Wie ein Baum im Wind

Münsingen.  Trotz früher Stunde spielen sie ausgeruhten Jazz: Diesen Eindruck machten die vier Solisten des jungen Dominik-Wagner-Quartetts beim 13. Matinee-Konzert in der voll besetzten Münsinger Kreissparkasse.

Der 60-minütige Auftritt beginnt mit einem kurzen Trompetensolo - und einem Aufruf zur guten Laune. Der aus dem badischen Laufenburg stammende Dominik Wagner hat sein Auftaktstück "1, 2, 3 - gute Laune" genannt, durchaus ein passendes Motto für einen entspannten Sonntagmorgen.

Es ist sein warmer, fester Ton, der sofort ins Ohr geht, es ist die elegante, flüssige Phrasierung, das Innehalten, das den Spielfluss strukturiert. Bandleader Dominik Wagner ist zwar erst 23 Jahre alt, aber mit seinem gefühlvollen Trompeten- und Flügelhornspiel wirkt er zuweilen schon wie ein alter Hase.

Die vier Solisten fanden sich vor etwa anderthalb Jahren zu kollektivem Spiel zusammen. Auch die Bandmitglieder Henry Kasper (Piano), Steffen Kistner (E- und Kontrabass) und Felix Schrack (Schlagzeug) bevorzugen einen melodiösen Jazz, der sich aus vielerlei Quellen speist. Schnellere Stücke und Balladen im swingenden Umfeld finden sich ebenso darunter wie Bebop- und Cool-Jazz-Motive.

Als Juwel dieser Besetzung erweist sich eindeutig der Bandleader selbst. Das liegt weniger an seinen ausladenden Soli - die gibt es auch vom Pianisten Henry Kasper zu hören. Doch das zu Beginn noch etwas holprig wirkende Zusammenspiel klingt durch Wagners fantasievolle Trompeten-Einlagen bald sicherer und komplexer. Basierend auf der Tradition des modernen Jazz, ist zwischen den Themen wiederholt spannendes Experimentieren angesagt. Ausgewogene Solobeiträge vermischen sich mit balladesken Klangbildern, wobei die Ausflüge in den freien Raum stets von einem pulsierenden und swingenden Rhythmus aufgefangen werden.

Zu jedem der Eigenkompositionen erzählt Wagner eine kleine Geschichte, seien es nun Erlebnisse aus seiner Jugend ("Wie ein Baum im Wind"), eine augenzwinkernde Hommage an sein erstes Auto ("Mathildas Last Waltz") oder eine Geschichte über das blutrünstige Treiben, das sich bei spanischen Stierkämpfen abspielt ("A Bulls Nightmare"). Die Arbeitsteilung zwischen Trompeter und Rhythmusgruppe ist klar, die Struktur der Stücke meist konventionell. Neu erfunden hat das Dominik-Wagner-Quartett den Jazz nicht, es lässt sich einem im Hardbop gründenden Traditionalismus zuordnen. Das entspricht gewiss auch mehr dem Geschmack des Publikums, das sich den Vormittag weniger durch experimentellen, als vielmehr mit melodischem Jazz versüßen will.

Traditionsbezogen ist die Musik von Dominik Wagner und seinem Quartett, in abgenutzt wirkenden Schemata indes verliert sie sich keineswegs. Am Ende gibt es noch ein Gute-Nacht-Lied als Zugabe, zwar weniger passend zur Tageszeit, aber durchaus zur entspannten Atmosphäre im lichtdurchfluteten Foyer der Kreissparkasse.


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Autor: JÜRGEN SPIESS | 09.02.2010

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