Der Beste seiner Zunft

Hülben.  Moritz Hägele kann mit seinen 22 Jahren schon eine respektable berufliche Karriere vorweisen. Kürzlich hat er seine Lehre als Zweiradmechaniker abgeschlossen, und zwar als Bundessieger.

Jetzt, da Schnee die Alb einhüllt, kann Moritz Hägele seinen lang ersehnten Urlaub planen. Im Januar will er nach Neuseeland fliegen, um ein paar Wochen durch das Land zu touren. Die Erholung hat er sich verdient, finden auch seine Chefs, Toni Hopf und Klaus Wengel. Die beiden sind Geschäftsführer der Firma Wheelie Motorräder mit Sitz im Hülbener Gewerbegebiet.

Sie haben Moritz Hägele ausgebildet und ihm jene Kenntnisse vermittelt, die es ihm ermöglichten, seine Lehre als deutschlandweit bester seines Jahrgangs abzuschließen. Deshalb darf er sich nun Bundessieger der Zweiradmechaniker mit der Fachrichtung Motorradtechnik nennen. Der Titel bescherte ihm außerdem eine Einladung ins tschechische Brünn, wo er sich Anfang Januar mit Kollegen aus verschiedenen europäischen Ländern messen will.

Eine Herausforderung, der der junge Mann ruhigen Mutes entgegensieht. Diese Gelassenheit ist ein Schlüssel zu dem Erfolg, den Moritz Hägele im Bundeswettbewerb erringen konnte. "Eigentlich", sagt er, "wollte ich den Titel gar nicht unbedingt gewinnen." Deshalb sei er relativ locker in den Wettbewerb gegangen, der in Frankfurt ausgetragen worden ist. Dass Moritz am Ende den Siegertitel mit auf die Alb brachte, hat auch etwas damit zu tun, dass er sein Handwerk in einer freien Werkstatt erlernte. Dort sind viele Talente gefordert, um die Wünsche der Kunden zu erfüllen. Improvisationsgabe gehört ebenso dazu wie die Fähigkeit, selbstständige Entscheidungen zu treffen. Deswegen hatte Moritz mit der Aufgabenstellung beim Bundeswettbewerb auch wenig Probleme. Es galt unter anderem ein Ersatzteil selbst herzustellen und dafür zu sorgen, dass ein Auftrag fristgerecht erledigt wird. "Das ist in unserer Firma Alltag", sagen die beiden Chefs. In Großbetrieben sei die Spezialisierung hingegen viel größer, zudem dürfen die Lehrlinge dort nicht so selbstständig arbeiten wie Moritz, entsprechend schwierig sei es für manchen Lehrling gewesen, die Aufgaben des Bundeswettbewerbs zu lösen. "Was Moritz geleistet hat, ist nicht ohne", loben die Chefs.

Sie sind selbstredend stolz auf ihren Lehrling, der zumindest noch einige Zeit im Betrieb arbeiten wird. Danach denkt der junge Mann daran, seinen Meisterbrief zu erwerben und später vielleicht noch ein Studium drauf zu satteln. Den Motorrädern will Moritz in jedem Fall treu bleiben, schließlich fuhr er bereits im Alter von acht Jahren sein erstes Rennen. Dem Motorsport ist er nun als Endurofahrer verbunden. Dieses Jahr hat er die Wettkämpfe allerdings fast alle ausgelassen, die Gesellenprüfung und der Bundeswettbewerb hatten Vorrang.


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Autor: REGINE LOTTERER | 27.11.2010

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