Kosten sind nicht zu stemmen Auwiesenhalle ist total marode, das Lehrschwimmbecken bleibt geschlossen
Neckartenzlingen. Der Gemeinderat sollte den Bericht zur Sanierung der Auwiesenhalle nur zur Kenntnis nehmen, doch der beunruhigte enorm. Und das Lehrschwimmbecken bleibt nun doch geschlossen.
Auch an Gebäuden geht das Alter nicht spurlos vorbei. Seit 50 Jahren ist die Auwiesenhalle in Betrieb (Baujahr 1961), einst auf modernem Stand errichtet, hat der Zahn der Zeit tüchtig an ihr genagt, auch die Technik entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen. Was Volker Pfeiffer, Diplomingenieur und freier Architekt, und Steffen Krüger, der einem Ingenieurbüro vorsteht, von ihrer Voruntersuchung im Auftrag der Gemeinde berichteten, ließ die Gemeinderäte nicht kalt.
Volker Pfeiffer stellte erhebliche Mängel bereits an der Gebäudehülle fest. Das Eindringen von Feuchtigkeit sei bereits von außen sichtbar. Die Einscheibenverglasung sowie die Holzfenster mit Doppelverglasung im Sozialbereich entsprächen nicht mehr heutigen Anforderungen an den Wärmeschutz. Der hohe Wärmeverlust sei heute nicht mehr tragbar. Teilweise bestehe sogar Einsturzgefahr, so seien die Glasbausteine nicht mehr im gesichertem Zustand.
Das Hallendach scheine zwar dicht zu sein, Stauwasser bilde aber durch die kleinen Abläufe eine Gefahr. Das Flachdach im Nebenraumbereich mache den Eindruck eines verlassenen Truppenübungsplatzes. Eine Komplettsanierung sei zwingend erforderlich. Die Dicke der Wärmedämmschicht entspreche nicht den aktuellen Anforderungen. All das erhöhe die Gefahr von Feuchtschäden im Gebäude.
Auch der Innenausbau weise Mängel auf, so der Architekt. Auch der Sicherheitsstandard sei nicht mehr gegeben. Der Sportboden und der gesamte Hallen-Innenausbau seien sanierungsbedürftig, so sein Resümee.
Das Lehrschwimmbecken mache zwar einen schmucken Eindruck, bemerkte der Architekt, ein genauer Blick zeige aber auch hier Schäden. Er verwies auf die durchfeuchteten Wände im Sanitärbereich, WC-Trennwände und Sanitärgegenstände seien zu erneuern. In allen Bereichen bestehe erheblicher Sanierungsbedarf. Auch die Räume der ehemaligen Hausmeisterwohnung, wo die Bücherstube untergebracht ist, entspreche nicht den schulischen Anforderungen.
Nicht weniger kritisch sah Steffen Krüger die technischen Anlagen. Teilweise korrodierende Rohre und die veraltete Regelungsanlage machten eine komplette Erneuerung nötig. Die Schwimmbadtechnik entspreche nicht mehr den geltenden Vorschriften. Und vor allem: Die gesamte Anlage koste viel Energie.
Das Ingenieurbüro schätzte die Sanierungs-Kosten für den Sanitärbereich auf 85 000 Euro, für die Heizung auf 195 000 Euro, für die Lüftung auf 145 000 Euro, für die Wassertechnik auf 120 000 Euro und für die Abbrucharbeiten der Anlage auf 20 000 Euro an.
Da stellte Gemeinderat Jochen Banal (SPD) fest: "Man hat über viele Jahre nichts gemacht." Und schloss die Frage an: "Was wollen wir tun?" Man könne nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, sagte Georg Adler (CDU), die Diskussion nach der Besichtigung habe man schon einmal geführt, da sei nichts gemacht worden. Er wollte Termine gesetzt haben.
"Es gibt nur eine große Lösung, wir müssen uns auf die Socken machen. Wir haben da draußen ein Betriebsrisiko", konstatierte Gerd Lohmann (FBL).
"Wir sind Getriebene der Vergangenheit", bemerkte Henrik Schäfer (UWV). Man müsse für die Gemeinde einen Gesamtplan aufstellen, worin auch diese Halle zu berücksichtigen sei. "Wo haben wir Gefahr im Verzug?", wollte Jürgen Schöllhammer wissen. "Wir haben hier ein Gebäude mit hochverschwenderischer Energie", stellte Bürgermeister Herbert Krüger fest. Man habe schon vieles gemacht, er verwies auf die schulischen Aufgaben, ein Schulträger könne diese Belastungen aber nicht mehr allein tragen.
Das Lehrschwimmbad ist seit einigen Monaten geschlossen. Unter dem Eindruck des Ergebnisses der Voruntersuchung des Zustandes der Halle und ihrer Anlagen hatte der Gemeinderat zu entscheiden, ob das Lehrschwimmbecken mit 40 000 Euro saniert werden soll, um seinen Fortbestand noch einige Zeit zu sichern.
Das sei rausgeschmissenes Geld, stellte Helmuth Kern (Alternative für Neckartenzlingen) klar. "Wir können keinen Königsweg aufzeigen", entgegnete der Bürgermeister.
So sah er sich gefordert, sofort darüber abstimmen zu lassen. Er selbst enthielt sich der Stimme, fünf Gemeinderäte votierten für die Sanierung, zehn dagegen. So bleibt das Lehrschwimmbecken endgültig geschlossen, die notwendigen Maßnahmen zur Stillegung erfolgen.
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Autor: WIELAND LEHMANN | 09.02.2012
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Derzeit keine Sanierung möglich: Das Lehrschwimmbecken bleibt geschlossen. Und die Auwiesenhalle ist ebenfalls marode. Foto: Thomas Kiehl
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