Verbleib des Pharmagroßhändlers Phoenix noch offen
Ulm. Der Unternehmer Ludwig Merckle strebt eine rasche Schuldentilgung an, um danach seine Unternehmen neu zu ordnen. Finanzieller Druck, den Pharmahändler Phoenix zu verkaufen, besteht offenbar nicht.
Nach der Unterzeichnung des Ratiopharm-Kaufvertrags durch Teva-Vorstandschef Shlomo Yanai sieht Noch-Eigentümer Ludwig Merckle seine vorrangige Aufgabe darin, die Gesamtrestrukturierung der Gruppe voranzubringen. "Ich sehe es als meine Aufgabe, die Schuldentilgung abzuschließen und die verbleibende Unternehmensgruppe für die Zukunft aufzustellen", sagte Ludwig Merckle der SÜDWEST PRESSE, ohne Details zu nennen. Um die Finanzschulden von ehemals 5 Mrd. EUR zurückzuzahlen, hat er sich neben Ratiopharm, auch von dem Schweizer Generikahersteller Mepha und einem großen Aktienpaket des Baustoffherstellers Heidelberger Cement getrennt.
Der Ulmer Unternehmer hatte sich von Anfang an überzeugt gezeigt, dass die vollständige Entschuldung der Merckle-Gruppe möglich sei. "Somit bestätigt sich, dass es sich bei der Krise der Merckle-Gruppe um ein vorübergehendes Liquiditätsproblem handelte, dass durch die Verluste in der Finanzkrise ausgelöst wurde."
Wie eng sich die Familie Merckle Ratiopharm verbunden fühlte, zeigte sich gestern bei einem Treffen von Führungskräften. Teilnehmer berichten von einer sehr emotionalen Rede Merckles, der sich bei dem Kölner Wirtschaftsanwalt und Chefsanierer der VEM Vermögensverwaltung, der Muttergesellschaft von Ratiopharm, Hans-Joachim Ziems bedankte. Dieser habe den "Verkaufsprozess sowie die Verhandlungen ausgezeichnet und mit starker Hand geführt. "Vor allem danke ich der Geschäftsführung und allen Mitarbeitern, die sowohl durch intensive Mitarbeit am Verkaufsprozess als auch durch ihre positive Grundeinstellung, hohe Motivation und großartige Loyalität trotz Krise und Verkaufsprozess die Ratiopharm als gutes, stolzes Unternehmen präsentiert haben", sagte Merckle. Noch im April will er sich von den Mitarbeitern in einer Betriebsversammlung verabschieden.
Bevor sich Merckle um die weitere Neuordnung seiner Beteiligungen kümmern kann, gibt es bei der Ratiopharm-Gruppe, die der israelische Generika-Weltmarktführer Teva über eine deutsche Tochter erworben hat, noch viel Arbeit. Zunächst müssen die Voraussetzungen für die tatsächliche Übernahme geschaffen werden, die fürs dritte Quartal geplant ist. Dann gilt es den Verkaufserlös in einem komplexen Verfahren an die Banken zu verteilen. Mit den 3,6 Mrd. EUR wird Merckle die restlichen VEM-Verbindlichkeiten ablösen. VEM-Chefsanierer Ziems hat bereits klargestellt, dass die VEM anschließend nicht in der Lage sei, andere Unternehmen zu kaufen oder zu stützen.
Offen bleibt vorerst, ob der Mannheimer Pharmagroßhändler Phoenix Merckles Eigentum bleibt. Noch ist das Unternehmen ein Pfand der Gläubigerbanken. Damit kann Ludwig Merckle noch nicht über das Unternehmen verfügen. Die Finanzierung des größten deutschen Pharmagroßhändlers erfolgte unabhängig von der VEM.
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Autor: ALEXANDER BÖGELEIN | 20.03.2010
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