Das gemeinsame „Wir“ finden

Agieren statt reagieren, möchte Bürgermeister Florian Bauer. Ermöglichen soll das das neue Leitbild, das mit Hilfe einer Agentur entwickelt werden soll.

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Für das neue Leitbild sollen die Bürger mitentscheiden, wohin es mit der Gemeinde gehen soll.  Foto: 

Mit Nachdruck liest Bürgermeister Florian Bauer aus der Drucksache vor: „Die Gemeindeentwicklung anhand eines Leitbildes zu steuern, bringt einen tief greifenden Perspektiven- und Handlungswechsel mit sich.“ Hinter Bauer und seinem Gemeinderat liegt eine zähe Diskussion zum Leitbild, angefangen bei den Fragen wieviel Internet ein Leitbild vertrage, wie vorgefertigt dadurch der Prozessablauf und was eigentlich das „Gemeinsame St. Johann“ sei. Dabei hatte Bauer gehofft, in dem Thema weiter zu sein. Immerhin war klar: Das Leitbild wollen alle haben, letztlich stimmte die Mehrheit dem Beschlussvorschlag zu. Entscheidend war das wie. Vier Agenturen hatten sich dem Gremium nicht-öffentlich vorgestellt, zur Abstimmung stellte Bauer die Agentur „Plan Kooperativ“ aus Heidelberg.

„Zu internetlastig“, befanden Swen Schober (FWV) und Silke Armbruster (FWV) bestimmt. Sie befürchten, dass die Bevölkerung, die nicht mit dem Internet umgehen kann, ausgeschlossen werde und forderten mehr offline, also die Entscheidung für eine der anderen Agenturen. Timo Herrmann (UBL) sieht das anders: Es würden gerade mit dieser Agentur mehr St. Johanner erreicht, nämlich auch die, die nicht ins Dorfgemeinschaftshaus und zu Infoveranstaltungen kommen. „Wir brauchen keinen Entwicklungsplan oder ein neues Ortsbild, sondern ein Leitbild“, sagte Herrmann. Denn Bauer erinnerte seine Räte daran, dass zwei der Agenturen deutlich machten, kein Leitbild zu erstellen, ihre Stärken lägen in Konzepten der Ortsentwicklung. Und: Nur bei der vorgeschlagenen Agentur habe er das Gefühl, flexibel in der Ausrichtung des Leitbilds zu sein und kein vorgefertigtes Konzept zu erhalten. „Wir können der Agentur Vorgaben machen, den Prozessablauf überarbeiten und Schwerpunkte setzen“, machte Bauer noch einmal deutlich. Zudem habe er den Gemeinderäten bereits einen solchen Prozessablauf zukommen lassen, mit der Bitte um Rückmeldung, falls Änderungen gewünscht seien. Kritik sei bislang nicht an ihn herangetragen worden. „Es sind nur Vorschläge, die geändert werden können.“  

Ein übergestülptes Konzept wollte auch Claus Dollinger (OBL) nicht, dem die Agenturen teils zu aufgesetzt klangen. „Ob wir da wirklich das bekommen, was wir wollen, oder ob es sich mit dem gleicht, was andere bekommen“, gab er zu Bedenken. Etwas anderes erwarte er bei den Heidelbergern,  ein „persönlich gestricktes Konzept“. Sie seien die ersten gewesen, die auf die Fragen eingegangen seien und nach Wünschen und Problemen gefragt hätten. Eine passgenaue Lösung bräuchten die St. Johanner auch, schließlich seien sie „anders als andere Gemeinden“ mit den sechs Ortsteilen, sagt Bauer.

„Wir wollen das Leitbild, wir haben vage und unterschiedliche Vorstellungen, uns fehlt es am gemeinsamen Wir, wir müssen Sorge dafür tragen, dass die Agentur die Ideen aller umsetzt“, betonte Rolf Rist. „Ich habe das Gefühl, dass die Bevölkerung schon viel weiter ist für ein gemeinsames St. Johann, als hier der Gemeinderat“, sagt Timo Herrmann. „Es geht darum, dass wir die Mitbürger einbinden und sie das Leitbild entwickeln und nicht das Gremium, das Leitbild entsteht doch im Prozess mit den Bürgern“, sagen Rolf Rist (WfS) und Timo Herrmann. „Es geht darum, dass wir uns grundlegend Gedanken machen, wohin wir uns in St. Johann entwickeln, unabhängig von den Ortsteilen“, sagt Bauer, der nicht mehr nur reagieren möchte, sondern endlich auch agieren.

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