Aussage gegen Aussage

Gab es eine sexuell geprägte Bedrängung oder nicht? Die Verhandlung vor dem Bad Uracher Amtsgericht endete mit einem Freispruch für die wegen falscher Verdächtigung angeklagte Frau.

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Was an jenem 31. Januar 2013 in der Riedericher Wohnung wirklich geschehen ist, blieb auch dem Gericht verborgen. Eine 55-jährige Frau war der falschen Verdächtigung angeklagt worden. Sie hatte den Vater ihres Vermieters beschuldigt, sie sexuell bedrängt zu haben. Als der 61-Jährige ihr die neuen Schlüssel für ihre Wohnung übergeben habe, so die Angeklagte, habe er sich seitlich an sie gepresst, ihr "komisch" in die Augen geblickt, schließlich auch ihre Hand genommen, mit der sie die Schlüsselübergabe bestätigen sollte. Dann sei er fluchtartig die Treppe herunter gelaufen und habe sich aus dem Haus entfernt. Im Verlauf der Verhandlung kam auch noch zur Sprache, dass der Mann sich an ihr gerieben haben soll, wobei sie dessen Penis gespürt habe. Sie sei selbst so perplex gewesen, habe "ein Ohnmachtsgefühl" gehabt und sei erst bei der Unterschrift wieder zu sich gekommen.

Eine Anzeige dazu wurde aber erst ein Jahr später erstattet. Es hätten sich "verschiedene Dinge angestaut", es habe sich im Haus zum Mobbing entwickelt. "Mir ging es schlecht", sagte die Frau, ihr Sohn habe ihr das angemerkt, sie sei ihm "wie ein Opfer" vorgekommen. So habe sie sich an den Weißen Ring gewendet, über den sie sich auch einer Therapie unterzogen habe. Schließlich habe sie dann auch die Polizei informiert.

Die Polizeibeamtin, die mit der Frau am 18. März dieses Jahres sprach, bestätigte, dass diese nur unter großer Mühe von dem Vorfall habe sprechen können, sich geschämt habe. Deren Angaben seien glaubhaft gewesen, auch das ganze Verhalten beim Erzählen habe diesen Eindruck bestätigt.

Der 61-Jährige widersprach energisch den Aussagen der Frau. Er habe die Schlüssel übergeben, sich ihr nicht genähert, sondern die Schlüssel ausprobiert, dann die unterschriebene Bestätigung mitgenommen und sei gegangen, da er es eilig gehabt habe. "Ich bin wütend und zornig", fügte er an. Was freilich auch verwundert: Die 55-Jährige beantwortete die E-Mail des von ihr Beschuldigten am nächsten Tag keineswegs anklagend, sondern mit guten Wünschen für ein "geruhsames Wochenende", geziert mit einem Smiley. Einzuordnen ist der verhandelte Vorfall allerdings in ein konfliktbehaftetes Mietverhältnis. Da ging es unter anderem um die Nebenkosten, um den von der Mieterin beanstandeten Parkplatz, was bereits im zivilrechtlichen Bereich behandelt wurde. Gericht und Staatsanwaltschaft hatten keine leichte Aufgabe, stand doch Aussage gegen Aussage. "Wir wissen es nicht", konstatierte der Vorsitzende Richter, Steve Schulze-Reinhold, zum Vorfall. Er folgte in seinem Urteil dem Plädoyer von Christian Raiser und sprach die Frau frei. Ein sicherer Nachweis, dass diese lüge, gebe es nicht. Er sah in einer schnellen Lösung des Mietverhältnisses die einzig richtige Reaktion.

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