Auch die Mutter geschlagen

Ein 33-jähriger, an Wahnvorstellungen leidender Wirtschaftswissenschaftler, ist jetzt vom Stuttgarter Landgericht wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu sechs Monaten Haft und Einweisung verurteilt worden.

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Die Maßnahmen sind zur Bewährung ausgesetzt worden. Der Mann hatte drei Jahre lang seine Nachbarn terrorisiert. In dem Verfahren vor der 7. Großen Strafkammer am Landgericht Stuttgart ging es in erster Linie um die psychische Krankheit des 33-Jährigen, der im Zustand dieser Krankheit Nachbarn beleidigt, mit dem Tode bedrohte und letztlich auch geschlagen hatte. Anlass des Verfahrens waren aber Vorfälle im Dezember letzten und Januar diesen Jahres. Er hatte ohne Grund plötzlich seine eigene Mutter angegriffen und zugeschlagen. Ebenso hatte er einen unmittelbaren Nachbarn geschlagen, der ihm eigentlich anscheinend nur helfen wollte, mit der Krankheit klarzukommen. Diesen Nachbarn schlug der Angeklagte mehrfach mit den Fäusten, wie das Opfer im Stuttgarter Zeugenstand berichtete. Und eine Nachbarin wurde von ihm sogar mit dem Tode bedroht, wobei der Beschuldigte der Frau genau beschrieben hatte, wie die Tötung vonstatten gehen werde.

Nachdem der 33-Jährige dann auch noch mit seinem Auto eine wenig befahrene Straße in einem Bempflinger Wohngebiet mit überhöhter Geschwindigkeit durchraste und dabei dann absichtlich auf die linke Spur überwechselte, wobei ein anderer Verkehrsteilnehmer ausweichen musste, griff die alarmierte Polizei ein. Seit diesen Vorfällen ist der 33-Jährige in der psychiatrischen Abteilung der Klinik in Nürtingen vorläufig untergebracht.

Doch dort muss er jetzt nicht bleiben, wie die Richter der siebten Kammer in Stuttgart nach siebenstündiger Hauptverhandlung entschieden. Er hatte zwar wegen seines psychischen Wahnleidens die Übergriffe gegen Mutter und Nachbarn mit erheblich verminderter Schuldfähigkeit begangen, was ihn davor bewahrte, mehrere Jahre ins Gefängnis zu kommen. Doch der Mann kann mit den entsprechenden Medikamenten behandelt und damit auch die Gefährlichkeit, die von ihm ausgeht, eingedämmt werden. Diese Behandlung für den 33-jährigen Bempflinger ordneten die Richter jetzt an und setzten dabei die Einweisung in die geschlossene Psychiatrie auf fünf Jahre zur Bewährung aus, verbunden mit einer fast nur symbolischen sechsmonatigen Haftstrafe, ebenfalls zur Bewährung. Er muss nach dem Gerichtsbeschluss in einer betreuten Wohneinheit bleiben und darf sein Elternhaus in Bempflingen nicht aufsuchen. Die Nachbarn, die von ihm jahrelang krankheitsbedingt verfolgt wurden, können aufatmen. Man habe schon daran gedacht, umzuziehen, sagte ein Zeuge, der von dem Angeklagten geschlagen wurde. Ebenfalls per Urteil auferlegt wurde dem 33-Jährigen die Fortsetzung der Behandlung im Nürtinger Krankenhaus und vor allem die pünktliche Einnahme aller verordneten Medikamente. Ohne die sei er nämlich für die Allgemeinheit gefährlich, wie es der Staatsanwalt formuliert. Er hatte in seinem Plädoyer wiederum eine Bewährung abgelehnt.

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