Vielleicht sogar ein Bürgerentscheid
Riederich. Das Riedericher Lehrschwimmbad wird zum Politikum: Gemeinderat Hans-Jürgen Zöllner fordert gar einen Bürgerentscheid, um die Zukunft des Bades zu regeln. Eine Bürgerversammlung steht ohnehin an.
Die Riedericher Räte stecken in der Zwickmühle. Einerseits hat die Gemeinde kein Geld mehr, sacken die Einnahmen aus der Gewerbesteuer in den Keller, sind selbst die finanziellen Rücklagen bis Ende 2011 aufgezehrt, wie Bürgermeister Klaus Bender in seiner Haushaltsrede ausführte. Andererseits soll das Gremium ausgerechnet in diesen Krisenzeiten eine Entscheidung treffen, die Zündstoff birgt: Kann es sich die Gemeinde leisten, das Lehrschwimmbad langfristig zu erhalten?
Noch freilich ist das Jahrzehnte alte Bad betriebsfähig - aber mittelfristig kommen die Riedericher nicht um eine komplette Erneuerung der Technik und eine (zumindest teilweise) energetische Sanierung des Gebäudes herum. Das erläuterten die Planer des zuständigen Ingenieurbüros Witt am Mittwoch dem Gemeinderat.
Die Ingenieure ("es ist ein Wunder, dass das Bad überhaupt noch funktioniert") stellten den Räten drei Varianten für eine Sanierung des Lehrschwimmbades vor. Variante eins und mit Kosten von rund 717 000 Euro brutto die günstigste Lösung: Die Kommune modernisiert die Zentraltechnik, tauscht die Fenster aus und saniert das Flachdach. Variante zwei: Die Riedericher nehmen eine Generalüberholung der Haustechnik vor, investieren in das Dach, neue Fenster und dämmen die Fassade. Kosten: rund 1,3 Millionen Euro.
Die dritte Möglichkeit wäre ein Neubau der Schwimmhalle für rund 2,9 Millionen - aber die ziehen der Rat und die Verwaltung derzeit wohl am wenigsten in Betracht. Denn die Gemeinde kann schon die Kosten für die Sanierung nicht aus eigener Kraft aufbringen: "Egal, wie viel Geld wir in die Hand nehmen - wir müssen auf Kredite zurückgreifen", stellten der Bürgermeister und sein Kämmerer Tobias Pokrop klar.
Schulden machen ja oder nein: Obwohl der Betrieb im Bad vorläufig normal weiterläuft, muss das Gremium über diese heikle Frage in naher Zukunft befinden. Denn Technik und Wärmeversorgung des Lehrschwimmbades hängen von der Heizung der Gutenbergschule und -halle ab. Die soll im laufenden Haushaltsjahr überholt werden, wobei das Bad die Größenordnung der Sanierung mitbestimmt. (wir haben berichtet).
Würde das Bad langfristig schließen, bedeutet dies, dass die Riedericher Schüler auf ihren Schwimmunterricht verzichten müssten. Verlassen die Riedericher den Pfad der Spar-Tugend und holen das erforderliche Fremdkapital bei der Bank, so würde die Pro-Kopf-Verschuldung der Bürger drastisch ansteigen, rechnete Gemeinderat Hans-Jürgen Zöllner vor. "Wir müssen uns im Klaren darüber sein, ob wir das verantworten können. Es stehen ja noch andere Projekte an". Zöllner schlug deshalb vor, "die Bürger selbst entschieden zu lassen, ob sie die Zeche zahlen wollen".
Vor einem möglichen Bürgerentscheid steht in Riederich aber in jedem Fall eine Bürgerversammlung. Sie zeitnah einzuberufen, das forderte Gemeinderätin und VHS-Leiterin Johanna Kruppa - auch ihre Aqua-Kurse finden Platz in der Lehrschwimmhalle, außerdem gastieren dort zwei weitere Grundschulen.
Bürgermeister Klaus Bender regte sowieso eine Bürgerinfo an: "Vorher müssen wir allerdings noch ein paar Fakten klären." Beispielsweise jene, ob das Bad auch Schritt für Schritt in Abständen saniert werden könnte. Oder ob das Dach vor dem Austausch der Fenster renoviert werden kann. Ja, sagen die Ingenieure - allerdings müssten die Riedericher dann mit zehn bis 15 Prozent Mehrkosten rechnen.
Die Gemeinderäte Dietmar Hacker ("wir sollten nicht ein Projekt zum Bauernopfer machen") und Jürgen Stirnkorb plädierten schließlich trotz der schwierigen finanziellen Situation für den Erhalt der Infrastruktur. Stirnkorb: "In unserem Bad lernen viele Kinder das Schwimmen. Und ehe ich ein Kind ertrinken sehe, nehme ich lieber eine höhere Pro-Kopf-Verschuldung in Kauf."
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Autor: CHRISTINA HÖLZ | 19.03.2010
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Kinder planschen im Riedericher Lehrschwimmbecken: Der Betrieb des Bades steht heute auf der Kippe. Foto: Archiv
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