Die Landschaft als Geschichtsbuch

Wälle, ein Museum, Ausgrabungen und ein eigenes Fest: Die Kelten sind in der Heidengraben-Region präsent und doch kaum bekannt. Ein Dokumentarfilm klärt auf. 500 Zuschauer waren bei der Premiere.

KIRSTEN OECHSNER |

Mit großer Freude und viel Engagement tauchen sie regelmäßig ein in die Welt der Kelten: Die Mitglieder der Gruppe Rinisava oder auch die Aktiven des Heidegraben-Vereins und die Archäologen erst recht.

Seit Mittwoch wissen aber auch Menschen, die sich eher wenig mit der Vergangenheit der Kelten beschäftigen, eines: Dass die Auseinandersetzung mit der Geschichte dieses Volkes, das die Region um Grabenstetten, Hülben und Erkenbrechtsweiler entscheidend mit geprägt hat und es immer noch tut, großen Spaß machen kann. Den vermittelt ein 3-D-animierter Dokumentationsfilm, dessen Premiere rund 500 Menschen in die Grabenstetter Falkensteinhalle gelockt hatte.

Die Mischung macht die Spannung aus: Zum einen eröffnet der 45-Minuten-Film einen Blick auf die Heimat und die Einzigartigkeit der Kulturlandschaft, der durchaus stolz machen kann. "Wers noch nicht wusste, bekommt es jetzt zu sehen: Unsere Heimat ist etwas ganz besonderes", hatte Grabenstettens Bürgermeister Harald Steidl zur Begrüßung versprochen. Zu Recht: Wunderschön die Landschaftsaufnahmen der Albhochfläche und des Albtraufs, der Blick wird immer wieder auf die weithin sichtbaren Wallanlagen gelenkt und gleichzeitig per Animation auf das, was mit dem bloßen Auge gar nicht mehr zu sehen ist: Die Standpunkte der einstigen Zangentore in der heutigen Landschaft zum Beispiel - an so manchem Acker werden die Menschen künftig nicht mehr ganz so achtlos vorbeifahren. Viele Informationen, Zahlen und Daten, Fakten und Vermutungen werden in dem Dokumentarstreifen verpackt wie in einem aufregenden Spielfilm: Spannungsgeladen die Musik, ernst und sachlich der Sprecher in den entscheidenden Momenten, gleichzeitig präsentiert sich Kelten-Fachmann Dr. Frieder Klein vom Regierungspräsidium Tübingen aber locker-informativ, wenn er vor Ort von seiner Arbeit berichtet. Dann wieder schaut man Forschern bei der Arbeit regelrecht über die Schultern, ist bei der digitalen Rekonstruktion einer Amphore mit dabei. Basis waren einige wenige Scherben.

"Die Forschungsergebnisse der Universität Tübingen sind so aufgearbeitet, dass man meint, mittendrin zu sein", erklärte Steidl. "Man fährt mit dem digitalen Streitwagen in die Vergangenheit." Anschaulich wird das Leben der Kelten vor mehr als 2000 Jahren in dem 1700 Hektar großen Oppidium Heidengraben dargestellt - oder wie es ausgesehen haben könnte. Denn immer noch gibt es viele unerforschte Geheimnisses rund um ihre Geschichte. Und weil die so spannend ist, habe er sich zu dem Film entschlossen, meinte der Produzent Dieter Hagmann. Das Projekt jedenfalls ist gelungen, die Begeisterung im Publikum war groß. Dank der 40 Quadratmeter großen Leinwand konnte sich der Zuschauer mittendrin im Geschehen fühlen, die Funde erwachen zum Leben und die Bedeutung des Heidengrabens wurde angesichts dieser Fülle an interessant aufbereiteten Informationen erst so richtig bewusst. Die Landschaft entpuppt sich laut Dr. Klein als Geschichtsbuch - das könnten zwar nur Insider lesen, aber Dank solcher Filme wie "Der Heidengraben - Eine fast unentdeckte Keltensiedlung" werde das Thema immer weiter in die Bevölkerung getragen. Die genoss die Premieren-Atmosphäre, die aber nicht ganz an die von Hollywood heranreichte.

Aber auf Stars der Szene musste das Publikum nicht verzichten: "Achim Lehmkuhl ist der Georg Clooney dieses Films", meinte Kelten-Forscher Klein über den ehrenamtlichen Ackerläufer in Sachen Kelten. "Vielen Dank für seine Funde, die er der archäologischen Forschung zur Verfügung stellt."

Info Die DVD "Der Heidengraben - Eine fast unentdeckte Keltensiedlung" gibt es ab Mai zu kaufen. Die Vorverkaufsstellen und weitere Informationen gibt es unter www.heidengraben-film.de.

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