Aktiv vor Ort die Zukunft gestalten

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Sie wollen Jugendliche ermuntern, Ideen für die Gestaltung ihres Lebensumfelds in der Gemeinde zu entwickeln (von links): Jugendhausleiterin Elin Müller, Bürgermeisterin Melanie Gollert, Bettina Schöllhorn vom Hauptamt und Heike Deigendesch.  Foto: 

Kinder und Jugendliche sollen in den Kommunen ihre Interessen vertreten können. Städte und Gemeinden müssen per Gesetz die Möglichkeit dafür schaffen. Nun sollen Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zehn und 25 Jahren auch in Neckartenzlingen die Möglichkeit bekommen, Ideen. Wünsche und Vorstellungen einzubringen, um ihre Lebenswelt in der Gemeinde, und ihrem direkten Umfeld,  zu verbessern.

Gemeinderat und Gemeindeverwaltung haben sich dazu entschlossen, für die Beteiligung der Jugend ein so genanntes Jugendforum auszurichten, zu dem alle Kinder und Jugendlichen im Alter von zehn bis 25 Jahren eingeladen sind. Sie sollen ihren Wohnort mitgestalten können, um sich hier wohlzufühlen. Das Jugendforum ist am Montag, 20. November, ab 17 Uhr in der Melchior-Festhalle. „Da wollen wir querbeet Themen sammeln“, sagt Bürgermeisterin Melanie Gollert, „die den Jugendlichen am Herzen liegen.“

Es solle freilich nicht um einmalige Ereignisse oder Veranstaltungen gehen, sondern um nachhaltige Projekte. Mit dabei sind Jugendhausleiterin Elin Müller und Heike Deigendesch. Sie ist nicht nur Leiterin des Jugendhauses Oberlenningen, sondern auch Kinder- und Jugendbeauftragte des Kreisjugendrings Esslingen für Lenningen, Owen und Erkenbrechtsweiler. Heike Deigen­desch ist sehr erfahren, was Jugendforen betrifft.

Nachdem beim Neckartenzlinger Jugendforum  Ideen, Wünsche und Vorschläge gesammelt wurden, sollen Arbeitsgruppen gebildet werden zu einzelnen Projekten. Anschließend sollen daraus Workshops entstehen, die laut Deigendesch die Jugendlichen aber selbst in die Hand nehmen sollen, um diese dann auch gegenüber dem Gemeinderat zu vertreten. Beim Jugendforum wird auch Bürgermeisterin Melanie Gollert dabei sein, an die die Jugendlichen direkt Fragen stellen können.

„Im Jugendhaus“, weiß Elin Müller zu berichten, „wird das Projekt Jugendforum bereits gut angenommen. Es schwirren auch schon einige Ideen durch den Raum.“ Freilich räumt die Jugendhausleiterin auch ein, dass man auf dem Boden bleiben müsse, denn mit den Jugendlichen gehe oftmals die Phantasie durch.  Das Jugendforum soll laut Heike Deigendesch auf jeden Fall eine niederschwellige Angelegenheit sein. Deshalb seien auch alle eingeladen, auch diejenigen, die bisher keine Ideen haben. „Vielleicht“, so Deigendesch, „entsteht ja tatsächlich beim Jugendforum eine entsprechende Atmosphäre, die ein Nährboden für gute Ideen sein kann.“ Zu den später zu bildenden Workshops sollen laut Deigendesch auch Experten eingeladen werden. „Aber“, sagt sie, „natürlich sind die Jugendlichen selbst die ersten Experten.“ Sollte aus einem Workshop heraus ein Projekt entstehen, sollen die weiteren Schritte des Vorgehens in der Öffentlichkeit absolut transparent gemacht werden.  Jugendhausleiterin Elin Müller ist überzeugt davon, dass es den Anstoß eines Jugendforums bedarf, denn viele Jugendliche hätten genügend Ideen, würden sich jedoch nicht trauen, damit aus der Deckung zu kommen.

Um das Jugendforum publik zu machen, haben die Verantwortlichen keine Mühen gescheut. Sie haben im Neckartenzlinger Schulzentrum die Schulsozialarbeiter kontaktiert, denn es sind auch Jugendliche eingeladen, die nicht in Neckartenzlingen wohnen, aber hier in in die Schule gehen. Außerdem wurden laut Bettina Schöllhorn, stellvertretende Hauptamtsleiterin, 1005 Jugendliche persönlich angeschrieben und zum Jugendforum eingeladen. Die Sache ist also ziemlich breit aufgestellt.

Zum 1. Dezember 2015 hat der Landtag in der Gemeindeordnung unter anderem den Paragrafen 41a geändert

Die Rechte von Kindern und Jugendlichen bei kommunalen Entscheidungsprozessen wurden deutlich gestärkt. Kinder sollen und Jugendliche müssen nun an Entscheidungen beteiligt werden, von denen sie betroffen sind.

Über die geeigneten Beteiligungsverfahren entscheiden die Kommunen jedoch selbst. Viele haben bereits ihre passgenauen Formate gefunden, andere stehen noch am Anfang.

Die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen spiegelt sich in der Vielfalt der Definitionen, der Themenfelder und der Beteiligungsformen wider. Beteiligung hat in den vergangenen 20 Jahren denn auch zunehmend an Bedeutung gewonnen. Dabei ist Beteiligung heute kein „Luxus“ mehr, den man sich leistet oder nicht, sondern eine gesetzlich verankerte Aufgabe.

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