Aramis-Trio bei den Musikfreunden

Münsingen.  Beim ersten Musikfreunde-Konzert nach der Sommerpause spielte das Aramis-Trio in der Münsinger Zehntscheuer Mozart, Schumann und Chopin.

So sehen also moderne Musketiere aus: Anzug, rotes Hemd und schwarze Lackschuhe. Im feinen Zwirn sind sie nicht mit Degen bewaffnet, sondern greifen zum Bogen oder nehmen hinter dem Piano Platz. Die Musiker, die sich in Anlehnung an die wehrhafte Romanfigur bei Alexandre Dumas Aramis-Trio nennen, kämpften am Sonntag in der Zehntscheuer alleine um den guten Ton - sie sollten siegen.

Das junge Karlsruher Trio mit Martin Emmerich (24, Violine), Heiner Reich (24, Violoncello) und Fabian Wankmüller (25, Klavier) zeigte nicht nur durch ihre Garderobe Zusammengehörigkeit, sondern bewies vor allem im Vortrag viel Homogenität und ein Spielverständnis, das sie als junges, aber bühnenerfahrenes Trio auszeichnet.

Versunkene Mienen wechselten sich mit schnellen Blicken ab, um punktgenaue Einsätze und impulsive Passagen hör- und erlebbar zu markieren. Mit Spielfreude und Leidenschaft wurde da tief geschnauft, da erhob man sich erregt aus dem Stuhl, Körper wurden angespannt und Muskeln wieder schlagartig gelockert. Musizieren - zumindest bei den Aramis-Mitgliedern - kann durchaus auch eine körperliche Anstrengung bedeuten. So war Mozarts Klaviertrio Nr. 6 zu Beginn des Abends auch eher als sinnliche "Lockerungsübung" zu verstehen. Beinahe beschwingt und fröhlich setzten sie das Werk leichtfüßig und technisch versiert um. Der im Andante cantabile nur leicht angedeutete Hang zur Dramatik entfaltete sich erst im zweiten Werk des Abends zur vollen Blüte.

Bereits der einleitende, aufwühlende Satz Allegro con fuoco (mit Feuer) des Chopin-Klaviertrios op. 8 geriet zu einer Demonstration. Das Klavier brach sich hier drohend und in fast aggressiver Manier immer wieder Bahn, um sich ein paar Takte später den melodramatischen Wogen der Streicher anzuschließen und sie dann wieder zu wohl akzentuierten Höhenflügen anzuspornen. Es entbrannte ein im Stück angelegter Kampf um die instrumentale Vorherrschaft.

Wobei die Musiker aber auch Ausgewogenheit und Balance unter Beweis stellten. Denn bei aller spielerischen Kraft und Lust verloren sie nie das Maß und konnten auch in ruhigen Momenten, wie im folgenden Adagio sostenuto, durch Sensibilität und Charakter überzeugen.

Vollends Schumanns Klaviertrio Nr. 1: Hier zeigte sich das Können des Trios kaleidoskopartig. Die vier Sätze tragen Spielanweisungen wie "Mit Energie und Leidenschaft" oder "Langsam, mit inniger Empfindung". Die drei Musiker nahmens wörtlich - mit elegisch ausuferndem Bogenstrich, hauchzart gespielten Nuancen oder mit voluminös aufbrausenden Kontrapunkten.

So lieferte das Aramis-Trio den eindrucksvollen Beweis dafür, dass sich jugendliche Leidenschaft einerseits und sensible Gefühlsregungen andererseits bestens vereinen lassen, ohne dass das eine oder andere Klischee zu sehr bemüht werden müsste: Die Musiker überzeugten mit virtuoser Durchschlagskraft ebenso wie mit leiser Innigkeit.

Langer Applaus und als Zugabe das wehmütige "Oblivion" von Astor Piazzolla.

Info Zum nächsten Musikfreunde-Konzert kommt das David Orlowsky Trio am Samstag, 9. Oktober, 20 Uhr, in die Zehntscheuer Münsingen.


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Autor: SIMON WAGNER | 29.09.2010

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