Vom Ringen um Demokratie

Frickenhausen.  Die Landtagswahl wirft ihre Schatten voraus - und die CDU zog ein Polit-Ass im Ringen um die Wählergunst. Gut 2000 Interessierte erlebten einen gut aufgelegten Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg.

Afghanistan, ein Zwischenstopp in Berlin und dann Frickenhausen - so sah das Reiseprogramm von Karl-Theodor zu Guttenberg während der vergangenen Tage aus.

Der Auftritt des Verteidigungsministers am Dienstagabend vor der Festhalle auf dem Berg zeigte jedoch, welche Star-Qualitäten Guttenberg im Lauf seiner bisherigen Politikkarriere entwickelt hat. Wollten doch an die 2000 Interessierten nicht nur aus erster Hand vom Berliner Politikgeschehen erfahren, sondern den Bundesminister gleich noch im Bild und damit für die heimischen Fotoalben festhalten.

Vorschusslorbeeren regnete es nach der 20-minütigen Verspätung zunächst aber vom Bundestagsabgeordneten Michael Hennrich, dem Landtagskandidaten Thaddäus Kunzmann sowie von Frickenhausens Bürgermeister Simon Blessing. Ihr Tenor: Der Minister sei einer, der kein heißes Eisen scheue.

Während es zu Guttenberg da allerdings verstand, die ohnehin schon vorhandenen Sympathien für sich zu nutzen, erklärte er bestens aufgelegt Berlin zum " kümmerlichen Vorort von Frickenhausen" und bekannte, dass ihm die Gemeinde am Fuß der Alb lieber sei, als der Sand in Afghanistan, um anschließend ohne Umschweife auf die Probleme seines Ressorts einzugehen. Denn: "Ich freue mich, dass viele begonnen haben, die Debatte mitzuführen, wie die Bundeswehr aufgestellt sein soll."

Wobei solche Themen nicht nur an einem Wahlkampf oder Wahltag auszurichten seien. Während ihn sein jüngster Besuch in Afghanistan emotional berührt habe und er sich ein Bild von der Realität gemacht habe, erklärte er weiter die Situation der Bundeswehrsoldaten am Hindukusch. Die haben, so Guttenberg, zwar Verständnis für die Diskussion über den Einsatz an sich, aber "kein Verständnis für politische und taktische Spiele". Vielmehr hätten sie schlicht Anerkennung verdient. Dabei seien, so der Verteidigungsminister weiter, in den vergangenen Jahren Fehler bei der Begründung des Einsatzes gemacht worden. Schließlich seien Menschen nicht nur dorthin geschickt worden, "um Brunnen zu buddeln", was mit der Realität nichts zu tun habe.

Vielmehr sei eine komplizierte Ausgangslage vorzufinden. Denn eine Demokratie nach hiesigem Vorbild könne in Afghanistan nicht aufgebaut werden. "Eine bittere und keine schöne Aussage."

Frauen- oder Menschenrechte seien zudem nicht die einzigen Gründe für den Einsatz. "Aus dieser Region darf es keine Gefährdung der internationalen Gemeinschaft geben." Das sei der maßgebliche Punkt. Denn würde Afghanistan implodieren, wäre als nächstes Pakistan als Atommacht an der Reihe. Weshalb es letztlich auch mit Blick auf den benachbarten Iran darum gehe, ein Mindestmaß an Sicherheit zu schaffen.

Während sich die Sicherheitslage nach dem Motto "das Berechenbarste ist die Unberechenbarkeit" geändert habe, gab sich zu Guttenberg zudem bezüglich der ersten Monate der Regierungskoalition selbstkritisch. Nachdem nun aber Harmonie eingekehrt sei, "gibt es viele Baustellen, an die wir herangehen müssen und werden", weshalb er einen munteren Herbst erwarte. Müsse doch unter anderem diskutiert werden, wie beispielsweise die Bundeswehr aufzustellen sei.

Denn: "Es muss sich etwas ändern." Schließlich seien 7000 Soldaten im Auslandseinsatz schon über Kante genäht. Zu Guttenberg sieht deshalb eine Gestaltungsaufgabe für die Zukunft der Bundeswehr und keinen Mängelverwaltungsauftrag. Wobei er von einer Verkleinerung auf 165 000 als untere und mindestens 80 000 Soldaten als obere Grenze ausgeht.

Das Thema Wehrpflicht hätte zudem schon vor Jahren diskutiert werden müssen. Allerdings gehe es nun darum, wie aus der erkannten Not eine Tugend gemacht werden könne.

Denn, so der Minister, es habe noch keinem jungen Menschen geschadet, seinem Land einen Dienst zu tun. Schließlich müsse man sich für seine Heimat nicht entschuldigen.

Weshalb auch, so zu Guttenberg, die durch Thilo Sarrazin angeregte Diskussion "gar nicht so schlecht" tue. Auch wenn er von dessen Ansichten viele nicht teile. Trotzdem könne die Debatte etwas Gewinnendes haben, schloss er.


zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

Sie können noch Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Bitte anmelden, um Ihren Kommentar abzuschicken
Für noch nicht registrierte Nutzer
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.








Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:


Autor: JAN ZAWADIL | 02.09.2010

Google 1+

Türsteherpoltik in Crailsheim in der Kritik

Daheim Geburtstag zu feiern ist ganz schön, aber zum Schluss mit der ganzen Clique noch in die Diskothek zu gehen, hat auch was. Also machte das kürzlich auch die ältere Tochter des Crailsheimer Bürgermeisters Herbert Holl so.... mehr

Neu-Ulmer Bordell-Chefin wehrt sich gegen Vorwürfe

Neu-Ulm Der in einem Neu-Ulmer Bordell aufgefundene Tote wird nicht obduziert. Die Polizei ist sicher: Der 36-Jährige starb durch einen autoerotischen Unfall. Derweil hat sich die Bordellchefin zu Wort gemeldet.... mehr

Inferno in der Hechinger Altstadt

Hechingen Der größte Altstadtbrand der jüngeren Hechinger Geschichte tobte gestern Abend in der Markt- und Schlossstraße. Dramatische Rettungsszenen spielten sich ab. Neun Menschen wurden verletzt.... mehr

Hechinger Brandruinen qualmen noch

Am Tag nach dem Großbrand in der Hechinger Altstadt qualmt es immer noch aus den Brandruinen. Feuerwehrleute sind auch 20 Stunden nach Ausbruch des Feuers noch mit Löscharbeiten beschäftigt.... mehr

Haussklave erhängt sich bei Sex-Spiel in Neu-Ulmer Bordell

Neu-Ulm Ein 36-jähriger Hausbediensteter hat sich am Montag im Neu-Ulmer Bordell „Lili M.“ bei einem Sex-Experiment offenbar zu Tode stranguliert.... mehr

Ein Raub der Flammen

So einen Brand wie gestern am frühen Abend haben die Hechinger mitten in der Altstadt schon seit vielen, vielen Jahren nicht mehr gesehen. Der Altbaukomplex an der Ecke Marktstraße/Schlossstraße wurde ein Raub der Flammen. Von vier Drehleitern aus schützten die Feuerwehren die Nachbargebäude.... mehr