„Das ist kein Märchen“

Ein tiefgründiger Cacau stellte sich am Freitagabend rund 300 Gästen in St. Johann. Es ging um Gott, um die Welt und natürlich um Fußball.

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Fußballstar Cacau war zu Gast beim St. Johanner Männervesper. Dort sprach er über seinen Glauben und was dieser für ihn im Alltag bedeutet. Foto: Simon Wagner  Foto: 

Die Arme in den Himmel gereckt, den Blick immer nach oben gerichtet: Wann immer Claudemir Jeronimo Barreto im Trikot des VfB Stuttgart oder der Nationalmannschaft ein Tor schoss, adressierte er seinen Dank postwendend an Gott. Der Torjubel, zugleich Ausdruck von Verbundenheit und Statement, wurde zum Markenzeichen des bekennenden Christen. Vor knapp drei Wochen hat Cacau die Profi-Kickstiefel endgültig an den Nagel gehängt. Geblieben ist seine Botschaft.

 Mit ihr im Gepäck war er am Freitagabend beim 14. St. Johanner Männervesper und bescherte den Organisatoren einen Besucherrekord. Rund 300 Gäste erlebten in der Würtinger Gemeindehalle einen Mann, der durch sein ebenso bescheidenes, wie nahbares Auftreten die Sympathien schnell auf seiner Seite hatte. Mit persönlichen Anekdoten sorgte der 35-Jährige für Lacher, aber auch für nachdenkliche Momente.

 Wenig Anlass für Heiterkeit bot etwa der Rückblick auf seine Kindheit in Brasilien. Als einer von drei Söhnen wuchs Cacau in ärmlichen Verhältnissen auf. Die Familie ausgegrenzt, der Vater Alkoholiker und gegenüber Cacaus Mutter bisweilen aggressiv, war das Fußballspiel in den Gassen (und zum Missfallen seiner Mutter, auch im Wohnzimmer) eine der wenigen Möglichkeiten Spaß zu haben, erzählte er, befragt von seinem Manager Dietmar Ness. Aus der Ablenkung vom leidvollen Alltag erwuchs der Traum, Profi-Fußballer zu werden und die Hoffnung auf ein besseres Leben.

 Ein Traum, der erstmals greifbar wurde, als Cacau mit 13 Jahren Teil der Jugendmannschaft von Sociedade Esportiva Palmeiras wurde (Stellenwert: „Wie der VfB vor zwei Jahren“). Doch nach drei Jahren sortierte ihn der Club aus São Paulo wieder aus. Ein Schlag, von dem sich Cacau nur zögernd erholte, wie er erzählte, rückte das Ziel, seine Familie zu unterstützen, doch wieder in weite Ferne. Just in jener Zeit geschah aber noch etwas. Über seinen Bruder habe er den Zugang zu Gott gefunden und die bedingungslose Liebe erfahren, wie Cacau schildert. Den folgenden Entschluss, künftig mit Jesus zu leben, bezeichnet er „als die wichtigste Entscheidung in meinem Leben“.

 In seinem Glauben an Gott und dadurch in sich selbst bestärkt, bestieg er schließlich den Flieger nach München. Dort, beim Fünftligisten Türk Gücü München, schnürte er ab 2000 die Kickstiefel, rackerte auf dem Trainingsplatz und musste auch sonst viel lernen. Auf einem schneebedeckten Spielfeld zu kicken, wäre ihm zuvor jedenfalls nicht in den Sinn gekommen. Bis heute hat sich der bekennende Schwabe nicht wirklich an den deutschen Winter gewöhnt. Aber, er biss sich durch. „Weil ich das unbedingt packen wollte.“ Einen Plan B? Gab es nicht – brauchte es auch nicht: Über Nürnberg landete er schließlich beim VfB, er wurde 2007 Deutscher Meister, spielte Champions League und feierte 2009, inzwischen ausgestattet mit dem deutschen Pass, das Debüt in der Nationalmannschaft. 2010, bei der WM in Südafrika, belegte er mit ihr den dritten Platz.

 Cacau hat sich seinen Traum erfüllt. Er hat Erfolg, Ruhm und Geld angehäuft. Aber was davon  überdauert? „Das Vertrauen zu Gott.“ Es ist die zentrale Botschaft, die Cacau im Laufe des Abends mehrfach wiederholt. Gott ist für ihn die Kraftquelle, die ihn darin bestärkt habe, nie aufzugeben. „Das ist kein Märchen, sondern persönlich zu erleben“, sagt er, nun beinahe in der Manier eines Predigers.

So offensiv er mit seinem Glauben umgeht, so sehr liegt ihm daran, ihn – etwa durch die „Cacau Kinderstiftung“ – mit Leben zu füllen und von dem zurückzugeben, was ihm widerfahren sei. Dabei ist die Stiftung nur ein Teil seines Lebens nach dem Fußball („Ja, gibt es tatsächlich“). Im anderen ist er frischgebackener Student. Ein Jahr lang wird er sich nun im Fernstudium dem Fach Sportmanagement widmen.

 Bereits 2014 legte Cacau seine Biografie vor. Wie in seinem Leben als Profifußballer, hebt er sich auch hier von der Masse ab, hat er doch tatsächlich etwas zu sagen. Das Buch trägt den Titel: „Immer den Blick nach oben.“

Ein Traum wurde für den 13 Jahre alten Cacau wahr, als er Teil der Jugendmannschaft von Sociedade Esportiva Palmeiras wurde. Der Club hat seinen Sitz in São Paulo.

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