"Der Besuch der alten Dame" - Bis 17. August im Naturtheater Grötzingen

Eine tragische Komödie im Naturtheater? Kann das gut gehen? Ja, es kann. Auf dem Galgenberg in Grötzingen gabs jetzt den Klassiker "Der Besuch der alten Dame". Das Premierenpublikum war begeistert.

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"Der Besuch der alten Dame" feierte Premiere am Naturtheater Grötzingen. Dürrenmatts Klassiker läuft dort bis 17. August. Foto: Joachim Lenk

Mit Mitteln der Komödie und Anleihen bei der antiken griechischen Tragödie hat Friedrich Dürrenmatt mit "Der Besuch der alten Dame" eine komödiantische Tragödie fürs Hier und Jetzt geschrieben. Dass diese Tragikomödie, 1956 in der Schweiz uraufgeführt, heute noch genauso gut funktioniert, zeigt nun eindrucksvoll das Naturtheater Grötzingen.

Petrus hat wohl von oben den Proben heimlich zugeschaut, die dieses Mal durchweg unter kalten und feuchten Bedingungen stattfanden. Am Samstag, dem Premierenabend, bescherte er einen herrlichen Sonnenuntergang und Temperaturen über 20 Grad.

Ihm wird es so gegangen sein wie den Zuschauern. Die waren durchweg begeistert von dem, was die 26-köpfige Spielschar auf der Freilichtbühne zum Besten gab. Vorneweg Johanna Birkle, die die alte Dame mimt. Sensationell, wie sie diese Rolle meistert, die sie bereits vor sieben Jahren im Theater unter der Kuppeln in Leinfelden-Echterdingen gespielt hat. Dort war sie aber eine andere alte Dame, wie sie sagt. "In Grötzingen ist alles leichter und witziger inszeniert."

Zu verdanken ist das der Regisseurin Helga Kröplin, die bereits 2010 mit "Der kleine Muck" ihr erfolgreiches Debüt auf dem Galgenberg gegeben hat. In Tübingen hat sie das "Generationentheater Zeitsprung" aufgebaut. In der modernen Dürrenmatt-Inszenierung in Grötzingen ist ihre Handschrift deutlich zu spüren. Jung und Alt harmonieren auf der Bühne. Für die Aufführung hat Helga Kröplin komische, fast groteske, jedoch stimmige Momente geschaffen, die die innerlichen und äußerlichen Veränderungen der Menschen in dem fiktiven Ort Güllen auf äußerst unterhaltsame, aber auch nachdenkliche Weise aufzeigt.

Es wird viel mit Geräuschen und Musik gespielt. Schnaufende Dampflokomotiven sind zu hören, Westernmusik, wenn die Sänfte mit der alten Dame von Koby (Melanie Walz) und Loby (Kerstin Schürmann) hereingebracht wird. Und ein passender Ding-Dong, der ertönt, wenn die imaginäre Türe zu Herrn Jlls Geschäft geöffnet wird.

Apropos Herr Jll, der, wenn es nach der alten Dame Claire Zachanassian geht, das Zeitliche segnen soll. Er wird verkörpert von Reinhold Oppermann. Eine Paraderolle, in die das Urgestein des Naturtheaters in dieser Saison schlüpft. Einfach brillant, wie er den ehemaligen Liebhaber von Claire spielt, um den es Verrat, Lügen, Enttäuschungen, Korruption und Käuflichkeit gibt.

Dass man auch ohne Worte, mit viel Mimik und Gestik, nur mit einem schwarzen Catsuit bekleidet und das Gesicht als Panther geschminkt, große Aufmerksamkeit erzeugen kann, zeigt eindrucksvoll Karin Münzinger. Sie spielt das extravagante Haustier der alten Dame. So graziös und geschmeidig, dass man zeitweise glaubt, einen echten Panther auf der Bühne zu sehen.

Trotz aller Dramatik in diesem "schweren Stück" kommt die Komik nicht zu kurz. Da reden die Leute zeitweise schwäbisch, sächsisch, wienerisch und bayerisch. Und da ist der Lehrer (Thilo Metzger), der dem Polizisten vor Freude ein Glas Wein ins Gesicht kippt und wenig später total tapsig mit dem Mikrofon des Reporters umgeht.

"Ich mag keinen Klamauk, ich liebe aber den Humor", sagt Regisseurin Kröplin. Das ist ihr in ihrer gekürzten und jugendfreien, besser gesagt, jugendgeeigneten Inszenierung bestens gelungen.

Spielzeit des Hauptstücks bis 17. August - Karten
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