„Wieder etwas dazu gelernt“

Die Winterzeit nutzen die Römersteiner Landfrauen für Unterhaltung, aber nicht nur: Bei einem Kurs frischten sie ihr Wissen rund um die Erste Hilfe auf. Die Lücken sind zum Teil unerwartet groß.

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Als Jana Class vom Römersteiner Deutschen Roten Kreuz nach den fünf W’s fragt, die bei einem Notruf unbedingt genannt werden müssen, herrscht unter den 17 Landfrauen zwar nicht komplette Ratlosigkeit – doch es tun sich Wissenslücken auf: Klar, sei das „Wo“ extrem wichtig und Jana Class verdeutlicht es mit anschaulichen Beispielen aus ihrer Praxis als Rettungssanitäterin. Doch auf das laut der Referentin allerwichtigste W kam die Runde nicht: Warten. Zum einen auf Rückfragen, falls die Leitstelle nochmals anruft. Und auf den Rettungsdienst selbst, um ihn beispielsweise auf den Ort des Geschehens hinzuweisen – das kann gerade bei Unfällen in freier Natur ohne genaue Ortsangabe sehr wichtig sein.

Erkenntnisse, die eigentlich klar sein sollten. Doch schon in den ersten Minuten des Kurses wird den Landfrauen eines deutlich: Es tut gut, das Grundwissen aufzufrischen – in Theorie und Praxis. Denn selbst die unter Umständen lebensrettenden Notrufnummern sind unter den Kursteilnehmerinnen auf Anhieb nicht komplett präsent: „Die 8888 gibt’s schon lange nicht mehr“, erklärt Jana Class zum Erstaunen mancher Frauen. „Die ist abgeschaltet, existiert in den Köpfen aber weiter.“

Bei der 19222 handelt es sich um keine Notrufnummer, über sie werden zum Beispiel Krankenfahrten bestellt. Es bleiben die 110 – die gehört zur Polizei, die im Landkreis Reutlingen anders als im Esslinger indes mit der Leitstelle vernetzt ist – und die 112. Unter dieser Nummer sind im Kreis Feuerwehr und Rettungsdienst zusammengefasst – am Ende der Leitung sitzt immer ein kompetenter Mitarbeiter.

Jana Class weiß, wovon sie spricht: Sie arbeitet im Rettungsdienst, bildet sich ständig weiter und ist in ihrer Freizeit im DRK Römerstein aktiv – wobei sich dessen Aufgabe längst nicht nur auf die Organisation von Blutspendeterminen beschränkt: „Im Schnitt haben wir in Römerstein 60 Einsätze als Helfer vor Ort.“ Die werden zeitgleich mit dem Rettungsdienst alarmiert, sind dadurch in der Regel etwa acht Minuten schneller am Einsatzort – Minuten, die unter anderem bei einem Schlaganfall von großer Bedeutung sein können: „Hier ist Zeit der wichtigste Faktor“, so Jana Class. Innerhalb einer sechsstündigen Frist können Fachleute einen Schlaganfall entsprechend behandeln.

Die meisten Notfälle geschehen im häuslichen Umfeld und nicht bei Verkehrsunfällen oder anderen Katastrophen. Deshalb sei ein Wissen rund um die Erste Hilfe so wichtig und sollte regelmäßig aufgefrischt werden: „Theoretisch weiß man’s, praktisch aber nicht“, machte die Fachfrau deutlich.

Auch ändere sich in praktischen Ausführungen vielfach etwas – die stabile Seitenlage kann heutzutage ohne größere Anstrengungen ausgeführt werden: „Das ist ja ganz einfach“, erkennt eine Landfrau. „Ich kenne es vom Erste-Hilfe-Kurs zum Führerschein ganz anders.“ Und der liege, wie sie zugibt, schon viele Jahre zurück.

Locker, manchmal sehr lustig und doch dem Ernst der Sache angemessen, frischt Jana Class das Wissen ihrer Zuhörerinnen auf und gibt neue Erkenntnisse weiter – über die Symptome des Schlaganfalls und des Herzinfarkts, sie berichtet über die Bedeutung der Indikationen wenn Betten in den Spezialabteilungen der Krankenhäuser belegt werden müssen und unterstreicht die Bedeutung von beleuchteten Hausnummern: „Bei der Suche kann sehr viel Zeit vergehen, die wichtig ist“, berichtet sie aus ihrem Berufsalltag. Den Alltag verbringen die Landfrauen meistens im häuslichen Umfeld oder auf dem Hof, im Notfall muss gehandelt und unter Umständen auch reanimiert werden: „Bitte keine Angst davor haben“, macht sie nachhaltig die Bedeutung von Erster Hilfe deutlich. Man könne dabei nie etwas falsch machen mit einer Einschränkung: „Geben sie keine Medikamente.“ Das sei Aufgabe der angeforderten Fachleute, eine vermeintlich einfache Schmerztablette könne extreme Folgen haben. „Wieder etwas dazu gelernt“, kommentiert eine Landfrau und ist wie all die anderen froh, in diesem Bereich das Wissen aufgefrischt zu haben.

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