Viel Interesse an Ratiopharm

Ulm.  Mehr als 70 Investoren haben Interesse am Kauf des Ulmer Arzneimittelherstellers Ratiopharm angemeldet. Dessen Eigentümer Ludwig Merckle hat seine Finanzschulden auf unter 3 Mrd. gesenkt.

Der Ulmer Unternehmer Ludwig Merckle kommt bei der Entschuldung seiner Unternehmensgruppe schneller voran, als es viele Experten für möglich gehalten haben. Wie die SÜDWEST PRESSE aus Kreisen, die mit den Verhältnissen eng vertraut sind, erfuhr, betragen die Finanzverbindlichkeiten mittlerweile deutlich weniger als 3 Mrd. .

Zum Höhepunkt der Finanzschwierigkeiten der Merckle-Dachgesellschaften, der VEM Vermögensverwaltung und Spohn Cement, hatten die Verbindlichkeiten zu Jahresbeginn bei rund 5 Mrd. gelegen. Entstanden waren sie im Zuge der Finanzkrise und der auf Kredit finanzierten Expansion der Gruppe.

Zudem haben weder die Merckle-Dachgesellschaften noch die operativ profitabel arbeitenden Tochter-Unternehmen Ratiopharm und der Mannheimer Pharmagroßhändler Phoenix bisher den Sanierungskredit von 400 Mio. in Anspruch genommen, heißt es in informierten Kreisen. Um die Einzelheiten des Sanierungskredits hatten Vertreter von Banken und der Familie Merckle monatelang gerungen.

Vor allem mit der Verringerung seiner Beteiligung am Baustoffhersteller Heidelcement von 72,42 Prozent auf 24,4 Prozent und in der Folge Einnahmen von mehr als 1,7 Mrd. hat sich Ludwig Merckle großen finanziellen Spielraum bei der weiteren Entschuldung verschafft. So konnte er den Verkauf der Kässbohrer Geländefahrzeug AG (Laupheim), einem Hersteller von Pisten- und Strandpflegegeräten) mit einem Jahresumsatz von zuletzt 191 Mio. Euro absagen.

Das hatte unter Mitarbeitern des Arzneimittelherstellers Ratiopharm die Hoffnung reifen lassen, dass auch die geplante Veräußerung des Unternehmens, das die Keimzelle der Merckle-Gruppe bildet, gestoppt wird. Doch der Verkauf ist Bestandteil der Stillhaltevereinbarung mit den Banken und steht fest.

Einziger Trost für die Mitarbeiter ist: Die Unternehmerfamilie Merckle legen großen Wert darauf legt, dass ein Käufer gefunden wird, der zu Ratiopharm passt und das Unternehmen als Ganzes weiterführt, sagen Eingeweihte. Durch die rasche Tilgung eines Großteils der Schulden hat die Familie auch in diesem Punkt mehr Spielraum. Nach Branchenschätzungen liegt der Wert von Ratiopharm, einer 100 prozentigen Tochter der VEM, zwischen 2,5 Mrd. und 3,5 Mrd. Euro.

Sahen die Kassenlage und auch die Rahmenbedingungen für einen Verkauf des Herstellers von Nachahmerpräparaten vor einigen Monaten noch schlecht aus, so hat sich das Umfeld auf dem Kapitalmarkt deutlich verbessert. Das ist ein Grund dafür, warum mehr als 70 Investoren – vom forschenden Pharmakonzern über Branchenfremde bis hin zu Finanzinvestoren – Interesse angemeldet haben, wenngleich dabei einige wohl nur die Gelegenheit nutzen, in die Geschäftszahlen von Ratiopharm zu blicken.

Ein weiter Grund ist die Stärke im operativen Geschäft. Aus Unternehmenskreisen verlautete, dass Ratiopharm in den ersten neun Monaten das geplante Umsatzwachstum von 3 Prozent erreicht habe, und sich das Ergebnis erfreulich entwickle. Das liegt zum einen am Sparkurs, zum anderem am erfolgreichen Auslandsgeschäft.

Der Betriebsratsvorsitzende Odo Maxein wollte sich zu Spekulationen über den Verkauf nicht äußern. Der SÜDWEST PRESSE sagte er: „Ich bin sehr froh, wie besonnen die Belegschaft durch diese stürmischen Zeiten gegangen ist. Trotz der schwierigen Situation herrsche Zuversicht im Unternehmen, weil wir uns im Markt trotz aller Widrigkeiten behaupten.“ Auch vertraue man dem eingesetzten Treuhänder Martin Stockhausen und dem Sanierungsspezialisten Hans-Joachim Ziems an der Spitze der VEM.



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Autor: ALEXANDER BÖGELEIN | 04.01.2010

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