Attacken gegen die Mutter seines Sohnes

Sie waren ein Paar, haben einen fünfjährigen Sohn. Es gab immer mal wieder Streit, auch kurze Trennungen. Doch dann ging die Beziehung endgültig auseinander. Nun saß der 35-Jährige auf der Anklagebank.

|

Was Staatsanwältin Edith Zug an Sprachnachrichten und schriftlichen Mitteilungen per sozialem Netzwerk von ihm verlas, war schon allerhand. Er beschimpfte die 37-Jährige über Monate hinweg als Mist- und Dreckstück, Schlampe, ihren jetzigen Freund als Hurensohn, sprach davon die Frau zu töten, auch von ihrer Leiche war zu lesen. Ja er teilte ihr sogar mit, dass er die Drohungen ernst meine. So zeigte die Frau ihn wegen Beleidigung und Bedrohung an.

Der Angeklagte hatte einen Gerichtsbeschluss wegen des Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz erhalten, der ihm untersagte solch einen Kontakt aufzunehmen. Doch er hielt sich nicht daran, im Gegenteil, immer wieder attackierte er seine ehemalige Partnerin.

Die Drohungen könne er nicht leugnen, sagte der 35-Jährige, die Trennung und ihre neue Beziehung haben ihn rasend gemacht. Die Frau habe ihn schon belogen, als er noch mit ihr zusammen war. Er sei aber nicht davon ausgegangen, dass sie es ernst meine. Sofort konterte die Staatsanwältin: „Aber sie haben davon ausgehen müssen.“ Ob es in jüngster Zeit ruhiger geworden sei, wollte der Richter wissen. Das bestätigte der Angeklagte, doch als die Frau als Zeugin aussagte, konnte das Gericht die Nachrichten von ihrem Handy hören, die er ihr noch im Oktober übermittelt hat. Auch da wurden Beleidigungen geäußert.

Die Polizeibeamtin, die die Anzeige aufgenommen hatte, sprach von der Uneinsichtigkeit des Angeklagten. Er sei nicht auf dem Polizeirevier erschienen, auch nicht nach schriftlicher Aufforderung. Sie habe mehrmals die Streife zu ihm hinschicken müssen. Immer wieder versuchte der Vorsitzende Richter, Steve Schulze-Reinhold, den Angeklagten auf die Folgen seines Verhaltens hinzuweisen. „Sie haben sich nicht im Griff“, stellte er fest. Sein Sprachgebrauch sei dem Kind abträglich, er müsse an das Wohl seines Sohnes denken. „Sie können nur verlieren“, konstatierte er. Der Angeklagte hat jede Woche auch seinen Sohn einige Zeit bei sich. „Sie haben unheimlich Glück, dass sie die Mutter Ihres Kindes ist.“ „Das war Bedrohung“, leitete Staatsanwältin Edith Zug ihr Plädoyer ein. Positiv wertete sie das Geständnis des Angeklagten, seine regelmäßigen und pünktlichen Unterhaltszahlungen und seine bisherige Straffreiheit. Doch der lange Zeitraum, die schriftlichen und verbalen Beleidigungen, die Verstöße gegen das Gewaltschutzgesetz erforderten insgesamt eine Freiheitsstrafe. Sie plädierte auf acht Monate, aber auch sie wollte ihm bei einer Bewährungszeit von drei Jahren eine Chance geben. „Riskieren Sie nicht Ihren Sohn“, gab sie ihm mit auf den Weg.

Der Richter folgte diesem Antrag. Neben der drohenden Haftstrafe bei Nichtbewährung hat der Angeklagte 1500 Euro an den Reutlinger Kinderschutzbund zu zahlen. Auch er sah darin eine Chance für den Angeklagten, seinen Sohn nicht zu verlieren. „Vielleicht haben Sie wenigstens verstanden, was Sie alles aufs Spiel gesetzt haben“, gab Schulze-Reinhold dem 35-Jährigen zu bedenken.
Wieland Lehmann

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Erste Saisonniederlage für die TusSies

Beim Thüringer HC setzte es Mittwochabend für die Bundesliga-Handballerinnen der TuS Metzingen mit 30:33 die erste Saisonniederlage. Lange Gesichter gab’s auf der Heimfahrt vor allem angesichts der lückenhaften Deckung. Alles zum Spiel lesen Sie in unserer morgigen Abo-Ausgabe. weiter lesen