Das Leiden nachempfinden

In der Christuskirche können Besucher ab Sonntag den Leidensweg Jesu von der Salbung bis zur Auferstehung entlang gehen. In 14 Szenen ist der Oster- und Passionsweg nachgebildet, auch um Impulse zu geben.

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  • Aus 250 Puppen suchen Renate Kullen (links) und Sabine Hermann die Protagonisten aus. Fotos: Anne Leipold 1/2
    Aus 250 Puppen suchen Renate Kullen (links) und Sabine Hermann die Protagonisten aus. Fotos: Anne Leipold Foto: 
  • Die Auferstehung: Das leere Grab Jesu ist am Taufbecken aufgebaut. 2/2
    Die Auferstehung: Das leere Grab Jesu ist am Taufbecken aufgebaut. Foto: 
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Ein kleines Dorf könnte es sein, dass auf den drei Treppen zum Altar steht. 250 handgemachte Puppen sind dort dicht an dicht aufgestellt, Soldaten mit Rüstung und Helm, Hohepriester mit den zwölf Juwelen, eines für jeden Stamm Israels, Bettler, Frauen, Kinder, einfache Männer. Sie alle werden in den Szenen des Oster- und Passionswegs ihren Platz finden, "es ist auch das Volk dabei, auch auf dem Weg nach Golgatha", erklärt Renate Kullen. "Die Leute sind neugierig, sie sind dabei gewesen, das hat ein Volk interessiert." Große Plastikkisten stehen neben den Figuren und sind bis unter den Rand gefüllt mit Palmen, Tischen, Stühlen, von Hand gearbeiteten Tieren, wie Tauben, Schafen, einem Esel, und vielen weiteren Dekorationsgegenständen, die zusammen mit den Figuren die Leidensgeschichte Jesu so lebendig wirken lassen.

"Es braucht Zeit, bis die Figuren ihren Ausdruck haben", sagt Renate Kullen. Die Figuren knien, liegen, sitzen, strecken die Arme aus oder beugen sie. Es ist Maß- und Geduldsarbeit, bis jede Geste sitzt. In biblischen Figurenkursen lernte Kullen die Puppen anzufertigen. "Das kann zur Sucht werden", sagt sie und lacht. Zunächst stellte sie Figuren für die Weihnachtsgeschichte her, dann wurden es immer mehr, 60 bis 70 Stück zählt ihre Sammlung inzwischen. Außer ihr haben neun weitere Frauen zahlreiche Puppen gefertigt. Diese sollten nicht nur im Schrank stehen, so kam im vergangenen Jahr die Idee einer Ausstellung auf, die im Passions- und Osterweg mündete. Der war im vergangenen Jahr schon erstaunlich gut besucht, wie Kullen erzählt. Deshalb wird er auch in diesem Jahr wieder aufgebaut.

An Renate Kullens Seite helfen Edith Krehl, Ruth Veil, Sabine Hermann, Annemarie Schilling, Rosemarie Rausenberger-Issler und Rita Scheu mit, die 14 Stationen des Oster- und Passionswegs im Kirchenraum nachzustellen. "Es war kein einfacher Weg, es war ein langer, beschwerlicher Weg", sagt Kullen. So führt der Leidensweg Jesu die Besucher auch nicht einfach um die Kirchenbänke herum, sondern hat seine Wendungen. Für die Orientierung werden im Foyer Wegkarten für die Besucher ausgelegt. Dort wird auch der Prophet Jesaja stehen, der den Tod Jesu voraussagte. Es wird auch immer eine der Frauen zugegen sein, wenn der Oster- und Passionsweg für die Besucher zugänglich ist.

Noch bis Freitagabend sind die Frauen mit dem Aufbau in der Christuskirche beschäftigt. Auf den vordersten Bänken sind bereits das Abendmahl, der Hohepriester und Pilatus aufgebaut. Das leere Grab ist am Taufbecken im Licht platziert, Golgatha steht links vom Altar im Dunkeln. Es sind mit jedem Hinschauen immer wieder neue Details in den Szenerien zu erkennen. Aus den vier Evangelien haben die Frauen erarbeitet, was sie für die jeweiligen Stationen brauchen, "damit leben in die Szenen kommt", sagt Renate Kullen. "Es sind die Feinheiten, die dazu beitragen, dass man sich reindenken kann." So sind die Teller zum Abendmahl nicht leer, sondern mit Brot gefüllt.

An jeder Station wird die zugehörige Bibelstelle zitiert und es gibt Impulse, die zum Nachdenken anregen sollen. "Es gab eine Besucherin, die überlegt hat, in welcher Szene sie sich wiederfinden würde und welche Figur sie wäre", erzählt Ruth Veil. Sie baut die Ostergeschichte auf, "weil ich Freude am Helfen und Gestalten habe, aber auch weil mir die Botschaft wichtig ist und diese weiterzugeben". Das treibt auch die anderen Frauen an, und, sagt Edith Krehl, "man kann die Figuren hier zum Leben bringen".

Öffnungszeiten

Aufgebaut ist der Passions- und Osterweg von Palmsonntag, 20. März, bis Ostermontag, 28. März. Die Öffnungszeiten sind an Sonn- und Feiertagen jeweils nach dem Gottesdienst von 11 bis 17 Uhr und an Werktagen von 14 bis 17 Uhr. Besichtigungen außerhalb dieser Öffnungszeiten sind nach vorheriger Absprache unter Telefon: (0151) 53 50 54 99 möglich.

Weitere Informationen gibt es unter www.ev-kirche-huelben.de

SWP

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