Schwaben sind anders

Zainingen.  Der Schwabe ist ein unberechenbares Wesen und voller Widersprüche. Dass das auch am Dialekt liegt, erörterten Helmut Pfitzer und Eva Nussbaum während eines Mundartabends beim Zaininger Albverein.

"Willst du keinen Streit und Ärger, meide jeden Württemberger", das jedenfalls scheint die Meinung vieler Nicht-Schwaben zu sein, sagt Mundartkenner Helmut Pfitzer. Er war am Mittwoch zu Gast auf der Mundartbühne des Schwäbischen Albvereins Zainingen. Auf die Alb hatte Pfitzer nicht nur zahlreiche Anekdoten mitgebracht, sondern zur musikalischen Unterstützung auch Eva Nussbaum an seine Seite geholt.

Dass der Schwabe aber wirklich "koi oifacher Mensch isch", stellte sich im Vereinsheim des Schwäbischen Albvereins schnell heraus. Heißt es doch manchmal, dass "die Schwoba schaffet ond die Badener denkat".

Doch Pfitzer musste im Lauf seines Lebens selbst feststellen, dass er es als Stuttgarter nicht in allen Regionen des Landes leicht hat. Damals beispielsweise als er ein Häuschen in Horb bezogen hatte und vom Nachbar nicht in allzu tiefe Gespräche verwickelt wurde. Stattdessen gab es ein knappes "Grüß Gott" und eine lange Musterung von Kopf bis Fuß.

Sobald es um die Lebensqualität geht, halten die Schwaben aber wieder zusammen. Pfitzer brachte das in einem seiner Werke amüsant auf den Punkt. Denn an sich brauche man ja nicht viel, allerdings wünschen sich viele ein Eigenheim. Und wenn dann schon mal das Haus da sei, würde natürlich noch eine Garage dazu passen, und weil ein Opel halt doch ein Opel bleibt und ein Schwabe kein bayerisches Auto in seine Garage stellen könne, müsse es dann halt doch ein Wagen mit einem Stern sein. Denn: "Ma braucht ja net viel."

Weil es sich mit dem Schwäbischen aber immer wieder so schön spielen lässt, ließ Pfitzer auch die Widersprüchlichkeiten des Dialekts nicht zu kurz kommen. Denn "unheimlich heimelig" oder "ganz schee wiascht", solche Formulierungen gibt es halt nur bei den Schwaben.

Was es zudem längst genauso gibt, ist schwäbischer Blues und Jazz. Und den hat Eva Nussbaum nicht nur perfektioniert, sondern verleiht ihren Liedern mit der starken Stimme und den Texten mitten aus dem Leben ihre ganz eigene unverwechselbare Note.

Da werden dann aber mal die eigenen Kinder zu Hauptfiguren und bekamen die ganze Aufmerksamkeit der Mundartabend-Gäste als beispielsweise von der gelösten Handbremse im Auto samt dem anschließenden Zusammenstoß oder etwa von gezuckerten anstatt gesalzenen Spätzle zu hören war. Situationen, die Eva Nussbaum dabei zwar bluesig interpretierte, immer aber mit einem Augenzwinkern zum Besten brachte. Zur Freude der Zuhörer.


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Autor: JAN ZAWADIL | 19.03.2010

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