Ratiopharm-Zukunft entscheidet sich in nächsten Tagen

Ulm.  Die Ungewissheit der Ratiopharm-Mitarbeiter, wer neuer Eigentümer ihres Unternehmens wird, hält seit mehr als einem Jahr an. Mancher in Ulm und Blaubeuren-Weiler wünscht sich endlich Klarheit.

Die Sorge vor der ungewissen Zukunft versuchen etliche Ratiopharm-Mitarbeiter mit Ironie aufzufangen. Seit 14 Monaten wissen sie, dass das Unternehmen einen neuen Eigentümer erhalten wird. Groß waren der Schock und die Angst ob des Ausmaßes der Probleme von Ratiopharm vor einer möglichen Zerschlagung des Arzneimittelherstellers, nachdem sich Firmengründer Adolf Merckle Anfang 2009 das Leben genommen hatte.

„Mittlerweile ist einfach zu viel Zeit vergangen, um noch Panik zu haben“, sagt ein Mitarbeiter. In der Folge werde nun gefrotzelt, wie die Mittagsmenüs aussehen werden für den Fall, dass der Ratiopharm-Käufer aus Israel (Teva), den USA (Pfizer) oder Island (Actavis) den Zuschlag erhalten würde, und mit welchem Sprachkurs, sich die Karrierechancen verbessern könnten.

Dass die 1830 Mitarbeiter in Ulm und 420 in Blaubeuren-Weiler, keinen Grund zur Panik haben, wie Betriebsratschef Odo Maxein bereits im Dezember auf einer Betriebsversammlung betont hatte, hängt viel mit der Arbeit zusammen, die sie seit März 2008 geleistet haben.

Ratiopharm-Chef Oliver Windholz hat unter dem Titel „Projekt ONE“ die Abläufe im Unternehmen verbessert. Dabei wurden quer durch die Gruppe der Einkauf gebündelt, die Lagerbestände verringert, eine Fertigung in Holland geschlossen, die Organisationsstrukturen bei ausländischen Tochtergesellschaften vereinheitlicht und vieles mehr. Dabei wurden weltweit 600 Stellen abgebaut, 200 davon in Deutschland.

Der Erfolg des Sparkurses zeigt sich in diesen Tagen. Die Bieter im Finale loben die Effizienz der Abläufe und haben deutliche Zusagen für die Standorte Ulm und Weiler gegeben. Das sehen Mitarbeiter mit einer Mischung aus Wohlwollen und Skepsis. „Wie der Standort in drei Jahren aussieht, kann doch eh’ keiner sagen“, meint eine Beschäftigte, die sich nur noch wünscht, dass die Entscheidung endlich fällt.

Jedoch befinden sich sie und ihre Kollegen in einer vergleichsweise komfortablen Situation, weil Ratiopharm so begehrt ist. Ohnehin behalten sie ihre Arbeitsverträge mit allen Rechten, da es sich bei dem Verkauf– juristisch gesehen – nur um einen Eigentümerwechsel handelt.

Erstaunlich finden Branchenbeobachter, wie Ratiopharm seine Mitarbeiter in den Verkaufsprozess einbezieht. Dass drei Kauf-Interessenten ihre Pläne vor einer Runde von 50 Ratiopharm-Führungskräften erläutern, und die Belegschaft informiert wird, sei ungewöhnlich, schaffe aber Transparenz.

Unter den drei Kandidaten ist der Actavis-Konzern derjenige, welcher bei einigen Mitarbeitern nur wenig Sympathie genießt. Das liegt weniger an den Plänen des Generika-Spezialisten als an der Deutschen Bank, die hinter dem hoch verschuldeten Konzern steht. Deren Verhalten ist vielen Ratiopharmern im November 2008 sauer aufgestoßen.

Damals machte die Bank im Zuge der Finanzklemme der Ratiopharm-Muttergesellschaft VEM Vermögensverwaltung Schwierigkeiten, als Ratiopharm-Beschäftigte Beträge von ihren Mitarbeiterkonten abheben wollten. Sie hatten ihrem Arbeitgeber Spareinlagen zur Verfügung gestellt, die Ratiopharm überdurchschnittlich gut verzinste. Weil sich etliche Beschäftigte Sorgen um ihr Geld machten, entschloss sich die Geschäftsführung, die Sparkonten samt Zinsen auszuzahlen, sehr zum Verdruss vieler anderer Mitarbeiter mit Sparkonten.


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Autor: ALEXANDER BÖGELEIN | 11.03.2010

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