ja Erlösung erwarten, doch auch herausgefordert.

Eine Friedensbitte und ein gemeinsames Gebet zwischen dem Programm richteten die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich selbst, auf seine Einbindung in das Thema des Konzerts. Beim ersten Konzert in Riederich wurde Loni Armbruster als 40-jährige aktive Sängerin in den Chören geehrt.

Das bot zugleich eine besondere Beziehung zwischen den Chören, denn zunächst wirkte sie im Kirchenchor in Grafenberg mit, seit einigen Jahren in Riederich. Der Beifall forderte natürlich zu einer Zugabe heraus.  Die Chorleiter und der Organist erhielten als Dank für dieses Konzert je einen Hefezopf überreicht.

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