Ludwig Merckle: Schnell die Schulden tilgen

Ulm.  Der Unternehmer Ludwig Merckle hat zwei Ziele: die Schulden der Merckle-Gruppe rasch zu tilgen und möglichst viel von dem zu erhalten, was sein Vater aufgebaut hat. Die Aussichten dafür sind gut.

2009 war ein schweres und turbulentes Jahr für den Unternehmer Ludwig Merckle und seine Familie. Nach dem Tod seines Vaters Adolf übernahm er als Alleinerbe die Verantwortung für die hoch verschuldete Merckle-Gruppe. "Es war und ist eine schwierige Zeit. Ich musste gegen viele Herausforderungen ankämpfen", sagte Ludwig Merckle gegenüber der SÜDWEST PRESSE. Dass dabei "auch die Mitarbeiter trotz der Unsicherheiten voll hinter uns gestanden sind und stehen, hat mir sehr geholfen. Dafür bin ich sehr dankbar."

Sah es zu Jahresbeginn noch so aus, dass die Merckle-Gruppe mit dem Baustoffkonzern Heidelberger Cement, dem Ulmer Arzneimittelhersteller Ratiopharm und dem Mannheimer Pharmagroßhändler Phoenix großteils zerschlagen wird, so hat sich die Situation mittlerweile deutlich verbessert. "Durch den Verkauf eines Teils der Heidelberg-Cement-Beteiligung konnte ich bereits einen Teil der Schulden tilgen. Die Transaktion hat auch den Banken gezeigt, dass die vollständige Schuldentilgung nach weiteren Verkäufen möglich ist", sagte Merckle. "Ich werde alles daransetzen, dieses Ziel möglichst schnell zu erreichen, um wieder Handlungsfreiheit zu erlangen."

Durch den Verkauf von Aktien und der Ausgabe neuer Anteile sank seine Beteiligung an dem hoch verschuldeten Baustoffkonzern von 72 Prozent auf 24,4 Prozent. Das war nach Merckles Worten notwendig, um einen großen Teil der Schulden abzubauen. "Gleichzeitig wurde Heidelberger Cement gestärkt und ist jetzt ein Kandidat für den Dax. Dies war mir wichtiger als der Verlust der Mehrheit."

Der Baustoffkonzern hatte aufgrund der Übernahme seines britischen Konkurrenten Hanson für 14 Mrd. EUR Schulden angehäuft. Insbesondere erwies sich die Art und Weise, wie sein Vater Adolf Merckle eine Kapitalerhöhung bei Heidelberg Cement finanziert hatte, im Nachhinein als hochproblematisch und zu riskant(siehe Extra-Artikel).

Monatelang rangen die Familie und die Banken um eine Lösung. Zu dieser gehört, dass Ludwig Merckle Ratiopharm, den zweitgrößten Hersteller von Generika (Nachahmerpräparate) in Deutschland, verkaufen muss. "Dazu haben uns die Banken verpflichtet und es ist leider unumgänglich für die weitere Schuldentilgung. Das Unternehmen ist sehr gut aufgestellt. Das wissen auch die potenziellen Käufer", sagte Merckle.

Zu Details des Verkaufs, der nach Informationen aus Unternehmenskreisen in den nächsten drei Monaten abgeschlossen sein soll, kann und will sich Merckle nicht äußern. Denn die Familie und Banken haben Treuhänder beauftragt, die den Interessen beider Seiten verpflichtet sind und unter anderem den Verkauf von Ratiopharm steuern.

Medienberichten zufolge liegen die Kaufangebote für Ratiopharm zwischen 2 Mrd. EUR und 3 Mrd. EUR. Da die Finanz-Verbindlichkeiten der Merckle-Gruppe deutlich weniger als 3 Mrd. EUR betragen, könnte Ludwig Merckle mit dem Verkauf des Ulmer Arzneimittelherstellers die Verbindlichkeiten der Ratiopharm Muttergesellschaft VEM und weiterer Gesellschaften der Merckle-Gruppe größtenteils ablösen, heißt es in Kreisen, die mit den Verhältnissen eng vertraut sind. Damit ist es wahrscheinlich, dass wesentliche Teile der jetzigen 24,4-Prozent-Beteiligung an Heidelberger Cement, der Mannheimer Pharmagroßhändler Phoenix und der Pistengerätehersteller Kässbohrer Eigentum von Ludwig Merckle bleiben werden.

Merckle äußert sich in diesem Zusammenhang vorsichtig. "Klar ist es, dass es die alte Merckle-Gruppe in dieser Form nicht mehr geben wird. Mein Ziel ist es möglichst viel von dem zu erhalten, was mein Vater aufgebaut hat."

Mit Bernd Scheifele, dem Vorstandschef der Heidelberger Cement AG und dem jahrelangen Vertrauten seines Vaters, arbeitet auch Ludwig Merckle eng zusammen. "Er ist für mich ein wichtiger Partner", sagt Merckle über den studierten Juristen, dessen Vertrag als Vorstandschef der Aufsichtsrat bereits im März um fünf Jahre verlängert hatte. Das war zu einem Zeitpunkt als sowohl Heidelberger Cement als auch die Merckle-Gruppe noch tief in der Finanzklemme steckten.

Mittlerweile hat Scheifele durch einen rigorosen Sparkurs, eine Umschuldung und nicht zuletzt durch die gelungene Kapitalerhöhung den Konzern aus der Krise geführt. Die Kapitalerhöhung und der gleichzeitige Aktienverkauf von Ludwig Merckle im September waren sowohl für den Baustoffriesen als auch für den Großaktionär ein finanzieller Befreiungsschlag.


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Autor: ALEXANDER BÖGELEIN | 04.01.2010

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