Das flüssige Gold der Alb

In der Falkensteiner Höhle haben mutige Männer einst nach Gold gegraben. Erfolglos. Ihre Nachfahren suchen die Schätze deshalb lieber oberirdisch: Streuobstwiesen sind hierfür ein gutes Revier.

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Auf seine Streuobstwiesen blickt Georg Lamparter mit Wohlgefallen. Ihrer Pflege widmet er sich schon seit Jahrzehnten mit Leidenschaft, weil der gelernte Baumwart den Wert dieses von den Vorvätern ererbten Schatzes zu würdigen weis. Ausdruck dieser Wertschätzung sind die Säfte und der Most, den er aus den Früchten der Obstwiesen gewinnt. Jüngstes Produkt aus seinem Hause ist ein Most aus Palmischbirnen, einer alten Sorte, die bestens mit dem Albklima zurecht kommt. Überdies liefert sie hohe Oechslegrade und zeigt sich dem Feuerbrand gegenüber ziemlich resistent.

Sechs Palmischbirnenbäume stehen noch auf Grabenstetter Markung, deren Früchte Lamparter vergangenen Herbst allesamt einsammeln durfte. Aus den Birnen entstand inzwischen Most, der den Namen „Falkensteiner Gold“ trägt. Das hängt nicht nur mit der goldgelben Farbe des Getränks zusammen, sondern auch mit dem heimatgeschichtlichen Wissen des Georg Lamparter. Die Falkensteiner Höhle geriet in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder in den Blick von Gold- und Edelmetallsuchern. Eine rechteckige Nische links oberhalb des Höhleneingangs zeugt heute noch von der Schatzjagd, wie es in einer Schrift der Grabenstetter Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst heißt. Von dieser Stelle aus trieben die Ahnen einen Suchstollen für den Kobaldabbau voran, weswegen der Ort nach wie vor als „Kobelloch“ bezeichnet wird. Aus geologischen Gründen ist es indessen unmöglich, in der Falkensteiner Höhle edle Metalle zu finden, wissen die Mitglieder der Arge.

Gold gibt es auf Grabenstetter Markung indessen sehr wohl zu entdecken, findet Georg Lamparter: „Es wächst auf unseren Bäumen und Feldern.“ Das gute Gedeihen von Getreide und Obstbäumen hängt mit der fruchtbaren Lavaerde auf der Grabenstetter Flur zusammen. Der Untergrund ist überdies wasserreich, das bezeugen zahlreiche Brunnen in der Ortsmitte, die auch in heißen Sommern nicht trocken fallen, sagt Lamparter.

Flur- und Straßennamen verweisen gleichfalls auf den nassen Schatz der Grabenstetter. Beispielsweise steht das Elternhaus von Georg Lamparter in der Nähe der Seestraße. Als diese noch keinen Kanal besaß, lief Jahr für Jahr während der Schneeschmelze der Lampartersche Keller voll. Was den Eltern sicherlich Missvergnügen bereitete, diente den Kindern zur Belustigung: Um dem Vater den Mostkrug zu füllen, drangen sie vermittels eines Waschzubers zum Fass vor. „Das Stocherkahnfahren war für uns Kinder eine Freude.“

Eine Bootsfahrt ganz anderer Art hatte ein gewisser Adolf Rommel aus Stuttgart im Sinn, als er sich am 3. August 1896 in einem Brief an Georg Lamparters Urgroßvater Johannes wandte. Der Herr aus der Hauptstadt begehrte eine Führung durch die Falkensteiner Höhle und wünschte sich Johannes Lamparter als Begleiter. Immerhin hatte dieser die Höhle schon mehrfach begangen. Ob Adolf Rommel seine Füße tatsächlich in die Höhle setzte, weiß Georg Lamparter nicht. Womöglich nahm der Stuttgarter von seinem Vorhaben Abstand, weil er gänzlich falsche Vorstellungen bezüglich seines Vorwärtskommens im Erdinneren hegte. Er ging in seinem Brief offenbar davon aus, mit einem Floß durch die Höhle fahren zu können, womöglich stand dem Herren das Vorbild Wimsen vor Augen. Doch wie dem auch sei, so mancher Höhlenbesucher wird sich nach seinem Blick in die Unterwelt zunächst einmal einen kräftigen Schluck Most genehmigt haben, um seine Rückkehr ans Tageslicht zu feiern. Und zukünftig dürfte den Gästen das schwäbische Nationalgetränk nach einem Abstecher zum Grabenstetter Wahrzeichen noch viel süffiger durch die Kehle rinnen, zumindest dann, wenn die Durstigen eine Flasche „Falkensteiner Gold“ zur Hand haben.

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