Boote in der Bunkerkirche

Die Themen Vertreibung und Flucht: Sie sind heute aktueller denn je. Der Hohensteiner Künstler Gert Koch hat dazu neue Arbeiten geschaffen - zu sehen sind sie in der koptischen Bunkerkirche Düsseldorf.

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Neue Arbeiten zu den Themen Flucht und Vertreibung: Der Hohensteiner Künstler Gert Koch in seinem Gomadinger Atelier.  Foto: 

Der Mensch und das Boot. Das sind zentrale Motive in Gert Kochs neueren Arbeiten. Das Boot - es steht für Flucht und Vertreibung, aber auch für Sklaverei und Menschenhandel. In einer tieferen Schicht berührt dieses Motiv - mit Bezug auf den Mythos des Todesflusses Styx - auch Themen wie Aufbruch, Heimkehr und Tod.

Gert Koch (Jahrgang 1956) lebt und arbeitet in Hohenstein auf der Schwäbischen Alb und auf einer Insel westlich von Afrika. 70 neueste Arbeiten zu Kochs derzeit zentralen Themen sind nun in der koptischen Bunkerkirche Düsseldorf zu sehen, einem alten Luftschutzbunker, der von der katholischen Gemeinde ausgebaut wurde und jetzt im Zuge der Flüchtlingshilfe als koptisch-orthodoxe Kirche genutzt wird.

Zur Eröffnung der Ausstellung dieser Tage kamen 600 Gäste, darunter der aus Ellwangen stammende SPD-OB Thomas Geisel, Kulturbürgermeister Friedrich G. Conzen, Abgeordnete und geistliche Würdenträger. Nach der Übergabe der weltweit einzigen Bunkerkirche durch den Kölner Erzbischof Kardinal Woelki an die koptische Gemeinde fand die Vernissage unterirdisch statt. Gert Kochs Ausstellung dort läuft noch bis 17. Januar.

Sie wurde von der "Initiative Friedensort Bunkerkirche" um Ulrike Bornewasser in die Wege geleitet und umfasst 18 Räume: Nach Kochs großer Werkschau in der Hirschwirtscheuer Künzelsau mit Arbeiten aus der Sammlung Würth ist dies nun seine bisher größte Ausstellung. Wie es zu dieser Düsseldorf-Connection kam, ist eine längere Geschichte. Er sei, erzählt Koch, auf den Kapverden von einem Mann angesprochen worden, der sich für seine künstlerischen Arbeiten zum Thema Flucht und Vertreibung interessierte. Der Mann entpuppte sich dann als Kulturdezernent aus dem Nordrhein-Westfälischen - so kam der Kontakt zustande. Auch in seinen aktuellen Arbeiten verwendet Koch als Chiffre für vertriebene Menschen eine dünne, zerbrechliche, zeichenhaft verknappte Silhouette. So entstehen Schiffsreliefs mit stummen, aufrecht stehenden, in die Ferne blickenden Schattenriss-Gestalten. Einzelne Boote tragen Brandspuren, manche wirken, als stünden sie in Flammen, andere sind auf gespenstische Weise leer. Es sind Boote mit metallenen Beschlägen und Export-Schildern dabei, auf manchen entsteht der Eindruck, als ob die Passagiere gleichsam ihr Gefängnis in die Fremde und in die ungewisse Zukunft mitnehmen. Gert Kochs Kunst zeigt Haltung, seine Arbeiten regen in immer neuen Variationen, Kombinationen und Erweiterungen eines knappen Motivbestands zum Nach-, Um- und Überdenken an. Dass Kochs Arbeiten über Flucht und Vertreibung in einem früheren Schutzgebäude zu sehen sind, das nun geflohenen koptischen Christen als Ort der Besinnung dient, lässt die Fragen, die seine Arbeiten aufwerfen, umso dringlicher wirken.

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