„Ein kommunales Anliegen“

|
 Foto: 

Noch hat die neue Gesellschaft aus formalen Gründen einen etwas sperrigen Namen, nämlich „Versorgungsbetriebe Dettingen an der Erms GmbH & Co KG“, aber im Laufe des nächsten Jahres wird sie als „Ermstal-Energie“ firmieren. Aber auf jeden Fall hat die Gemeinde Dettingen zum 1. Januar „nach jahrelangem, bisweilen hartem Ringen“ (Bürgermeister Hillert) eine Gesellschaft, die für die gesamte kommunale Energieversorgung zuständig sein soll. Dazu zählen neben der Gas- und Wasserversorgung auch Strom, wobei bei letzterem mittelfristig im Bereich der erneuerbaren Energien auch neue Wege beschritten werden sollen.

Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, dass die neue Gesellschaft ab sofort tätig sein kann. In der Gesellschaft finden sich die Gemeindewerke Dettingen, die – wie bisher – für die Sparte Gas zuständig ist und weiterhin sowohl als Gasnetzbetreiber als auch als Gaslieferant tätig sein wird. Weiterhin zählt die Betriebsführung des Wassernetzes dazu, deren Eigentümerin aus steuerlichen Gründen die Gemeinde bleibt. Insgesamt gehört Dettingen ein Anteil von 67,4 Prozent an der Gesellschaft, die EnBW ist mit dem Rest beteiligt. Mit diesem Anteil bringt der Stromkonzern seine Nieder- und Mittelspannungs-Stromnetze ein, die sie für den Betrieb zurück pachten wird. Die Gesellschaft hat einen siebenköpfigen Aufsichtsrat (Vorsitzender: Michael Hillert), von denen vier Plätze von der Gemeinde besetzt sind.

„Die Energiewelt hat sich geändert“, sagte Hillert. Deshalb musste auch Dettingen, wie viele andere Städte und Gemeinden, neue Wege in der Energieversorgung gehen. „Eine Motivation ist die Wirtschaftlichkeit, mit der Gesellschaft haben wir nun die Gestaltungskraft und die Einflussnahme vor Ort, um die Energiewende zu stemmen.“

Norbert Schmid heißt der Erste Geschäftsführer, der von der EnBW kommt, zweiter Geschäftsführer ist Klaus Brodbeck, Ortsbauleiter und technischer Leiter der Gemeindewerke, Prokurist ist Karl Reusch, Kämmerer und kaufmännischer Leiter der Gemeindewerke. Auch diese Führungsriege wurde bereits vom Gemeinderat bestätigt.

„Mit der Ermstal-Energie wollen wir eine hohe Kundenorientierung erreichen, und ökologisch und kommunal-regional Verantwortung übernehmen – das, denken wir, wird auch über den neuen Namen gut abgebildet“, so Norbert Schmid bei der Vorstellung der neuen Gesellschaft gestern im Rathaus. Er wird – wie die Kollegen aus der Führungsriege – der Gesellschaft von seinem Arbeitgeber zur Verfügung gestellt, um die Ermstal-Energie zu entwickeln, steht als „formal nicht in Lohn und Brot der jeweiligen Gesellschafter“. Auch Schmid sieht die Energiewende in erster Linie als ein kommunales Anliegen, auch wenn der Rahmen dazu von Bund oder Land vorgegeben ist.

Der 49jährige Norbert Schmid wohnt seit sieben Jahren mit seiner Ehefrau und den beiden Töchtern in der Ermstalgemeinde, war bei EnBW seither unter anderem zuständig für Stadtwerke und Marktanalyse. Innerhalb des Konzerns hatte er sich auch an Projekten und Programmen zum kommunalen Klimaschutz beteiligt und hat deshalb den Spitznamen „CO2-Schmied“.

Nachdem die EnBW das Stromnetz in die neue Gesellschaft eingebracht hat, kann die Ermstal-Energie eine maximale Versorgungssicherheit bieten, man wird mittelfristig auch in den Stromvertrieb, mit ausschließlich Ökostrom, einsteigen. Im Klartext heißt das, dass aus „Ideen Konzeptionen werden sollen“ (Norbert Schmid), was die regenerativen Energien angeht. Oder, um es mit Klaus Brodbeck zu sagen: „Wir können Neues auf den Weg bringen, und an Dinge gehen, die noch nicht angedacht waren.“ So wurden beispielsweise am Mittwoch eine Drohne eingesetzt, die mit einer Wärmebildkamera ausgestattet war und Energieverluste festgehalten hat. Ansonsten ist für Brodbeck als Techniker wichtig, dass die Versorgung gesichert und die Leitungen in einem sicheren und zeitgemäßen Zustand sind.

Für Karl Reusch bietet die kommunale Energieversorgung vor allem auch die Möglichkeit finanzieller Gewinne, nachdem die Spielräume in den bisherigen Geschäftsfeldern immer enger wurden.

Der Vertrag wurde im Übrigen in der Schweiz notariell unterzeichnet, weil, so Bürgermeister Michael Hillert, „wir dabei immerhin einen fünfstelligen Betrag gespart haben.“ Auch schließt das Gemeindeoberhaupt nicht aus, dass auf der Ermstalschiene künftig Gespräche im Bereich Energie stattfinden, denn „solche Gesellschaften können gut aneinander andocken.“

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Der Besen ist aufgerichtet: Jetzt wird gefeiert

Das 41. Sieben-Keltern-Fest ist eröffnet. Die Fahner wurden in diesem Jahr an Johannes Fischer und Jochen Rath überreicht. weiter lesen