Bildungshaus steht auf der Kippe

Nachdem Pläne zur Einrichtung zweier U3-Gruppen in der Lonsinger Schule vorliegen, stehen hinter dem Projekt einige Fragezeichen. Genauer: 2,4 Millionen Fragezeichen. Deshalb gerät ein Neubau wieder ins Visier.

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Manch einer hielt das Vorhaben bereits für eine abgemachte Sache: 20 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren sollten in der Nachbarschaftsgrundschule (NGS) in Lonsingen entstehen. So jedenfalls der Wunsch des St. Johanner Rats, der sich damit gegen einen separaten Neubau und für den Umbau der bestehenden Schule zum Bildungshaus mit U3-Betreuung, Kindergarten und Grundschule entschied. Nach Bekanntwerden der Pläne hagelte es Proteste von Eltern und Schülern. Sie fürchten, mit den Räumen gehe auch das Schulprofil verloren. Was ihre Demo vor dem Würtinger Rathaus nicht schaffte, erledigen nun ein Jahr später die Sachzwänge: Das Projekt gerät ins Wanken.

Während einer Sondersitzung des Gemeinderates präsentierte Bürgermeister Eberhard Wolf die druckfrische Kostenberechnung des Münsinger Architekten Gerhard Keppler. Er veranschlagt in seiner aufgezeigten Feinplanung 2,4 Millionen Euro, die ein Einbau der Krippe samt Sanierung des Kindergartens, der Umkleiden und WC-Anlagen sowie die Einrichtung einer Mensa kosten würde: „Eine Kostensituation, mit der niemand gerechnet hat“, gestand Bürgermeister Wolf.

Als Preistreiber stellten sich vor allem Auflagen zum Brandschutz heraus. Wohl wissend, dass die Gemeinde jene 2,4 Millionen Euro nicht aus dem Stand realisieren kann, schlägt Keppler vier Bauabschnitte vor. Der erste (Einbau Kinderkrippe) wie der zweite (Sanierung Kindergarten) kämen zusammen auf knapp 1,73 Millionen Euro. Lediglich 1,22 Millionen Euro hat die Gemeinde jedoch im aktuellen Haushalt eingeplant. So gedeckelt stünde nur ein abgespecktes Sanierungsprogramm und ein weiterer Finanzierungsbedarf für 2015 im Raum. Wann die Bauabschnitte drei und vier (Sanierung der Sanitäranlagen und der Einbau der Mensa) folgen könnten, darüber schwieg man sich aus.

Anlass für Schulleiter Frank Saur das Wort zu ergreifen. Die Schulkonferenz habe den Umbauplänen zugestimmt und sei bereit Kompromisse einzugehen, hielt er fest. Doch habe man den Plänen als Gesamtpaket zugestimmt. Nun, da alle Zugeständnisse zu Gunsten der Schule auf die ungewiss terminierten Bauabschnitte drei und vier verlagert seien, habe sich die Entscheidungsgrundlage geändert. Seine Ahnung: „Die Hoffnungen fallen den Kosten zum Opfer.“

Im Rat waren es die Zahlen, die Stirnrunzeln verursachten. Fritz Gekeler etwa hinterfragte die Festlegung, bestehende Gebäude zu nutzen: „Welchen Vorteil haben wir denn vom Standort Lonsingen?“ Helmut Schepper hält die Realisierung des Projekts aktuell für „nicht machbar“.

Zweifel an der Sinnhaftigkeit wurden auch aus den mit rund 30 Zuhörern belegten Zuschauerreihen laut. Sie bekamen die Gelegenheit ihre Ansichten beizusteuern. Von „Flickschusterei“ war die Rede und von Kompromissen, die keinen im Lonsinger Bildungshaus zufrieden zurücklasse: „Wäre es da nicht sinnvoller, die 2,4 Millionen Euro anders anzulegen?“

Diesen Verdacht hat auch Helmut Schepper und formulierte daraus einen Antrag: Dieser sieht vor, die derzeitige Planung zwar zur Baureife zu bringen, parallel aber zu prüfen, inwieweit es gelingen kann, Flächen zu erwerben um (idealerweise aber nicht zwangsläufig in Lonsingen) ein Kinderhaus nach Westerheimer Vorbild und mit einem Kostendeckel von 1,22 Millionen Euro neu zu errichten. Wolf will an der aktuellen Lösung zwar nicht „auf Teufel komm raus“ festhalten, er gab aber zu bedenken, dass eine alternative Realisierung in diesem Jahr kaum zu bewerkstelligen sei und damit wohl auch zugesagte Fördermittel ausbleiben. „Schauen wir, dass wir das in Lonsingen hinbekommen“, verteidigte Claus Dollinger die Schullösung, sieht er darin doch eine Stärkung des Standorts – über St. Johann hinaus.

Gleichwohl, der Rat entschied sich dafür, das eine zu tun ohne das andere zu lassen. Sprich: Den Umbauplänen in Lonsingen werden die eines Neubaus auf der grünen Wiese folgen. Das immerhin ist eine abgemachte Sache.

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