ANGEDACHT: Zuhause glauben

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Pfarrer Martin Weber, evangelische Kirche St. Johann- Gächingen

Den Glauben zu Hause leben" so heißt ein Programm, das gerade von der Familienarbeit auf dem Kispel angeboten wird. Wie gelingt Ihnen das?

Josua sagt (Jos 24,15): "Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen." Aber wie machen wir das? Wissenschaftliche Studien belegen, dass in vielen christlichen Familien die Kinder nicht zu einem persönlichen Glauben finden. Laut Aussagen der Kinder liegt dies oftmals an mangelnden Vorbildern. Viele Eltern leben einen Sonntagsglauben - im Alltag fehlen die Zeit, die Ideen und der Mut, Glaubensimpulse an Kinder weiterzugeben.

Beim Hausbau legen wir uns dermaßen ins Zeug und investieren Zeit, Kraft und Geld. Da sollte uns der Bau der Familie doch noch viel mehr wert sein. Begleiten Sie mich doch auf einer kleinen Hausführung und überlegen wir gemeinsam, wie Glaube zu Hause gelebt werden könnte:

Das Esszimmer - was machen wir dort? Essen! Und davor? Ist ein Tischgebet bei Ihnen Tradition? Wir freuen uns, dass unsere Kinder es lernen, Danke zu sagen für das, was uns geschenkt wird. Wenn es dabei Streit gibt, wer beten darf, habe ich einen Tipp für Sie: Ein Würfel hat Zahlen. Jedes Familienmitglied bekommt eine Zahl und darf beten, wenn er oder sie gewürfelt wird.

Das Wohnzimmer - Was machen wir dort? Wohnen und ein Großteil der gemeinsamen Familienzeit verbringen.

Ist es für Sie vorstellbar, dort mit ihren Kindern eine Familienandacht zu machen? Gemeinsam in der Bibel lesen und beten? Besonders der Advent ist bei uns geprägt von der Familienandacht. Kinder lernen so schnell Lieder auswendig. Den Adventskranz anzünden, ein bestimmtes Lied singen, eine Geschichte hören - fertig ist die Familienandacht. Machen Sie sich klar: Sie sind zu Hause der Pfarrer/die Pfarrerin. Sie sollen in den eigenen vier Wänden das Evangelium erzählen. Das Schlafzimmer - Was geschieht dort? Dort schlafen wir. Aber nicht nur allein, sondern auch miteinander. Was leben wir unseren Kindern im Bereich der Sexualität vor? Oder reden wir da zu Hause nicht drüber? 50 Prozent der Jungs im Alter von elf Jahren konsumieren wöchentlich Pornographie! Zitat eines Jungen: "Natürlich guck ich auch Pornos - das machen doch alle Jungs! Wenn ich mal eine Freundin habe, hör ich natürlich damit auf, denn das wäre ja wie Fremdgehen." Glauben Sie ernsthaft, dieser Junge kann dann mit Pornographie aufhören!? Wer mit seinen Kindern auch im Jugendalter im Gespräch sein möchte, braucht eine tragfähige Beziehung zu ihnen. Die wird früh gelegt. Und Fragen haben unsere Kinder. Wie denn nicht in unserer sexualisierten Gesellschaft.

Den größten Einfluss auf unsere Kinder haben die Eltern, so zeigen es Studien. Was wir machen, machen sie oft auch. Was wir vorleben, übernehmen ganz viele. Weil wir Eltern aber vieles falsch machen, ist ein Zimmer noch besonders wichtig: Das Bad - Was macht man dort? Sich waschen, reinigen. Wenn wir Eltern so ehrlich sind, unsere Kinder um Verzeihung zu bitten, ist eine gute Basis gelegt, auf der das Abschauen von Glaubensdingen und christlichen Werten gut gelingen kann. Haben wir die Größe, Fehler einzugestehen - vor uns und vor unseren Kindern?

Machen Sie eine ehrliche Bestandsaufnahme: In welchem Zimmer klappt es bei uns ganz gut, wo nicht? Dann fassen Sie den Entschluss: "Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen." Ganz egal, was andere sagen. Nehmen Sie sich eine Sache vor und die gehen Sie konsequent an.

Den Glauben zu Hause leben. Viel Freude dabei! Es ist das Beste, was wir unseren Familien und unserer Gesellschaft antun können.

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